Weiblich, alleinerziehend, Hartz IV

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Immer wieder Stoff für blöde Witze: alleinerziehende Mütter, die dem Staat auf der Tasche liegen, wenn sie nicht gerade den armen Vätern ihrer Kuckuckskinder das letzte Hemd aus dem Schrank ziehen. Über sie hatte vor einigen Monaten die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wenig Gutes geschrieben und eine Kieler Studie herangezogen, die den Mamas ohne Partner fast schon empfiehlt, Job und Liebe offiziell zu entsagen.

Dass alleinerziehende Mütter aber nicht immer die lächelnden Siegerinnen des Systems sind, hat in den letzten Wochen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen gezeigt. Sie sorgt sich um sie – etwa 600.000 alleinerziehende Frauen leben in Deutschland von Hartz IV (rund 34.000 Männer sind in einer vergleichbaren sozialen Situation) – und wirft sich so für sie ins Zeug, dass sie nun auch von der Süddeutschen Zeitung spitz als “Lieblinge der Arbeitsministerin” bezeichnet werden. Angeblich, so die SZ, hätte mancher bei der Bundesagentur für Arbeit den Eindruck, dass “Frau von der Leyen vergessen hat, dass sie nicht mehr Familienministerin ist”. Tatsächlich hat sich von der Leyen schon früher sehr um alleinerziehende Frauen gekümmert, hatte sich als Bundesfamilienministerin zur Aufgabe gemacht, deren Leben zu verbessern: “Diesen Frauen müssen wir Perspektiven eröffnen, um mit den Kindern aus der Armutsfalle herauszukommen” sagte sie 2008 in der Brigitte. Damit hat sie recht – damals wie heute.

Unermüdlich packt Ursula von der Leyen das Thema nun von ihrem anderen Ministerium aus an: “Alleinerziehende Mütter und Väter sind genauso gut qualifiziert wie der Rest der Bevölkerung, aber 40 Prozent von ihnen sind in Hartz IV. Alleinerziehende wollen raus aus der Langzeitarbeitslosigkeit, doch die Hürden sind zu hoch: Es mangelt an Plätzen in Kindertagesstätten und Ganztagsschulen, es mangelt an familienfreundlichen Arbeitszeiten.” Das betrifft besonders die alleinerziehenden Verkäuferinnen, Putzfrauen oder Köchinnen. Frauen, die aufgrund der Arbeitszeiten ihrer Branchen, die sich eher wenig um Kinderkrippen-Schließzeiten scheren, auch nicht wirklich eine Chance haben, wieder arbeiten zu können.

Ursula von der Leyen plant eine noch nicht näher definierte Job-Offensive für sie. Es geht ihr vor allem um diejenigen, die länger als ein Jahr schon ohne Job sind. Ihre Idee ist so einfach wie genial: Bei der Jobvermittlung bekommen alleinerziehende Frauen nicht nur eine Arbeitsstelle angeboten, sondern die dazu passende Kinderbetreuungseinrichtung. Dazu sollen die Jobvermittler die entsprechenden Arbeitszeiten gleich mit den neuen Vorgesetzten klären.

Der Spiegel bestätigt Ursula von der Leyens Riecher für einen Brennpunkt der Sozialpolitik mit Fachleuten und zitiert Holger Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft: “Die fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind das Kernproblem von alleinerziehenden Langzeitarbeitslosen”, sagt der; DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach stimmt zu: “Bei jedem Job- oder Qualifizierungsangebot muss die Kinderbetreuung gewährleistet sein.”

Alles gute Ideen. Vorstöße in die richtige Richtung. Doch auch wenn sogar die Opposition den Plänen der Bundesarbeitsministerin beipflichtet, ist das Problem immer noch nicht für der Praxis gelöst. Die Chefetage der Bundesagentur für Arbeit merkt an, Kinderbetreuung sei ein kommunales Thema. Und es ist bislang auch kein privatwirtschaftliches. Das alles weiß Ursula von der Leyen sicher noch von der nicht unproblematischen Realisierung ihres Plans, 750.000 Krippenplätze bis 2013 in Deutschland einzurichten. Geld muss also her – wie wäre es mit dem Budget für das Betreuungsgeld, fragt da die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Manuela Schwesig.

Es gibt also noch viel zu tun, Frau von der Leyen. Geben Sie nicht auf!

Dieser Text ist auch auf maedchenmannschaft.net erschienen, verfasst von Barbara.

21:47 13.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Mädchenmannschaft

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