Mehr Geld für Hebammen – genug?

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Forderung erfüllt. So könnte man die Einigung der Krankenkassen und Hebammen bezeichnen, von der die Zeit gestern berichtete. schließlich gibt es für eine außerklinische Geburt künftig 100 Euro mehr und der Satz für eine Krankenhausgeburt steigt um 8 Euro. Im Vergleich zum ersten Angebot (14,19 Euro bzw. 4,39 Euro) immerhin eine deutliche Steigerung.

Doch schaut man sich die Zahlen genauer an, bleibt nicht viel übrig. Die sogenannten Belegstationen in Krankenhäusern ohne feste Geburtenstation werden sich kaum retten lassen, wenn Hebammen statt 224 Euro nun 232 Euro verdienen, der jährliche Beitrag zur Haftpflichtversicherung aber trotzdem auf fast 3700 Euro steigt. Zudem sind weitere Steigerungen der Prämien absehbar. In seinem Rundbrief zeigt sich der Deutsche Hebammenverband daher deutlich unzufrieden:

Die Schiedsstellenverhandlung ist, unter dem Vorsitz von Frau Prof. Dagmar Felix, nach zähen sechsstündigen Verhandlungsrunden mit einem enttäuschenden Resultat zu Ende gegangen. Das erzielte Ergebnis bleibt weit hinter den Erwartungen der Berufsverbände zurück. […] Das Schiedsstellenergebnis ist nicht nur unbefriedigend, es ist im Grunde katastrophal.

Obwohl bereits seit Monaten bekannt war, dass die Prämien zum 1. Juli steigen, gab es monatelang keine Einigung. Die Erhöhung kommt daher für einige Hebammen bereits zu spät. Sie hatten aufgrund der ungewissen Zukunftsaussichten ihre Haftpflicht zum Monatsanfang gekündigt. Um überhaupt eine Lösung zu finden, musste schließlich die Schiedsstelle beauftragt werden. Deren unabhängige Vertreter warfen den Hebammen vor, unwirtschaftlich zu arbeiten und verlangten stattdessen, mehr Geburten zu betreuen. Für viele Eltern sei ein wichtiger Grund, sich von einer Hebamme begleiten zu lassen, die intensive Betreuung mit Rufbereitschaft rund um die Uhr. Mit „Auftragssteigerungen” werde die Betreuungsqualität deutlich leiden und sei daher nicht umsetzbar, so die Hebammen.

Die im Mai gestartete Petition des Hebammenverbandes hatten über 180.000 Menschen unterstützt und so eine Anhörung im Petitionsausschuss erreicht. Von dort gibt es allerdings noch keine Ergebnisse. Auch die Gesundheitsminister_innenkonferenz Anfang des Monats hatte das Thema auf der Tagesordnung, wollte aber vor konkreten Maßnahmen die Einigung der Schiedsstelle abwarten.

Ein Text von Helga@maedchenmannschaft

11:11 07.07.2010
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Geschrieben von

Mädchenmannschaft

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