Der irre König

3. Weltkrieg Das Script für die aktuellen Showdown-Anbahnungen des US-Präsidenten könnte von »Game of Thrones«-Macher George R. R. Martin stammen. Startet Trump den Dritten Weltkrieg?
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Die besten Filme liefert derzeit das Weiße Haus. Live, in Echtzeit und medienmultipliziert dürfen wir feststellen, wie ein größenwahnsinniges, wahrscheinlich zutiefst lebensüberdrüssiges Kind mit dem Roten Knopf herumspielt und Selbstgespräche mit sich führt nach dem Motto: »Soll ich die Welt heute schon in die Luft jagen? Oder macht ›erst morgen‹ mehr Spaß?« Ähnlich wie der Folterer Jeoffrey, der in der Serie Game of Thrones seinen königlichen Foltergenuss ebenfalls zu dosieren versteht, ist auch bei Donald Trump das Kriterium nicht das, ob ein Atomkrieg zweckmäßig ist, sondern vielmehr die Frage, wie viel Thrill ihm die finale Ausführung oder das Spielen damit bringt. Selbst die öffentlich-rechtlichen Nachrichten, sonst ein Hort des Maßvoll-Ausgewogenen, titeln in diesen Tagen Headlines wie »Der entfesselte Präsident«.

Noch einmal Maischberger gucken (oder Tatort), und dann Aus die Maus? Es ist wahr: Die Politik fährt derzeit Spannung auf wie zuletzt zu Zeiten des Münchner Abkommens 1938. Wird er in die Tschechoslowakei einmarschieren? Oder kriegen wir ihn mit einem Deal noch einmal rum? Der Unterschied: Was damals – im Rückblick – ein Jahr weiteren Frieden verschaffte, muß heute nicht so sein. Der Stundentakt ist derart rasant, dass selbst Feuilletonkritik (etwa der Art, warum dem Freitag die akute Kriegsgefahr KEIN Aufmacher-Thema wert ist) daran zerschellt. Alle wissen, das derlei Fragen belanglos sind: Während Jakob Augstein noch einen Leitartikel in die Tastatur haut, fliegen im Nahen Osten – oder anderswo – bereits die Raketen. Wobei die Haupthoffnung der meisten wie folgt ausfallen dürfte: Hoffentlich sind sie konventionell bestückt.

Im Ernst: Das Real-Abenteuer der US-Amerikaner(innen) mit einem Präsidenten, der Nero-Phantasien frönt und offensichtlich geistesgestört ist, nähert sich der Marke 30 Sekunden vor zwölf. Mag sein, dass ein paar inzüchtige, Texaskomplex-geschlagene Hardliner-Debile in den Heartlands meinen, sie kämen davon, weil ihr Privatwaffen-starrendes God’s Own Country schön weit vom Schuss weg ist. Letzten Endes geht es jedoch auch für die Amerikaner ums Eingemachte. Aktuell zu hoffen ist nur, dass eine kritische Masse genügend nah am Machtzentrum sitzender Demokraten und Republikaner sich pragmatisch zusammenfindet in der gemeinsamen Einschätzung, dass ein Neuanfang à la The Walking Dead nur für die Durchgeknallten in ihrem Land ein veritables Vergnügen wäre (und selbst bei diesen wahrscheinlich nur für eine Minderheit). Und die den Mut findet für die nötigen, jetzt allein noch helfenden Konsequenzen: die Verhaftung und Absetzung des offensichtlich größenwahnsinnigen, eine Gefahr für ihr Land und die Welt bildenden Präsidenten.

Wir Germans sollten zwar gar nicht erst anfangen, über Gebühr mit unserem 20. Juli-Alibiwiderstand zu prahlen. Parallele und Unterschied gleichzeitig wäre im Fall Trump allerdings, dass hier noch die Chance besteht, das Machtzentrum so zu kalibrieren, dass keine irreversible Kurzschlusshandlung die Welt in Brand setzt.

16:59 12.04.2018
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Geschrieben von

Richard Zietz

Linkspopulist, Popkultur-Fanatiker, Putinversteher. Grundhaltung: Das Soziale ist das große Thema unserer Zeit.
Richard Zietz

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