Pille danach: Die Rezeptpflicht bleibt bestehen

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Bereits 2004 empfahl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Abgabe der Pille danach auch ohne Rezept zuzulassen, auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt dies nach jahrelangen guten Erfahrungen. In Europa ist dies inzwischen in 28 Staaten der Fall – in Deutschland weiter nicht. Ein Vorstoss der bremischen Gesundheitsbehörde, die Rezeptpflicht aufzuheben, scheiterte letzten Monat erneut, berichtete der Spiegel. Die Begründung erinnert ein wenig an Argumente, die ansonsten von saudi-arabischen oder erzkonservativen US-Politker_innen hervorgebracht werden:

“Das Argument gegen die Befreiung war, man würde den Frauen durch diesen Schritt zu viel Freiheit genehmigen”, vor allem die konservativen Länder seien dagegen gewesen.

Immerhin wird ferner darauf verwiesen, was in den Beratungsgesprächen noch alles abgeklärt werden könne: Man wolle verhindern, dass die Einnahme überflüssig sei, weil sie zu spät erfolge. Ob die Einnahme tatsächlich sinnvoll ist, lässt sich allerdings nicht immer bestimmen – im Zweifelsfall wird immer noch zur Verschreibung geraten. Im ärzteblatt wird außerdem angeführt, dass abgeklärt werden müsse, ob der „ungeschützte Geschlechtsverkehr mit Einwilligung der Frau stattgefunden habe oder ob es Anzeichen für eine Gewaltproblematik gebe“.

Leider fehlt es bis heute in der täglichen Arbeit zum einen an der Zeit, auf diese Probleme einzugehen, zum anderen auch weiter oft an dem Wissen, wie Gewaltproblematiken überhaupt zu erkennen sind. So wirkt diese Sorge vorgeschoben, im schlimmsten Fall werden Frauen sogar weiter moralisch belehrt. Dies zeigt sich bereits offen in der Angst, mit freier Verfügbarkeit würden Frauen nicht mehr auf „sinnvolle Verhütung“ setzen. So wird Frauen pauschal Nachlässigkeit und sogar Dummheit unterstellt. Mit rund 30 Euro pro Einsatz würde das „bedenkenlose Rumgevögel“ aber ein teurer Spaß.

Tatsächlich sei Geld der Faktor für Ärzt_innen, die Rezeptpflicht beizubehalten, heißt es von der Beratungsorganisation pro familia. Sie fürchteten den Verlust von Patientinnen und finanzielle Einbußen. Ansonsten ist das Gerangel um die Freigabe der Pille danach vor allem ein Machtspiel – ausgetragen auf dem Rücken der Betroffenen.

Dieser Text von Helga Hansen erschien zuerst bei der Mädchenmannschaft.

16:23 13.04.2012
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Geschrieben von

Mädchenmannschaft

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