Heute ist Weltmännertag!

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Ja, es gibt nicht nur einen Internationalen Frauentag, es gibt auch einen Weltmännertag. Dieser findet seit dem Jahr 2000 immer am 3. November statt und wurde von Andrologen (Andrologie ist der Fachbegriff für „Männergesundheit“) der Universität Wien ins Leben gerufen, Schirmherr ist Michail Gorbatschow bzw. die Gorbatschow-Stiftung.

Ziel des Weltmännertages ist es, „das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern“. Weltweit sterben Männer früher als Frauen, in Deutschland im Schnitt 5 bis 6 Jahre. Die Gründe dafür sind vielfältig, es handelt sich nach derzeitigem Kenntnisstand um eine Mischung aus biologischen und sozialen Faktoren. Da jedoch in Klosterstudien kein großer Unterschied zwischen der Lebenserwartung von Mönchen und Nonnen festgestellt werden konnte, ist davon auszugehen, dass die Gründe vor allem bei den sozialen Faktoren zu finden sind.

Um diese genauer zu umreißen, muss man nicht lange suchen. So beschränken sich die meisten (online) Medien darauf, den Weltmännertag entweder komplett zu ignorieren oder in lustigen Artikeln und Klickstrecken wie „10 Gründe, warum es besser ist, ein Mann zu sein“ aufzubereiten. Nicht zu vergessen natürlich die Frage „Männertag? Das ist doch der steak-and-blowjob-day, oder?“. Die Sache ist also klar: „echte Männer“ denken nicht über Gesundheitsvorsorge nach, echte Männer machen sich heute Abend ein Bier auf und schauen Sport im Fernsehen.

Genau diese Haltung ist es, die mit verantwortlich für die gesundheitliche Lage der Männer ist. Männer arbeiten nach wie vor mehr in Berufen mit einer potentiell höheren Morbiditätsrate, sie leben ungesünder (Alkohol, Zigaretten, Ernährung…) und vor allem gehen sie seltener zum Arzt. Insbesondere Krebsvorsorgeuntersuchungen werden im Vergleich zu Frauen von Männern viel schlechter angenommen: Frauen haben in Deutschland ab 20 Jahren einen Anspruch auf Krebsvorsorge, Männer ab 45 Jahren. Dieses Angebot nutzen im Schnitt 60% der Frauen aber nur 26% der Männer (Quelle). Die Techniker Krankenkasse rät Männern bereits ab dem 18. Lebensjahr regelmäßig selbst ihr Hoden auf Veränderungen, Verhärtungen etc zu untersuchen – doch während Frauen an jeder Ecke mit Tipps zum richtigen Abtasten der Brust überhäuft werden, sind die Anleitungen und Hinweise zum Selbstabtasten der Hoden rar gesät.

Die Gründe, nicht zur Vorsorge zu gehen, sind vielfältig und reichen von „ich weiß nicht, worauf ich Anspruch habe“ über Zeitmangel und „habe mir bisher keine Gedanken dazu gemacht“ zu „ich bin gesund – Früherkennung betrifft mich nicht“. Als Hauptgrund wird „ich gehe nur zum Arzt, wenn ich krank bin“ genannt (siehe Infografik). Der Chefarzt des Prostatakrebszentrums der Uniklinik Hamburg Hartwig Huland fasst die Lage in einem Interview mit Spiegel Online so zusammen: „Wir Männer fühlen uns unverletzlich. Wir sind Helden. Was kümmern uns Krankheiten?“.

Diese Erkenntnisse auf die Formel „Geschlechtsstereotypen machen Männer krank“ runterzubrechen, ist – vielleicht – zu kurz gegriffen. Trotzdem liegt sie nahe, gerade auch mit Blick darauf, welchen Druck das klassische Versorgermodell auf die Männer ausübt und welche Folgen dieser Druck haben kann (Burn Out, Herzinfarkt, etc - leider gibt es wohl keine Untersuchungen über den Einfluss der Emanzipiertheit einer Gesellschaft auf Männergesundheit).

Vorsorgeuntersuchungen kosten Zeit und sind nicht immer angenehm. Kommt dazu noch die Befürchtung, sich unmännlich zu verhalten, die Angst davor, Check-Up-Termin oder Krebsvorsorge würden sozial geahndet werden, ist es eigentlich kein großes Wunder, dass die Zahlenlage ist, wie sie ist.

Also liebe Männer, emanzipiert euch von albernen Rollenklischees, geht zum Arzt, wenn ihr krank seid, achtet auf Veränderungen (z.B. auch die von Muttermalen), nehmt die Angebote für Vorsorgetermine wahr und ermutigt eure Väter, das auch zu tun. Für die meisten Frauen gehört die jährliche Krebsvorsorge inzwischen wirklich zur Routine und ich kann aus Erfahrung sprechen, wenn ich sage: Es ist nicht der schönster Termin im Jahr. Aber er ist meist auch schnell vorbei, tut nicht weh (und wenn doch, sollte man den Arzt wechseln) und kann – bei aller Kritik, die es zu den verschiedenen Vorsorgetechniken gibt – Leben retten.

Dieser Text wurde urspünglich auf maedchenmannschaft.net veröffentlicht.

17:58 03.11.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Mädchenmannschaft

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