Verfahren eingestellt. Because he Kahn?

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Im Fall Dominique Strauss-Kahn wird es keine Anklage geben, die New Yorker Staatsanwaltschaft verzichtet auf ein Verfahren. Staatsanwalt Cyrus Vance beantragte gestern in New York die Einstellung des Prozesses, und es kann damit gerechnet werden, dass dem Antrag nachgekommen wird. Die Hauptintention bei der Beantragung der Verfahrenseinstellung liegt dabei darin, dass Vance von einem "erfolglosen" Prozess gegen Strauss-Kahn ausgeht. Somit geht es hier auch mal wieder vor allem um Motivationen der beruflichen Reputation. Und: Es wird eben dann nicht zu einer Überprüfung der Vergewaltigungsvorwürfe kommen.

Großflächig pressen viele Medien derweil wieder wie auf Knopfdruck Ewiggestriges aus sich heraus: Unsägliche Leseproben gibt es etwa hier im FOCUS oder auf der ntv-Webseite. Das Ganze wird zudem nicht selten als logisch-moralische Konsequenz gedeutet: Wenn nicht mehr vom "bombensicherer Prozess" und "eindeutigen Beweisen" die Rede ist, sondern die Glaubwürdigkeit des Opfers angezweifelt wird - was im Zuge von "Rape Culture" ein ganz normaler Vorgang ist - dann sorgt man eben dafür, dass das Verfahren gestoppt wird.

Auf gar keinen Fall ist die derzeitge Sachlage zum Fall DSK ein feministischer Erfolg - absurd. So stellt es jedoch Ines Kappert in der taz dar:

"Ist das nun eine weitere Folge in der Endlosserie "Sexismus siegt immer?" Nein. Im Gegenteil. Aus feministischer Sicht ist die Geschichte ziemlich gut gelaufen. (...)

Gehen wir noch mal zurück auf Anfang: Eine Hotelangestellte, schwarz, unterprivilegiert, erstattet Anzeige gegen einen der mächtigsten Akteure in der internationalen Finanzwelt - und findet Gehör. Blitzschnell wird der Verdächtige in U-Haft genommen und mit allen in der amerikanischen Polizei üblichen Mitteln denunziert (Stichwort: Perp Walk). Weder seine Prominenz noch sein Geschlecht schützen ihn. Das klassische Szenario sieht anders aus: Frauen mit dem gleichen Anliegen werden von Polizisten verhöhnt, müssen demütigende medizinische Untersuchungen über sich ergehen lassen, ihre Anzeige versandet und ihr Ruf ist zerstört."

Dass Kappert hervorhebt, dass es ja absolut progressiv sei dass eine "Hotelangestellte, schwarz, unterprivilegiert" Anzeige erstattet und sich Gehör verschafft, zeigt eben nicht, wie fortschrittlich "wir" bzw. unsere Rechtsstaatlichkeit (Industriestaat, westliche Prägung) sind - sondern das Gegenteil. Denn am Ende wird der ganze Fall ununtersucht bleiben, die Frau wird zur Beschuldigten; warum auch immer, wie so oft.

Im kollektiven Gedächtnis wird hängen bleiben, DSK sei zu Unrecht vorverurteilt worden, obschon es nicht zu einer Klärung der Vorwürfe kommen wird. Was haben wir also? Indizien, die ununtersucht bleiben. Absolute Unklarheiten über politische Verstrickungen und Interessenslagen. Und ein neues Märchen vom "armen, privilegierten, weißen Mann", dem ganz böse mitgespielt wurde - obschon viele Indizien dem scharf widersprechen. Bereits im letzten Monat haben wir in diesem Zusammenhang auf die Anschuldigungen, die gegen die Staatsanwaltschaft erhoben werden, aufmerksam gemacht.

Sexistische, rassistische und biologistische Diskurse - salonfähig gemacht. Nicht mehr, nicht weniger. Denn Sexismus siegt immer noch.

Ein Text von Nadia@maedchenmannschaft

23:59 24.08.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Mädchenmannschaft

Wir lieben den Feminismus und notieren Dinge und Nachrichten, die fröhlich machen oder uns die Nackenhaare aufstellen.
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