Die Weiber seien untertan ihren Männern

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Jimmy Carter hat in einem sehr kritischen Artikel im britischen Observer die Rolle von Religionen in Bezug auf die Unterdrückung der Frauen thematisiert. Und ich muss sagen, er hat in den meisten Punkten Recht, nur leider bleibt er, aus meiner Sicht, nach einer guten Analyse auf halber Strecke stehen.

Oft ist es auf Religionen zurückzuführen, dass Frauen schlechter ausgebildet werden, ihnen Berufe vorenthalten und Macht verwehrt wird – von sexuellen wie freiheitlichen Selbstbestimmungsrechten ganz zu schweigen. Und das gilt nicht nur für eine Religion, in so gut wie jeder finden sich dafür Regeln, sogar in vielen buddhistischen Häusern!

Es tut wirklich gut, jemanden wie Jimmy Carter – immerhin ehemaliger Präsident eines echt sehr religiösen Landes – das sagen zu hören. Manchmal fühle ich mich mit dieser Position doch eher allein oder unter vielen, die sich das nicht auszusprechen trauen, da sonst religiöse Gefühle verletzt werden. Dieses letztere Argument halte ich, nur mal so ganz kurz nebenbei sowieso für extrem arrogant, da es die Gefühle religiöser Menschen über die von Frauen, Homosexuellen, Huren und sonstigen von der Religion Ausgestoßenen stellt. Religiöse Menschen dürfen diese sehr wohl kritisieren – ihren kompletten Lebensstil – diese dürfen aber nicht den Glauben an ein überirdisches Wesen und die Ableitung für Regeln im alltäglichen Leben kritisieren. Aber ich komme vom Thema ab.

Also, toll dass Jimmy Carter das alles schreibt, aber er zieht irgendwie die falschen Schlüsse. Denn erstens sind es für ihn nur die bösen Gelehrten, die die Unterdrückung der Frau legitimieren und zweitens wäre alles gut, wenn wir uns nur wieder auf Jesus, Mohammed, Moses oder sonstige Propheten berufen würden. Und da kann ich mit ihm schon nicht mehr mitgehen. Religionen sind für mich Herrschaftsmittel. Und dieses Herrschaftsmittel wird von den Herrschenden – und das waren nun mal Jahrhunderte lang Männer – so verwendet, dass ihre Macht vergrößert und zementiert wird. Bei Religionen gilt dies übrigens nicht nur für die formalen, großen Herrscher (gern auch mal Gelehrte genannt), sondern auch für alltägliche familiäre Verhältnisse, denn Religionen versuchen, diese bis ins Kleinste zu regeln. Die Rolle des Mannes und die der Frau innerhalb einer Ehe sind klar definiert – und Vorsicht, hier muss nicht immer nur auf die ach so bösen Muslimen geschielt werden (Zwangsverheiratung, Ehrenmord, …), auch bei den Christen wurde die Frau aus der Rippe des Mannes gemacht und „die Weiber seien untertan ihren Männern.“ (Bibel, Ephesser 5:22) (Anm.: Ich war das mit den Weibern nicht, das war Luther)

Gut ich gebe ja zu, dass ich mich als nicht gläubiger Mensch per se schwer tue, Menschen ernst zu nehmen, die die Unterdrückung anderer damit legitimieren, dass sie irgendetwas glauben. Doch genauso schwer tu ich mich damit, wenn Menschen feststellen, wie sehr Frauen durch Religionen unterdrückt werden, dann aber nicht der Religion, sondern den Menschen, die sie machen, die Schuld geben – denn das ist naiv. Es sind immer Menschen, die hier auf Erden etwas machen, sonst wäre es der Himmel. Und wer sich mal die Bücher der Religionen durchliest – ich habe das bei einigen tatsächlich getan – wird merken, dass die Frau in keinem dieser wirklich gut wegkommt, es sei denn es geht ums Putzen!

Ja, dieses Thema ist nun nur angerissen und somit auch nur oberflächlich besprochen – aber wir können gern in der Diskussion noch bei einigen Fragen in die Tiefe gehen. Zu Jimmy Carter kann ich eben nur sagen, ich freue mich, dass er kritisiert, denn das ist mir allemal lieber als jene, die alles nur als gottgegeben hinnehmen. Von mir aus darf jeder glauben, was er will, aber wenn er deshalb denkt, Frauen weniger Macht, Freiheit oder Spaß zugestehen zu dürfen, dann werde ich das nicht akzeptieren, auch wenn ich damit seine Gefühle verletze.

(Ein Text von Werner@Maedchenmannschaft)

14:36 30.07.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Mädchenmannschaft

Wir lieben den Feminismus und notieren Dinge und Nachrichten, die fröhlich machen oder uns die Nackenhaare aufstellen.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 49

Avatar
meisterfalk | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
rainer-kuehn | Community
Avatar