Eine exakt berechnete Kurve

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In der Sunday Times verkündet Shane Watson die Rückkehr der Kurven in die Mode: “we are officially over skinny”. Nun ist “kurvig” wohl einer der dehnbarsten Begriffe - denn damit muss noch lange nicht gemeint sein, dass ab sofort Bäuche und runde Pobacken angesagt sind. Dass sie eher weiterhin zu den bekämpfenswerten Körpererscheinungen von Frauen gehören, legen Watsons Beweisstücke A, B und C nahe. A) sieht sie Scarlett Johansson als eine dieser neuen kurvigen Damen; B) sehe man beispielsweise an Jennifer Aniston den neuen Trend zu mehr Fleisch auf den Knochen; C) habe es sogar die britische Sängerin Adele mit einem Fotoshooting in die US-amerikanische Vogue geschafft, ohne vorher gebeten zu werden, ein paar Kilos abzunehmen.

Hm, ehrlich gesagt, alles vielleicht interessante Hinweise auf einen neuen Trend, aber kein Grund aufzuatmen, die Plackerei mit den den weiblichen Problemzonen habe nun ein Ende. Neinnein, es muss natürlich weiterhin etwas, ach was: viel getan werden. Wenn Watson von “soft and shapely bodies” schreibt, dann benutzt sie nämlich genau die immer dagewesenen Vokabeln für das Anforderungsprofil an weibliche Körper, um akzeptabel zu sein - ein paar Kilo mehr oder weniger. Und da ja sowieso kaum eine Frau jemals wirklich so dünn wie der Trend der letzten Jahre war (auch die Frauen auf den Titeln waren es nur dank Photoshop), bleibt die Forderung, eigentlich müsse man mehr für eine gute Figur tun, im Grunde die Gleiche.

Auf Jezebel.com kommentiert auch “hortense” diesen “Trend”:

The truth is, an embrace of curves, if it is happening at all, seems to be limited to curves proportionately distributed on a woman who fits into a size 6 dress. Beth Ditto is mentioned in the article, as she always is in these articles, as an example of an extreme — the fashion world, as we’ve discussed before, is not embracing a million Beth Dittos; it is only embracing one. (…) The truth is, the average woman’s body type will never be fully embraced by the fashion or entertainment industries: there will always be an emphasis on changing one aspect of the body or improving another, as that’s what sells, sadly.

Tatsächlich heißt “kurvig” für Shane Watson nicht etwa mehr Freiheit für die Ausbuchtungen des eigenen Körpers - wie gesagt, “soft an shapely” muss schon noch sein. Und das heißt: Rackern Mädels. Hin zu einem (wieder) uniformen Ideal - auch wenn das jetzt ein paar Zentimeter mehr Hüftumfang hat. Denn diese Uniformität heißt auch, siehe hortenses Kommentar: Kohlen. Diätpillen, Fitnessstudio-Abos und elektrische Cellulite-Behandlungen soll ja auch irgendwer kaufen. Trends kommen und gehen und je schneller sie sich verändern, desto mehr Kohlen. Denn merke: Dein Körper ist nie okay, nie ideal. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder seinen Körper so hinnehmen würde, wie er ist?

(Ein Text von Susanne@Mädchenmannschaft)

18:23 15.04.2009
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Geschrieben von

Mädchenmannschaft

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