Maennerheldinnen
19.03.2017 | 12:27 8

Bin ich Dornröschen?

Gleichberechtigung Eigentlich hatte der Feminismus doch schon gesiegt. Die Welt schien ja wie von selbst gerechter zu werden

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Maennerheldinnen

Bin ich Dornröschen?

Proteste in Istanbul am Women's Day, 8. März 2017

Foto: BULENT KILIC/AFP/Getty Images

Diese Sätze schreibt Kristina Maroldt* in ihrem Artikel ‚Koalition gegen Frauen‘. Ich verschlucke mich mal wieder an meinem Frühstücks-Cappuccino.

Bin ich Dornröschen?

Hab ich länger geschlafen als gedacht? Wie kommt es, dass ich das nicht bemerkt habe?

Ich huste etwas, trinke noch einen Schluck und schaue über meine Frühstückslektüre nachsinnend aus dem Fenster. An dem Satz, dass wir in verschiedenen Welten leben, ist doch mehr dran als ich dachte. Den Eindruck, dass der Feminismus schon gesiegt hat und wir die alten Muster überwunden haben, hatte ich wahrlich noch nie. Wie kam Frau Maroldt auf diesen Gedanken? Und muss ich Donald Trump und Recep Erdogan jetzt dankbar sein, dass sie sie zum Umdenken bewogen haben?

Aber sie ist ja nicht allein – es gibt viele, die jetzt staunend vor den weltweiten Entwicklungen stehen. Sie sind schockiert von den sexistischen und frauenverachtenden Aussagen des EU Abgeordneten Korwin-Mikke: Weil Frauen schwächer, kleiner und weniger intelligent sind, müssen sie weniger verdienen.“, von Donald Trump, der über die TV-Moderatorin Rosie O“Donnell sagte: „Rosie ist ekelhaft – innen und außen. Wenn du sie anschaust, ist sie eine Gammlerin. Wie hat sie es überhaupt ins Fernsehen geschafft? Wenn „The View“ mir gehörte, würde ich Rosie feuern. Ich würde ihr direkt in ihr fettes, hässliches Gesicht schauen und sagen „Rosie, du bist gefeuert.‘ Wir sind alle ein bisschen pummelig, aber Rosie ist noch schlimmer als die meisten von uns. Aber es ist nicht ihre Pummeligkeit – Rosie ist eine sehr unattraktive Person, innen und außen.“. Sie wundern sich über die Aussagen des türkischen Präsidenten Recep Erdogan, der die Gleichstellung von Frau und Mann als unnatürlich und „gegen die Natur“ ablehnt und Frauen vor allem als Mütter mit mindestens drei Kindern sehen möchte. Und sie sind verblüfft, dass gewählte deutsche Politiker wie Björn Höcke von der AfD sich wünschen, dass

Deutschland lieber nach Männlichkeit als nach Gleichstellung streben solle

und die Frauenquote mit dem Satz „… schädliche, teure, steuerfinanzierte Gesellschaftsexperimente, die der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dienen, zu beenden…“ ablehnt. Erschütternd nehmen sie die Beleidigungen wahr, die als Shitstorm – inklusive Vergewaltigungsfantasien – über Claudia Neumann hereinbrachen, nachdem sie als erste Frau ein EM-Fußballspiel im ZDF kommentiert.

Ich für meinen Teil bin nicht erstaunt. Persönliche Erlebnisse und die Aussagen einiger mächtigen Männer der letzten Jahre legen nun wirklich nicht den Gedanken nahe, dass wir Frauen beruflich auf Augenhöhe angekommen sind und Chancengleichheit herrscht. Oder wie soll ich es verstehen wenn Esko Kiesi, ein Audi Manager von sich gibt: „Das Aussehen eines Autos hängt stark von den Rädern und der Aufhängung ab. Bei einer Frau sind es die Schuhe.“, “Technische Jobs können Frauen ohne die Hilfe eines Mannes ohnehin nicht bewältigen” und “Weigert sich eine Frau, zu bügeln und sauberzumachen, wird der Beziehung bald die Luft ausgehen.”

Oder wenn Gerhard Cromme, 2008, seiner Zeit Chef des Aufsichtsrats von Siemens und ThyssenKrupp bei einem Vortrag für 200 Frauen erklärt: „Wissen Sie, meine Damen, ein Aufsichtsrat ist kein Kaffeekränzchen.“

Unmissverständlich fand ich auch Kevin Roberts, 2016, Verwaltungsratchef von Saatchi & Saatchi mit seiner Aussage:

„Frauen haben keine ›vertikalen Ambitionen, sondern Ambitionen, glücklich zu sein“

und Clemens Börsig, 2001, damals Finanzvorstand der Deutschen Bank: „Frauen sollten nicht nur vertikal, sondern auch ›horizontal‹ Ambitionen entwickeln“.

Ja, wie sollte ich da jemals denken können, dass die Welt wie von selbst gerechter geworden sein soll? Weil tatsächlich einige aufgrund ihrer Entgleisungen Konsequenzen zu tragen hatten? Es stimmt, früher blieben solche Äußerungen folgenlos. In diesen Fällen beruhten die Folgen aber doch nicht primär auf der Einstellung der Manager in dieser Thematik, sondern darauf, dass sie den Fehler begangen hatten, diese öffentlich kundzutun. Es ist doch keineswegs so, dass diese Männer jemals anders gedacht hätten, oder dass ihre Haltung bezüglich Frauen ihren Konzernen, ihrer Umgebung und dem Vorstand nicht bekannt gewesen wäre. Denn wie man zu Chancengleichheit und Wertschätzung von Frauen im Beruf steht, welche Kräfte man fördert und befördert, wird im täglichen Verhalten und in allen Entscheidungen sichtbar. Sie wurden ‚abgestraft‘, weil durch sie offenkundig wurde, nach welchen Kriterien und Werten in diesen Konzernen entschieden wird.

Und unter diesen Haltungen leiden keineswegs nur Frauen. Was solche Manager von ihren männlichen Mitarbeitern erwarten und wie in ihren Augen erfolgreiche Führung aussieht, ist auch für viele Männer ein Greuel. Auch sie werden in Rollen und Muster gepresst die ihre Wahlfreiheit im Leben einschränken. Denn wenn Männlichkeit bedeutet ein harter Knochen, Verdiener und Ernährer, Macher und jederzeit stark zu sein, fällt ‚Mann‘ schnell durch das Raster.

Für viele Menschen wäre es ein großer Gewinn an Freiheit, wenn diese Vorurteile der Vergangenheit angehören würden. Leider sind diese sexistischen Äußerungen nur die Spitze des Eisbergs. und an vielen Entscheidungspositionen treffen wir auf ähnliche Haltungen.

Durch die gesellschaftlichen Weltmeere dümpeln noch eine Menge ähnlicher Rollenzuschreibungen und Haltungen die vielen Frauen im Berufsleben tagtäglich begegnen.

Denn ich bekomme noch eine weitere Gelegenheit mich zu verschlucken. Am selben Tag berichtet die Journalistin Nadine Funk* über den Kampf einer Frau um Lohngerechtigkeit. Edeltraud Walla bekommt 1.200 EUR (in Worten: eintausendzweihundert!) weniger Lohn als ihr Kollege, der zudem geringer qualifiziert ist. Eine sinnvolle Erklärung bekam sie im Gegenzug auf ihre Anfrage nicht. Sie klagte bis zum Bundesverfassungsgericht, wurde aber im Juni 2016 nach zwei Jahren ohne Begründung abgewiesen. Schon einmal war ihr ähnliches passiert. Im Jahr 1984 verdiente sie bei gleicher Arbeit ebenfalls weniger als ein Kollege. Damals waren es 500 Mark und es gab sogar eine Begründung. Der zu dieser Zeit ledige männliche Kollege würde irgendwann einmal eine Familie ernähren müssen. Daraufhin wechselte sie den Beruf – was offenbar nicht wirklich erfolgreich war.

Und ganz ehrlich: diese Strategie wird wohl in nur wenigen Berufsfeldern funktionieren. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt der durchschnittliche Bruttolohn von Frauen 22 % unter dem der Männer. Das geringere Einkommen hat große gesellschaftliche Bedeutung. Denn weniger Geld bedeutet weniger Einfluss, weniger Entscheidungshoheit, weniger Relevanz, weniger gesellschaftliche Macht, weniger Entfaltungsmöglichkeiten.

Selbst dort, wo man sich die Aufdeckung von gesellschaftlichen Missständen auf die Fahnen geschrieben hat und mit der Kunst Veränderungen schaffen will, greifen die althergebrachten patriarchalen Muster von unterschiedlicher Bewertung der Arbeit und Entlohnung. „So stammt gerade mal ein Viertel der in Galerien ausgestellten Werke aus dem Œuvre einer Künstlerin. In deutschen Kunstmuseen liegt dieser Anteil sogar nur bei geschätzten zehn bis 15 Prozent. 85 Prozent der Kino- und Fernsehfilme werden von Männern inszeniert, obwohl 42 Prozent der Absolventinnen und Absolventen im Fach Regie Frauen sind. 73 Prozent der in Kulturorchestern Beschäftigten sind männlich, obwohl 51,5 Prozent der Absolventinnen und Absolventen im Fach Orchestermusik Frauen sind. An künstlerischen Hochschulen liegt der Anteil der Professorinnen bei nur 25,5 Prozent, obwohl über 50 Prozent der Studierenden weiblich sind. Und spartenübergreifend gilt: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer und sind seltener in Führungs- und Leitungspositionen vertreten.“* (Monika Grütters, Politik&Kultur Nr. 4/2016, S. 1)

Und aus unserem Alltag: erzählte uns Männerheldinnen doch kürzlich die Schauspielerin eines Landestheaters in Baden-Württemberg, dass herausgekommen sei, dass alle Frauen des Ensembles weniger auf dem Gehaltszettel stehen haben, als ihre männlichen Kollegen. Dass sie sich mit dieser Erfahrung nahtlos in die Riege der großen Hollywoodstars einreihen, ist sicher nur ein schwacher Trost. Ein sehr viel positiveres Signal setzten ihre Schauspielkollegen.

Die Schauspielkollegen beschlossen auf die anstehende Gehaltserhöhungen zu verzichten, bis die Frauen ihnen gleichgestellt sind. Chapeau und Hochachtung!

Bestätigen und ergänzen kann ich das mit zwei ’netten‘ Beispiele aus meinem beruflichen Alltag.

Vor einigen Jahren plauderte der Vorstandsvorsitzende einer Bank auf meiner Vernissage freundlich mit mir. „Ihre Bilder sind wirklich großartig. aber wissen Sie, ich befürworte dann doch die Ankäufe von ihrem männlichen Kollegen. Wir haben schließlich auch soziale Verantwortung und die Männer müssen ja ihre Familie ernähren.“ Kurz habe ich erwogen ihm mitzuteilen, das besagter Kollege eine Frau hat, die wesentlich mehr verdient als mein Mann. Leider brauchte ich einige Sekunden zu lang um das Gehörte soweit zu verarbeiten, dass ich wieder imstande war zu atmen, meine Emotionen im Griff zu haben und mit einem gelassenen Lächeln einen verständlichen Satz zu formulieren. Da war er mit seinem perlenden Sektglas und gewinnendem Lächeln schon zum nächsten Smalltalk weitergeschritten.

In die Zeit fällt ein ähnliches Erlebnis. Bei der Präsentation von Entwürfen in einer renommierten Textilfirma ließ sich alles gut an. Der Produktmanager (Alter 60 +) erwog den Kauf einiger Designs. Flankiert von seinen zwei jungen Assistentinnen sprach er jovial väterlich mit mir über die Branche und auch die Firma, bei der mein Mann arbeitete. Kalt erwischte er mich dann allerdings mit der Frage:

„Verdient ihr Mann eigentlich nicht genug, dass Sie das hier machen müssen?“

In den folgenden Jahren habe ich sehr viele ausgezeichnete Antworten und Reaktionen auf diese Frage gefunden. Leider hat er keine davon je zu hören bekommen. Seine Bemerkung verschlug mir die Sprache. Peinlich war die Situation allerdings nur uns Frauen: Den Assistentinnen, die nicht mehr wussten wohin sie schauen sollten und mir, die ich nicht wusste, ob ich meine Sachen einfach zusammenraffen und einen rauschenden Abgang hinlegen oder doch noch auf einen Verkauf spekulieren sollte.

Die Fassungs- und Sprachlosigkeit angesichts solcher Dreistigkeit habe ich seither überwunden. Man wächst ja mit seinen Erfahrungen. Da gibt es allerdings noch einen klitzekleinen Haken. Souveräner zu reagieren fühlt sich zwar sehr viel besser an, leider ist das Ergebnis dennoch kein anderes. Denn trotz gelassen angemessener Reaktion, wird der Entscheidungsträger sich nicht ändern.

Wo solche Männer sitzen, hat ‚Frau‘ keine Chance. Der befriedigendere ‚Abgang‘ ist eben ein solcher.

Meist sind die Vorgänge weit subtiler. Denn in den seltensten Fällen wird die Einstellung so unverschämt deutlich formuliert wie oben beschrieben. Sehr viel öfter stößt man als ‚Frau‘ an Barrieren, die man in Gesprächen, der Zusammenarbeit, bei der Übertragung von Verantwortlichkeiten und Bewerbungen zwar unterschwellig wahrnimmt, aber nicht benennen kann, ohne sich in eine ungeheuer schwache Position zu manövrieren. Denn die Gefahr, dass man sofort in die Schublade der ‚Frauen, die sich zum Opfer stilisieren‘ eingeordnet wird, weil sie nicht weiterkommen, ist groß. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit die stattfindende (gefühlte) Diskriminierung beweisen zu können gering. Die Strukturen und Methoden sind fein und die Netzwerke und Seilschaften dicht.

Einen wunderbaren Einblick gibt das Interview von Inge Kutter auf Zeitonline mit dem Karriereberater Martin Wehrle. Er macht nicht nur sehr deutlich, dass das Berufsleben und die Karrierechancen von Frauen für Männer ein Skandal wären, sondern sagt ganz klar:

„Wir beurteilen Verhalten nicht an sich, sondern nach dem Geschlecht. Deswegen haben Frauen es so schwer.“

Besonders eindrücklich sind seine Beispiele aus der Praxis: Wie das von dem Mittelständler, der gerne mehr Frauen in Führungspositionen bringen wollte, noch nie eine weibliche Assistentin hatte und sich wunderte, dass sich kaum Frauen bei ihm bewerben. Tja, die sortierte seine Sekretärin nämlich aus, weil sie wusste, dass er: „… eine florierende Aufzucht männlicher Alphatiere betrieb.“ wie Wehrle das beschreibt. „Wenn solche Herren Zigarre rauchend in ihren Runden sitzen und über Frauenförderung reden, ist das, als sprächen Alkoholiker über ein Alkoholverbot.“

Welchen Anteil haben wir Frauen daran?

Selbstverständlich sind wir Frauen ein Teil dieses Systems und erhalten es mit aufrecht. Indem wir vor Verantwortung zurückschrecken, unsicher sind über unsere Fähigkeiten und Kompetenzen, uns zurückziehen anstatt die Dinge freundlich und klar anzusprechen, uns viel zu sehr anpassen als unser Ding zu machen – aber vor allem indem wir die unterschiedlichen Lebensentwürfe anderer Frauen kritisieren und abwerten.

Wohin sind wir unterwegs?

In meinem Berufsleben habe ich mit vielen Männern und Frauen auf Augenhöhe arbeiten dürfen, für die das Geschlecht keine Rolle gespielt hat. Auch wenn die ‚andere‘ Seite nie weg war und gerade wieder etwas lauter wird – es gibt viele die sich für eine Gesellschaft einsetzen, in der Männer und Frauen gleichberechtigt miteinander leben und arbeiten können, in der sie dieselben Entwicklungschancen haben und ihr Potenzial entfalten können. Profitieren würden alle von dieser Entwicklung. Denn jede Ungerechtigkeit hat Auswirkungen auf beide Seiten.

Mein Wunsch: Dass alle Frauen und Männer es in unklaren Situationen wagen ihr Unbehagen wahrzunehmen, anzusprechen und gemeinsam nach Lösung suchen.

Nachtrag

Heute hat mich die Nachricht erreicht, dass die männlichen Schauspieler des Landestheaters die Gehaltserhöhung doch angenommen haben. Und das sehe ich nicht als Handlung die gegen die Kolleginnen gerichtet ist. Ich kann das sehr gut verstehen! In einer Branche in der das Geld zum Leben kaum reicht, wäre eine Ablehnung ziemlicher Wahnsinn. Die Lösung liegt sicher nicht darin, dass die einen mit wenig Gehalt für die mit noch weniger Gehalt verzichten. Sondern darin, dass die Entscheider sich bewegen müssen – im Sinne der Gleichberechtigung und grundsätzlich was die desaströsen Gehälter und Honorare dieser Branche betrifft.

* Kristina Maroldt ‚Koalition gegen Frauen‘ Brigitte 3/2017

Artikel zuerst erschienen auf: www.maennerheldinnen.com

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (8)

Sikkimoto 20.03.2017 | 20:02

Sie liefern mit den Zitaten eine gute Zusammenstellung.

Ich würde dennoch dafür werben, dass sich der Feminismus nicht kleiner macht, als er ist. In Deutschland hat der Feminismus in den letzten Jahrzehnten sehr viel erreicht - und zwar ganz überwiegend Positives. Das kann man so ruhig offensiv vertreten.

Dazu muss man freilich auch vehement insistieren, dass eben nichts "von alleine" besser wurde, sondern dass Verbesserungen Ergebnis eines Kampfes sind - der auch wieder verloren werden kann, wenn er nicht mehr geführt wird.

Sie verbreiten aber auch schlicht falsches. Das Bundesverfassungsgericht weist keine Klagen ohne Begründung ab. Einen Gender Pay-Gap von 20% gibt es nicht.

Das sage ich nicht um ihre Kernaussagen zu relativieren, sondern weil solche Falschaussagen Ihren löblichen Text leicht angreifbar machen.

Dazu: Feminismus ist nicht sexy, aber notwendig.

Grenzpunkt 0 23.03.2017 | 14:29

„Einen Gender Pay-Gap von 20% gibt es nicht.“

Doch, es gibt diese Zahl vom Statistischen Bundesamt und sie wurde richtig berechnet. Aber, ob und zu welchem Anteil diese Zahl eine Diskriminierung von Frauen gegenüber Männern enthält, kann niemand mit Sicherheit sagen. Alle die es tun, lügen absichtlich oder sie haben die zugrunde liegende Statistik nicht verstanden.

Wenn man die 21 % Verdienstunterschied als ungerecht empfindet, kann man sie auf mehreren Wegen verkleinern.

1. Die triviale Lösung besteht darin, gar keinen Lohn zu bezahlen.

2. Eine weitere triviale Lösung ergibt sich, wenn jeder Beschäftigte den gleichen Lohn erhält.

Man sieht sofort, dass beide Wege gesellschaftlich nicht durchsetzungsfähig sind.

3. Männer und Frauen werden quotenmäßig auf alle lohnrelevanten Merkmale (Branchen, Beruf, Qualifikation, Erfahrung, Arbeitszeit usw.) aufgeteilt. Dann gibt es immer noch Unterschiede, aber nicht mehr im Durchschnitt zwischen Männern und Frauen.

4. Die Löhne werden so angepaßt, dass sie in den verschiedenen Branchen zwar unterschiedlich sind, aber über die unterschiedliche Verteilung auf die „typischen“ „Frauen-„ und „Männerberufe“ solch ein Verhältnis geschaffen wird, dass im Mittel Männer und Frauen gleich verdienen.

Man kann sich noch eine Reihe weiterer Szenarien ausdenken, die zu einer Lohnlücke von 0 % führen.

Aber die eigentlich spannende Frage wird sehr selten gestellt. Sie haben es schon gesagt, die 21 % sind auf in der bisherigen Geschichte geführte Kämpfe zwischen (und ich drücke es jetzt absichtlich altmodisch aus) Lohnarbeit und Kapital zurückzuführen. Will sich der Feminismus, wollen sich die Männerheldinnen, auf solche Kämpfe einlassen oder nicht?

Es lassen sich auch noch eine ganze Reihe von Unterschieden berechnen, die zum Teil deutlich größer sind als 21 %, z. B. das Lohngefälle zwischen Ost und West, zwischen Stadt und Land, zwischen Hand- und Kopfarbeit. Der deutlichste Unterschied liegt jedoch zwischen Einkommen aus abhängiger Beschäftigung und leistungslosen Einkommen. Der Gender Pay Gap lässt sich sehr gut missbrauchen, um davon abzulenken.

schorsch klunie 29.03.2017 | 11:21

tja, sehr wage das alles....

nicht nur das der verweis auf den unbereinigten pay gap den schreiber unglaubhaft macht, auch viele weitere punkte sind recht diffus und lassen skeptisch werden.

so fragt man sich z.b. was es denn aussagen soll dass die mehrheit der studenten an der musikhochschule weiblich sind, aber nur jede 4. professur mit einer frau besetzt ist. wo ist da der zusammenhang? wo die erklärung, wo das problem?

und wie ist das mit dem hörensagen von einem landestheater in ba-wü? welches theater genau ist das? wo ist der link zu einer seriösen quelle?

kurz: was soll der geneigte leser mit all diesen andeutungen anfangen? dies mag reichen um sich in der echokammer hochzuschaukeln, um außerhalb der kammer ernst genommen zu werden müsste die überlegungen aber ein wenig konkreter und schlüssiger werden....