Sexuelle Belästigungen – so sieht's aus.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Rund 60 Prozent der Frauen in Deutschland sind bereits belästigt wurden – eines der Ergebnisse einer Studie von 2010 des Frauenministeriums. Davon fühlte sich rund die Hälfte bedroht. Und 9 Prozent der Frauen gaben an, dass es in einer oder mehreren Situationen zu körperlicher Gewalt oder Vergewaltigungen kam. Für eine Talkrunde von der Deutschen Welle (Shabab Talk, leider nur auf arabisch verfügbar), habe ich letzte Woche zu sexueller Belästigung recherchiert und musste dabei auch an meine eigenen Erlebnisse denken. [Triggerwarnung]

Manches klingt zunächst harmlos. Wie der Typ, der neulich auf der Straße „Hallo“ sagte. Doch er war in einer großen Gruppe unterwegs und ich ganz alleine. Und völlig in Gedanken versunken, so dass ich mich deshalb total erschreckte. Etwas deutlicher war schon der Kerl, der „mmmmmmmmmmmhhhhhhhhh“ rief. Schön, dass er augenscheinlich mit mir Geschlechtsverkehr vollziehen möchte oder zumindest meine Erscheinung kommentieren musste. Auf das passende „iiiiiiiiiiihhhhhh“ hatte ich dann keine Lust, denn auch er war in einer größeren Gruppe unterwegs.

Bei meinem schlimmsten Erlebnis vor einigen Jahren war ich immerhin nicht alleine. Damals antworteten wir zunächst nichts auf die Avancen eines Jugendlichen. Was ihm nicht passte, so dass er dann Beleidigungen hinterher setzte. Danach habe ich tatsächlich was gesagt („was soll denn das, uns zu beleidigen“) und dafür ein Veilchen kassiert. Geistesgegenwärtig haben wir die Polizei gerufen, die sogar in zwei Minuten da war und ihn in einem Hauseingang fand. Die Anzeige blieb allerdings ohne Folgen. Da er bereits eine Reihe anderer Verfahren am Hals hatte, wurde meines fallengelassen. Stattdessen blieb mir ein Bluterguss. Leider kannte ich niemanden, der oder die schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen war. Und auch die Polizei hat mir erst später gesagt, dass ich damit zum Arzt hätte gehen sollen, um ihn zu dokumentieren – dann wäre das Verfahren vielleicht anders ausgegangen.

Vor einem Jahr nun stand ich nach einem Stadtfest abends vor einem Schaufenster und wartete auf Freund_innen. Ein besonders witziger Besucher boxte mir dabei in den Hintern. Ja, boxte und nein, da waren nur eine Handvoll Leute auf der Straße, es gab keinen Grund, mich überhaupt zu berühren. Auch ihn und seinen Freund habe ich zur Rede gestellt. Nachdem sie erst versuchten, einen anderen anzukreiden, haben sie sich schließlich entschuldigt. Und 20 Meter weiter gleich wieder gelacht. Ich war alleine, niemand kam mir zu Hilfe und die beiden zogen weiter. Um die Polizei zu rufen, fehlten mir die Nerven, ich wollte nur noch nach Hause.

Diese Erlebnisse sind zum Glück nicht täglich, aber sie kommen immer wieder. Sie sind der Grund dafür, dass ich mich auf der Straße von sexualisierter Gewalt bedroht fühle. Dass ich mir überlege, was ich anziehen soll und wo ich langgehen kann. Aber, wie High on Clichés so treffend schrieb, für diese Vorsichtsmaßnahmen werde ich nicht belohnt, kann mein Leben immer noch nicht in Ruhe führen, die Einschränkungen werden nicht einmal anerkannt. Also bitte: Hören wir auf, Frauen zu erklären, wie sie sich schützen könnten. Gegen sexuelle Belästigungen hilft nur eines, nämlich niemanden zu belästigen. Die Sprüche müssen aufhören, das Angrapschen muss aufhören, die verharmlosenden Witze müssen aufhören. Wir brauchen eine Kultur, in der es nicht normal ist, dass Frauen Vorsichtsmaßnahmen treffen, sondern in der jede zu jeder Zeit unbelästigt auf die Straße gehen kann!

Dieser Text von Helga Hansen erschien zuerst bei der Mädchenmannschaft.

15:16 21.05.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Mädchenmannschaft

Wir lieben den Feminismus und notieren Dinge und Nachrichten, die fröhlich machen oder uns die Nackenhaare aufstellen.
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