Richard Zietz
04.05.2014 | 20:04 26

Der Medien-GAU von Odessa

Ukraine-Konflikt Stell dir vor, 40 Menschen werden abgefackelt und die freie Presse sieht weg. Wie das geht, haben die deutschen Medien am Wochenende vorgeführt. Der Bericht zum Info-GAU.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Richard Zietz

Die falschen Toten, die falschen Täter. Hinzukommend: ein unpässlicher Zeitpunkt sowie Staatsinstitutionen, die selbst dem wohlmeinenden Teil des Publikums nicht mehr vermittelbar sind. Was macht der deutsche Qualitätsjournalist in einem solchen Fall? Er vertuscht, verschweigt, spielt runter und hypt, wenn das alles nicht reicht, künstlich hochgepuschte Alternativereignisse. Wie das Genre Manipulation & Vertuschung in der Praxis funktioniert, war am ersten Mai-Wochenende in der Praxis zu erleben. Die schwersten Straßenkrawalle seit den Maidan-Ereignissen Ende Februar. Über 40 Menschen, die in einem gebrandschatzten Gewerkschaftshaus ums Leben kamen. Über 200 Verletzte. Eine Regierung, der an einer Aufklärung der Geschehnisse ganz offensichtlich nicht gelegen ist. Ist das ein Thema? Berichterstattenswert? Für ARD, ZDF, Süddeutsche, Zeit, F.A.Z. und den Rest des sogenannten Alpha-Journalismus explizit nicht. Vielmehr legten die deutschen Leitmedien einen Info-GAU hin, der den Vergleich mit der vielgeschmähten Berichterstattung russischer Medien in keiner Weise zu scheuen braucht.

Odessa: der Gewaltexzess

Am »Tag danach«, passend zum Tag der Pressefreiheit, legte sich die Nacht über die deutsche Presselandschaft. Die sogenannten Qualitätsmedien glänzten in Sachen Odessa-Berichterstattung durch eine Nicht-Berichterstattung, die selbst in Anbetracht ihrer bekannten parteiischen Haltung bemerkenswert ist. Die Fakten: Eine proukrainisch-nationalistische Demonstration, darunter zahlreiche Parteigänger des rechten Sektors sowie Fußball-Ultras, wurden – so der Tenor der verfügbaren Infos – von prorussischen Aktivisten attackiert. Binnen Stunden eskalierten die Auseinandersetzungen zu den schwersten Straßenkrawallen seit den Maidan-Ereignissen im Februar – Schusswaffen-Gebrauch und mehrere Tote inklusive. Am Abend schließlich belagerte ein proukrainischer Lynchmob prorussische Aktivisten, welche sich in das – als Rückzugsrefugium dienende – Gewerkschaftshaus zurückgezogen hatten und attackierte die dort Schutzsuchenden mit allem, was zur Verfügung stand – darunter auch Brandsätzen und Molotow-Cocktails. Das (bislang) bekannte Ergebnis: über 40 prorussische Aktivisten verbrannten oder stürzten bei dem Versuch, sich zu retten, in den Tod. Die anwesende ukrainische Polizei griff großteils nicht oder zu spät ein; wie viele Pro-Russen außerhalb des Gebäudes getötet wurden, ist derzeit noch unklar.

Deutschland: die Totschweigemedien

Dem blutigen Gewaltexzess unmittelbar auf dem Fuß folgte die Totschweigefront der deutschen Leitmedien. Falsche Täter, falsche Opfer: Wer sich über die neue Bürgerkriegsfront in der südukrainischen Hafenmetropole informieren will, ist auch heute – zwei Tage nach der Katastrophe – fast vollends auf Blogs, russische Medien sowie Live-Clips bei der Video-Plattform YouTube-Clips zurückgeworfen. Informative Hintergrundartikel brachten lediglich zwei Ausnahmen: Spiegel Online sowie das – vom qualitätsbewußten Journalismus eher als randständig abgetane – Onlinemagazin Telepolis. Der Rest: bis dato Totalausfall. Die Mehrzahl der deutschen Leitmedien versteckte die Vorfälle in der obligatorischen Ticker-Berichterstattung, also unter »ferner liefen«. Die Online-Ausgabe der Süddeutschen brachte zwar die Basic-Facts, vermied dabei allerdings jegliche Hinweise auf Verursacher und Opfer. Bei der Berliner Zeitung rangierte Odessa ebenfalls unter »nachrangig«. Welt und Focus behandelten die Ereignisse in einem oberflächlich-allgemein gehaltenen Clip mit teils identischen Bildern. Zugeknöpft-wortkarg gab sich auch die FAZ. Die Zeit schließlich versteckte das Massaker in dem obligatorischen Newsticker-Salat und konzentrierte sich stattdessen – garniert mit den üblichen Schuldzuweisungen in Richtung Russland – auf die neuesten diplomatischen Entwicklungen.

Bemerkenswert an der skizzierten Berichterstattung ist, dass einerseits zwar alles dafür getan wurde, die Benennung von Ross und Reiter zu vermeiden. Andererseits wollte – Blood sells – kaum ein Qualitäts-Leitmedium auf knackige Bilder vom Brand-Schauplatz verzichten. Ein nachgerade absurder Zustand, der auch den Lesern sicher nicht entgangen sein wird. Noch desaströser fiel der Informations-Eiertanz bei den Öffentlich-Rechtlichen aus. tagesschau.de brachte am 3. Mai einen Artikel, der sich in seiner Zugeknöpftheit bruchlos in die beschriebene Berichterstattung einreihte. Zu wenig Infos aus erster Hand? Keinesfalls. Schlechte Leute vor Ort? Nicht wahr. Das Problem der derzeitigen ARD-Ukrainekorrespondentin Golineh Atai scheint eher darin zu bestehen, dass die von ihr gelieferten Infos entweder schlecht platziert oder aber direkt ausgebremst werden. Beispiel: ein TV-Feature über proukrainische (!!) Milizen in der Ostukraine von Ende April. Wohl irgendwann mal versendet, aber anschließend – anders als andere, »wichtigere« Beiträge – ohne Hinweis-Link im Online-Archiv endgelagert. Ein negatives Highlight lieferte die tagesthemen-Berichterstattung am Abend des 2. Mai. Moderator Thomas Roth würgte die mit Hintergrundinfos aufwartende Kollegin Atai vor laufender Kamera ab und leitete abrupt-kommentarlos zum derzeit bevorzugten Medien-Spin in Sachen Ukraine über: das Schicksal der festgesetzten, zwischenzeitlich jedoch freigelassenen und glücklich in der Heimat befindlichen OSZE-Militärbeobachter.

Den Eindruck eines auf informeller Ebene abgesprochenen Nachrichtenstopps erweckte auch die Berichterstattung des ZDF. Das Online-Portal der Mainzer offeriert die gängige Ticker-Berichterstattung zwischenzeitlich unter der Labelbezeichnung »Ukrainisches Tagebuch«. Schon von der Form her ist das dort an den Mann und die Frau gebrachte Infotainment nichts weiter als ein mediales Sparbrötchen mit kaum Info, dafür jedoch hip klingendem Etikett. Im konkreten Fall lieferte das »Tagebuch« komplett sinnbefreiten Bullshit: das bereits beschriebene business-as-usual-wir-machen-weiter-als-ob-nichts-wäre, gepaart mit Betroffenheits-Plattitüden sowie den obligatorischen – an der Stelle besonders deplatzierten – Schuldzuschreibungen. Vorteil: Via Format hat sich das ZDF-Nachrichtenportal der im Metier gängigen Faktenorientierung selbst quasi entledigt und kann – wie im konkreten Fall »Tagebuch«-Autorin Kathrin Eigendorf – den eigenen Vorurteilen entsprechend gegen Russland hetzen, dass das Leder nur so kracht.

Einseitige Berichterstattung in der Kritik

Was ist los? Die – bereits zuvor breit kritisierte – Schieflage der Ukraine-Berichterstattung hat mit dem faktischen Nachrichtenstopp in Sachen Odessa einen neuen traurigen Höhepunkt erreicht. Der Verdacht, dass die deutschen Leitmedien längst als Transmissionsriemen eingespannt sind zum Verkaufen der aktuellen Eskalationspolitik, ist nicht neu. Neu ist, dass ein Massaker, das politisch nicht in den Kram passt, gezielt totgeschwiegen, bagatellisiert und in den Hintergrund gespielt wird. Noch bizarrer wirkt der GAU der deutschen Qualitätsmedien vor dem Hintergrund der Affaire um die zeitweilige Festsetzung einer Gruppe von OSZE-Militärbeobachtern. Das Thema war nicht nur von Anfang an hochgehypt. Der Hype wurde selbst zu dem Zeitpunkt stur weiter hochgehalten, als sich die Geschichte mit der angeblichen OSZE-Mission zunehmend in Luft auflöste. Nichtsdestotrotz hielten die deutschen Leitmedien an ihrer selbstgestrickten Heldenstory fest: gut – keine OSZE-Mission, aber, immerhin: OSZE-Beobachter. Einerseits wird sich der ein oder andere fragen, wieso Beobachter im Auftrag der ukrainischen Regierung keine Kombattanten sein sollen (zumindest in der Sicht einer in Kampfhandlungen involvierten Miliz). Wesentlicher Punkt ist allerdings die Frage, ob das Aufrechterhalten dieses Spins angemessen ist im Angesicht einer eskalierten Situation. Anders gefragt: Wieso diese – vergleichsweise harm- und vor allen Dingen ziemlich belanglose – Homestory bis zur glücklichen Landung in Deutschland (und den demnächst folgenden Auftritten bei Anne Will & Co.) selbst dann krampfhaft in den Fokus gerückt werden muss, wenn anderswo Menschen im Dutzend sterben, verbrennen und in der Ukraine sozusagen der Bär steppt.

Kamera auch mal weghalten, unangenehme Nachrichten verschweigen, eigene Spins hingegen hypen. Hinzukommend die obligatorische Dauerberieselung aus Propaganda und Feindbildpflege: Bereits seit Monaten gerät die Einseitigkeit, mit der die maßgeblichen Leitmedien über den Ukraine-Konflikt berichten, zunehmend zum Ärgernis. Deutliche Kritik formulierte unter anderem die langjährige ARD-Russlandkorrespondentin Gabriele Krone-Schmalz. Kritikpunkte gegenüber dem NDR-Medienmagazin ZAPP: Die Medien hätten es – erster Kardinalfehler – komplett versäumt, ihr Publikum auf die Brisanz des geplanten Assoziierungsabkommens hinzuweisen – insbesondere Paragraph 7, der eine militärische Zusammenarbeit beinhalte. Weitere Kritikpunkte: Interessen würden seitens der Medien nicht beim Namen genannt; vielmehr würden die Interessen des Westens schöngemalt, Russland und Putin hingegen dämonisiert. Darüber hinaus habe sich in der Konflikt-Berichterstattung zunehmend ein Vokabular der Häme etabliert, wie beispielsweise »prorussischer Mob« – ein Attribut, das auf der anderen Seite selbstverständlich nie zur Anwendung käme. Hinzu kämen mangelhafte Backgroundinfos: beispielsweise über die konfliktentscheidenden Ost-West-Gegensätze in der Ukraine. Über die sei, so Krone-Schmalz, zunächst ebensowenig aufgeklärt worden wie später über die Grundlagen des Krim-Referendums. Vielmehr habe man doppelte Standards – zu begrüßende Separationen wie etwa im Fall des Kosowo oder etwa Montegrino hier, zu verurteilende Separationen wie im Fall der Krim da – auf unrefklektierte Weise als Fakten hingestellt. Die allgemeine Russland-Berichterstattung entspreche ebenfalls nicht dem Kriterium der Ausgewogenheit. So würden die Medien Errungenschaften der Ära Putin wie zum Beispiel der Anstieg des allgemeinen Lebensstandards notorisch unter den Teppich kehren. Kritik an der Medien-Berichterstattung schließlich, so Gabriele Krone-Schmalz, würde vorschnell als Antiamerikanismus abgetan.

Mit ihrer Kritik steht die langjährige Auslandskorrespondentin nicht allein. Prominentester Kollege derzeit: der renommierte Ex-ARD-Korrespondent und Buchautor Peter Scholl-Latour. Aber auch im medien- und gesellschaftswissenschaftlichen Mittelbau macht sich zunehmend Unbehagen breit angesichts der unreflektierten, einseitigen Pro-NATO-Berichterstattung. Uwe Kröger, Medienwissenschaftler an der Uni Leipzig, hat die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen mittels einer Fallstudie untersucht. Ergebnis, laut Zapp vom 16. April: Achtzig Prozent derjenigen, die während der Maidan-Ereignisse zu Wort kamen, seien Regimegegner gewesen. Hinzugekommen seien, so Kröger, fatale Einschätzungsfehler. In Verkennung der Lage hätten die deutschen Medien total auf Vitalij Klitschko gesetzt – einen Akteur, der in der Ukraine lediglich unter »ferner liefen« rangiert habe.

Talkshows: Putin – Russland – Krieg

Ein spezieller Fall im medialen Ukraine-Potpourri sind die fünf führenden Talkshows. Lapidar auf den Punkt gebracht: Ohne Dämonisierung lief hier überhaupt nichts. Anne Will war mit dem Thema gleich fünfmal auf Sendung. Titel der Sendungen: Putins Kampf um die Krim - Wie hilflos ist der Westen? (5. März), Putin weiter auf dem Vormarsch - Ist die Krim erst der Anfang? (12. März), Wandel durch Abschreckung - Zwingt der Westen Putin so in die Knie? (26. März), Chaos in der Ukraine - Treibt Russland das Land in den Bürgerkrieg? (16. April) und schließlich Geiseln, Terror, Kriegsgefahr - Ist die Ost-Ukraine außer Kontrolle? (30. April). In den Themenstellungen bei Günther Jauch war der Bösewicht ebenfalls klar ausgemacht. Die Sendetitel: Putins Kampf um die Krim - Wie hilflos ist der Westen? (5. März), Putin weiter auf dem Vormarsch - Ist die Krim erst der Anfang? (12. März) und schließlich – als ob Wladimir Putin das Odessaer Gewerkschaftshaus abgefackelt hätte und nicht die neuen Freunde des Westens – Kriegsgefahr in Europa – ist Putin noch zu stoppen? Auf die magischen Schlüsselbegriffe Putin, Russland und Krieg mochten auch die Kollegen Plasberg sowie Illner vom ZDF nicht verzichten. Lediglich Sandra Maischberger befleissigte sich in ihrem Talk am 18. März einer etwas zurückgenommenen Sprache.

Schlimm? Nicht ganz. Allerdings: Dass im Gros der aufgeführten Sendungen relativ kontrovers diskutiert wurde, lag weniger an den feindbildbefördernden Sendungstiteln, sondern vielmehr an den Geschäftsgrundlagen der beteiligten Formate. Zum einen funktionieren diese Talks nach dem Prinzip Kontroverse. Was heißt: Es muß mindestens einer dabei sein, der eine abweichende Meinung hat. Zum anderen ist die Kritik an der Politik des stetigen Eskalierens mittlerweile recht breit aufgestellt. Kritisch in den aufgeführten Sendungen aus sprachen sich unter anderem: die ehemaligen Auslandskorrespondenten Gabriele Krone Schmalz und Peter Scholl-Latour, der ehemalige Hamburger OB Klaus von Dohnanyi, Ex-SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Historiker Guido Knopp, die Entspannungspolitik-Urgesteine Erhard Eppler, Egon Bahr und Hans-Dietrich Genscher, der Journalist und ehemalige Kohl-Berater Horst Teltschik, der Linke-Politiker Gregor Gysi, die aus der Ukraine stammende Piratin Marina Weisband, der Wirtschaftsvertreter Eckhard Cordes sowie Freitag-Herausgeber Jakob Augstein.

Kritik? Pah! Weiter wie gehabt

Zwischenzeitlich scheint die Medienkritik auch bei den Medien angekommen zu sein. Wie damit umgehen? Der Deutschlandfunk war einer der wenigen, die mittels Transparenz und Dialog in die Offensive gingen. Ressortchef Friedbert Meurer etwa zeigte sich in der ZAPP-Sendung angesichts der Kritik betroffen. Auch unabhängig von dem Shitstorm, der durch den umstrittenen Anonymous-Aufruf ausgelöst worden war, habe, so Meurer, die Kritik an der Berichterstattung deutlich wahrnehmbar zugenommen. Das Verhältnis zwischen Zustimmung und Ablehnung bewege sich mittlerweile im Bereich eins zu zehn. Trotz eines zum Teil unakzeptablen Tonfalls könne man natürlich nicht alle Kritiker als Spinner abtun. Meurers Einschätzung der Stimmungslage: »Da brodelt etwas links und rechts in der Republik.« Warum berichten Journalisten so, wie sie berichten? Vielleicht liegt es einfach an der unterschiedlichen Biografie. Meurer räumt ein, dass der Großteil der maßgeblichen Journalisten dezidiert westlich, sozusagen atlantisch sozialisiert sei. Diskrepanzen zwischen Medienmachern und Medienkonsumenten sieht auch Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der Zeit. In einem Kommentar skizzierte er die Lager wie folgt: zwei Drittel der Bürger gegen vier Fünftel von politischer Klasse und Medienelite. Schuld an der verfahrenen Situation: der Spalter Wladimir Putin.

Kriegsunwillige Bevölkerung versus kriegsgeiler Alphajournalismus? Noch deutlicher benennt ein Artikel im Onlineportal Huffington Post mögliche Ursachen. Der Beitrag von Sebastian Christ erklärt die Diskrepanz zwischen Bevölkerungs-Meinung und Journalisten-Meinung ebenfalls mit dem elitären Sozialhabitus von Journalisten. Zwei Drittel von ihnen entstammten gut abgesicherten, bürgerlich geprägten Beamtenhaushalten, nur 9 Prozent kämen dagegen aus Arbeiterfamilien. Liegts letztlich nur an den ungleich verteilten Chancen, heil den sicheren Atombunker zu erreichen? Möglicherweise könnte der seltsame Gleichschritt zwischen erster und vierter Gewalt jedoch weitere Gründe haben – nackten, profanen Lobbyismus. So deckte ein Autor der Freitag-Community auf, dass das ZDF Teile seiner Ukraine-Berichterstattung direkt von der PR-Organisation Ukrainian Crisis Media bezieht, ein pro-ukrainisches, unter anderem von dem US-Milliardär George Soros gefördertes Netzwerk. Im Zuge dieser Connection führte das ZDF unter anderem auch ein Interview mit dem Führer der rechtsextremen Swoboda-Partei, Oleh Tjahnybok – unter demokratischen Aspekten eigentlich ein No-Go.

Lobbybestrahlt ist allerdings nicht nur das ZDF. Fast die komplette Führungsgarde des deutschen Leitmedien-Journalismus ist auf das Engste mit hochrangigen Stiftungen sowie sonstigen Lobbyorganisationen verbandelt. Bei Zeit-Herausgeber Josef Joffe nehmen die außerjournalistischen Aktivitäten einen kompletten Wikipedia-Absatz in Beschlag. Dabei, unter anderem: die Atlantik-Brücke sowie die Beiräte der Trilateralen Kommission, der Goldman Sachs Foundation sowie – aufgemerkt, hier wird es außenpolitisch – der Münchner Sicherheitskonferenz. Auch bei den anderen Hochkarätern des Gewerbes sieht das Bild nicht anders aus. Problem bei dieser Lobby-Verflechtung ist – wir leben schließlich in einer freien Marktwirtschaft – weniger der pekuniäre Aspekt. Gift für die freie Presseberichterstattung sind vielmehr die daraus resultierenden Interessenskonflikte. Beispielsweise dann, wenn Gremium A (und damit auch Journalist A) an der Richtlinienentwicklung für eine bestimmte Politik mitbeteiligt ist. Verkürzt auf den Punkt gebracht: Journalist A schreibt potenziell über eine Politik, die er als Akteur selber maßgeblich mitentwickelt hat.

Dass bei derlei Konstellationen (denen im transatlantischen Herzland, den USA, übrigens ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben ist) wenig kritische Töne aufkommen mögen, liegt auf der Hand. Zurück zu den Adressaten dieser Politik, den Leserinnen und Leser. Volkes Stimme ist in der Ukraine-Frage ziemlich einhellig. Gängigen Umfragen zufolge ist die Meinung Pro und Contra Russland ungefähr gleich verteilt. Noch deutlicher fällt das Votum im Hinblick auf Sanktionen aus. Eine Eskalation der derzeitigen Situation befürwortet lediglich eine Minderheit. Selbst bei der vergleichweise moderat anmutenden Frage Wirtschaftssanktionen schlägt das Pegel eher zur Eher-nicht-Seite aus. Auf die Berichterstattung schlägt sich die mangelnde Kriegsbegeisterung der breiten Bevölkerung allerdings nicht um. Auch der vergleichsweise dialogbereite Deutschlandfunk-Ressortleiter Meurer findet summa summarum, dass sein Sender in der Krise »einen guten Job« gemacht habe. Die Medienschelte sei sachlich gesehen unzutreffend. Andere – Beispiel: der US-amerikanische Historiker Timothy Snyder (»Bloodlands«) – halten die westliche Berichterstattung für noch zu ukrainekritisch und Putins imperialistische Absichten verkennend. Trotzige »weiter so«-Parolen sind auch hierzulande zu vernehmen. Christian Neef vom Spiegel etwa befürwortet in einem Essay zur Lage ein Durchstarten notfalls auch gegen die Leserschaft und propagiert ein Schlussmachen mit fehlgeleiteter Russland-Romantik.

Medien unfreiwillige Beförderer der Friedensbewegung?

Fazit: Augen zu und durch. Angesichts der aktuellen Entwicklung bleibt nur zu konstatieren: Aus welchen Gründen auch immer scheinen die großen Medien entschlossen, notfalls auch gegen ihre Leserschaft voll durchzustarten. Seit dem Wochenende jedenfalls hat die Pro-Kriegs-Berichterstattung ein neues Level erreicht. Der Unterschied zu den Vormonaten: Auch das Unterschlagen von Nachrichten sowie das Halten von Spins selbst dann, wenn sie sich als Rohrkrepierer erwiesen, ist mittlerweile fester Bestandteil der Leitmedien-Berichterstattung. Auch im absehbaren Fall, dass (aufgrund mangelnder Aussichtschancen) niemand Beschwerde beim Presserat einlegt wegen der fortwährenden Manipulation, wird das Konsequenzen haben. Im ein oder anderen Fall ist das schade. Beispielsweise der ARD-Korrespondentin Golineh Atai, die durchaus auch nicht-mainstreamförmige Berichte abgeliefert hat, wegen der Politik ihres Senders nunmehr jedoch glaubwürdigkeitstechnisch verbrannt ist. »Glauben« ist letzten Endes das Schlüsselwort. Da ARD, ZDF und der Rest der Leitmedien mit ihrer selektiven, propagandahaften Berichterstattung fortfahren als ob nichts gewesen wäre (und auch am »Tag zwei« nach den albtraumhaften Ereignissen in Odessa gibt es keinen Grund, hier Hoffnung zu haben) – welchen Grund sollte es geben, diesen Medien überhaupt noch irgendwas zu glauben? Glaubwürdigkeitstechnisch sind ARD, ZDF und ihre privatwirtschaftlichen Äquivalente mittlerweile auf Ground Zero angelangt – nämlich beim Uhrzeit-Level. Oder einfach mal nachgefragt: Wäre diese Headline vom 4. Mai auf dem Titel von tageschau.de gelandet, wenn die abgebildeten Polizeiattackierer nicht pro-russisch gewesen wären, sondern pro-ukrainisch? – Na also.

Wie wird es weitergehen? Ungefähr so: Die Demokratie geht weiter kaputt; die Bevölkerung wird sich weiter auspolarisieren. Wo Reden nicht hilft, hat es sich mit dem Reden irgendwann gehabt – siehe das leuchtende Vorbild, die Ukraine. In Sachen Friedensbewegung wird die Entwicklung vermutlich ähnlich verlaufen. Interessante, in Sachen Organisationsfrage durchaus differenzierte Stellungnahmen, findet man mittlerweile zuhauf. Beispielsweise von dem Liedermacher Konstantin Wecker oder dem politisch engagierten HipHop-Musiker Kaveh.

Lapidares Fazit so: Sollen die Kriegshetzer ihren Riemen halt weiter durchziehen. Man kann sich anders informieren. Im Sommer, Frühherbst spätestens, wird sie in voller Pracht stehen: die Friedensbewegung.

Der Beitrag wurde von der Redaktion editiert.

PERSONAL KRISIS:

Thomas Roth: Tagesthemen-Moderator, Abwürger unliebsamer Nachrichten

Golineh Atai: ARD-Korrespondentin; meint es gut, kommt aber nicht zum Zug

Friedbert Meurer: Deutschlandfunk-Ressortleiter; will den Dialog

Gabriele Krone-Schmalz: Ex-Russlandkorrespondentin; Ruferin in der Wüste

Konstantin Wecker: Liedermacher; einer der letzten Aufrechten

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (26)

berlino1010 04.05.2014 | 20:46

Danke. Ich habe die Live-Bilder gesehen und bin ebenfalls fassungslos, wie weit die Medien gehen, in der Erfüllung ihre politischen Kampf-Auftrages.

1. Klar ist, pro-ukrainische Demonstranten, die in der grossen Mehrzahl waren, wurden bei einer Demo attackiert und beschossen (keine Toten)

2. Aufgebrachte Pro-Ukrainer stürmten den Platz, entzündten die friedliche Zeltstadt und das Haus, in das sich Menschen geflüchtet hatten.

Das RUS TV hat heute abend einen Bericht veröffentlicht, dass u.a. der stv Leiter der Polizei Odessa Дмитрия Фучеджи den Einsatz bewaffneter Provokateure (mit roten Bändern)
gegen die Maidan-Demonstranten befehligt habe, wohl um sie scharf zu machen.

russisch / deutsch

Video ab 2:00

http://img1.1tv.ru/imgsize640x360/PR20140504204510.JPG

Grundsätzlich mißtraue ich sehr RUS TV, aber Pro-Maidan Augenzeugen, mit denen ich kommuniziert habe, hatten sich verwundert geäussert, warum Pro-Russen sie in Minderzahl angegriffen haben, warum sie so ungewöhnlich viel schossen, niemand getroffen wurde, Pro-Russen plötzlich nicht mehr schossen, und warum sie sich nicht mehr gegen den Sturm verteidigen konnten ...

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Ehemaliger Nutzer 04.05.2014 | 22:05

Noch son ein Ufo-Truther...

Im Ernst: Sehr verdienstvoll! Danke.

Das "Medium des Vertrauens" gibt es nicht mehr. Mit einer Mainstream-Tageszeitung morgens und dem heute journal am Abend ist man zwar "themeninformiert" (Ukrainekrise!), über die Hintergründe aber fast vollständig desinformiert.

Entweder man akzeptiert es und wird von Goebbels zum Schäfchen gemacht.

Oder man wird sein eigener Korrespondent. Denn das Anschalten von "Feindsendern" ist ja möglich.

Was den transatlantischen Filter ja gerade so grotesk macht.

Allerdings kann das nicht jeder: Eindrücke quer durch die Medienwelt sammeln und vor dem Hintergrund eigenen Weltwissens ein Bild entstehen lassen.

Denn das ist ja gerade die journalistische Aufgabe und nicht umsonst lernt man das. Auch wenn so leicht aussieht wie Fotografieren, kann es nicht jeder.

Ein guter Blogger ist deswegen schon heute viel mehr wert als selbst ein handwerklich guter Journalist - der um seinen Job bangt und daher prüft, ob die Information auch "passen"...

Auf vielen Nachrichtenseiten sind mitunter gar die Kommentare aufschlußreicher als die Meldung.

Es ist an dieser Entwicklung der Publizistik nicht alles schlecht. Denn sie führt in Richtung Crowd.

Prekär ist auf dem Weg dahin nicht nur die politische Informiertheit jener, denen für die Propaganda der Sensor fehlt (bei ZDF, ZEIT und taz am leichtesten zu trainieren). Wer von Gastronomie Ahnung hat, dem fällt eben auch mehr auf, wenn er ein Restaurant betritt... Und prekär wird die Lage der Medien, die sich - Augen zu und durch mitunter zum strategischen Gegner ihrer Rezipienten machen. Öffentlich-rechtlichen 'Schweinejournalismus' mag man wagen, hinter der Schutzmauer der "Demokratieabgabe" nach angelsächsischem Muster. Es ist Verrat, aber man kommt vermutlich damit wohl erst einmal durch und hat imagemäßig verbrannte Erde hinterlassen. Daran ist perspektivisch nicht einmal alles schlecht.

Bei den Zeitungsverlagen ist es allerdings ein mehr als gewagtes Spiel. Diese würden mitunter besser fahren, einfach Agenturmeldungen abzudrucken, statt den Dingen den ganz besonderen Spin geben zu wollen.

berlino1010 04.05.2014 | 22:22

Oder man wird sein eigener Korrespondent. Denn das Anschalten von "Feindsendern" ist ja möglich.

Das ist nicht wirklich möglich. Ich bin gerade wieder seit einigen Wochen in RUS in der Nähe der Grenze zur UKR und konnte mir persönlich ein Bild machen und mit den Menschen sprechen. Wer kann das schon?

Ich bekomme also täglich Feindsender ... den oben zitierten Bericht im RUS TV über das gesteuerte Massaker von Odessa kann ich nicht nachprüfen, das können nur Journalisten mit der Möglichkeit zum Fakten-Check. Aber natürlich machen unsere westlichen Journalisten das nicht - weil es politisch nicht gewollt ist - ebenso wenig wie das Nachprüfen der angeblich in Kramatorsk getöteten 10 Unbewaffneten ..

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 08:49

"Die Fakten: Eine proukrainisch-nationalistische Demonstration, darunter zahlreiche Parteigänger des rechten Sektors sowie Fußball-Ultras, wurden – so der Tenor der verfügbaren Infos – von prorussischen Aktivisten attackiert."

Sie gestatten, dass ich präzisiere bzw. richtig stelle.

Es handelt sich um einerseits faschistische Terroristen, die ein faschistenfreundliches ukrainisches Gewaltregime unterstützt. Die Nationalität bzw. Staatsangehörigkeit der Terroristen wird als ukrainisch angegeben.

Bei den sogenannten "prorussischen Aktivisten" könnte es sich um ukrainische Oppositionelle, um antfaschistische Regierungsgegnern oder aber auch um sich als solche ausgebende Provakateure oder um eine Gemisch aus diesem und jenem handeln.

Fakt ist: Faschisten haben in der Ukraine die Macht übernommen, werden von sogenannten "demokratischen" Regierungen des Westens unterstützt und bekämpfen mit allen Mitteln, auch mit verbrecherischen (!) ihre politischen Gegner.

Ich werde ab sofort alle Medien, die diese verbrecherische Regierung durch unwahre, banalisierende oder vertuschende Berichterstattung direkt oder indirekt unterstützen boykottieren, das heißt Abo kündigen, nicht mehr kaufen!

Wolfgang R. Grunwald 05.05.2014 | 09:22

Wenn die West-Demokraten in der Ukraine ein Regime durch Zersetzung (NGOs), mit Geld (5 Mrd Dollar) und Gewalt an die Macht putschen, ist das praktizierte Demokratie.

Wenn die Putschisten hundert Menschen in Kiew durch Schafschützen erschießen, dann ist das ein Ausdruck von Demokratie.

Wenn Menschen der Selbstbestimmungsbewegung in der Ostukraine ein Gebäude des ukrainischen Geheimdienstes besetzen, ist es Terrorismus.

Wenn Putschisten das Gewerkschaftshaus, in das Anhänger der Selbstbestimmungsbewegung geflohen waren, mit Molotow-Cocktails absichtlich in Brand setzen, um 40 Menschen zu verbrennen, ist es „Schutz administrativer Gebäude“ (Timoschenko)!

Wenn die Westukraine durch terroristische Gruppierungen in einer Kampagne aus Terror, Mord und Raub versinkt, dann ist das ein Ausdruck von gelebter Demokratie.

Wenn die West-Demokraten Kiews Gewaltaktionen unterstützen – und die West-Medien dazu schweigen bzw. die Tatsachen verdrehen, ist die Freiheit der Presse.

Wenn die West-Demokraten Kiews Gewaltaktionen unterstützen – und die West-Medien dazu schweigen bzw. die Tatsachen verdrehen, ist die Freiheit der Presse.

Wenn Präsidentenberater Brzeziński aufruft, die USA sollen Ukraine für Häuserkampf bewaffnen (DWN – 5.5.2014) dann weißt Du:

Du lebst in der Westlichen-Werte-Demokratie.

Was Du schon immer über die Westliche-Werte-Demokratie wissen wolltest – bisher aber nicht zu fragen wagtest…:


„Die erfolgreichsten Gehirnwäsche-Techniken. Der Globalisierungs-Fanatiker. Ein Psychogramm der Westlichen-Werte-Demokratie“
www.gehirnwaesche.info

Reimers 05.05.2014 | 15:58

Für alle später Geborenen hier der sicherlich erste Supergau im damaligen Deutschen Fernsehen der 70er Jahre: Hamburg, Anmoderation der ARD: Die Vietkong haben eine Großoffensive auf Saigon gestartet. Wie es derzeit aussieht, haben die Süd-vietnamesichen Streiträfte und ihre amerikanischen Verbündeten die Lage im Griff. Wir schalten um - life - nach Saigon zu Dieter Krohnzucker. Saigon, life: Dieter Krohnzucker, der damalige ständige Auslandskorrespondent der ARD in Hanoi/Süd-Vietnam stand auf dem Dach der deutschen Botschaft in Saigon. Hinter ihm stand ein riesiger US-Transporthubschrauber mit laufendem Rotor, was einen unglaublichen Lärmhintergrund verursachte. Krohnzucker wiederholte im wesentlichen den Inhalt der Anmoderation - ergänzt durch ein paar nichtssagende quasi-militärische Details, die sich später alle als reine Propaganda herausstellten. Was hinter ihm passierte, konnte er nicht sehen: Pausenlos liefen gut gekleidete Vietnamesen - häufig Paare - mit einigen Sachen in den Händen in Richtung Hubschrauber und wurden dort am Ende einer Leiter hineingezogen. Krohnzucker moderierte - diesmal wörtlich gemeint - munter weiter und wiederholte, daß kein Grund zur Panik oder zu übereilten Schritten nötig seien. All dies, während hinter ihm die Szene immer gespenstiger und ebenfalls aggressiver wurde, denn die ersten Vietnamesen wurden abgewiesen - einige fielen dabei zu Boden - und man sah sie verzweifelt mit ihren Armen in der Luft fuchteln, neue liefen ins Bild auf den Hubschrauber zu und wurden teilweise aufgenommen. Krohnzucker berichtete über die unglaubliche Feuerkraft der süd-vietnamesischen Streitkräfte und über ihr taktisches Können, das sie bei ihren amerikanischen Verbündeten erlernt hätten. Bevor der Hubschrauber abhob, schaltete die ARD - mitten im Bericht - zurück nach Hamburg. Kein Nachmoderation, sondern vielmehr: Neues Thema! Der Bürger konnte erstmal - und wahrscheinlich auch leltztmals - life sehen, wie Propaganda und Wirklichkeit vor Ort komplett auseinanderklafften. Das war der wirkliche Supergau und er hatte damals noch die riesige Zuschauerzahl, wie heute längst nicht mehr. Die strategische Plazierung von "fixierten" Leit-Journalisten innerhalb der deutschen Medienlandschaft wurde dann folgerichtig fortgesetzt, wirkliche "Life"-Übertragungen gab es nur noch bei unbedeutenden Ereignissen, bei denen keine größeren Schwierigkeiten oder Eklats zu erwarten waren, normativ eingeführt wurde der "vorproduzierte Life-Bericht", dessen Nachbearbeitung sicherstellte, daß insbesondere in Krisengebieten keine Peinlichkeiten mehr passieren konnten. Dumm nur, daß die Menschen nicht so vergesslich sind, wie oft angenommen. Viele Untersuchungen in verschiedenen Ländern haben ergeben, daß die "kritische Masse" bei ca. 8-10% der Grundgesamtheit liegt. Diese dürfte spätestens seit der außergewöhnlichen "Video-Schnittechnik" der ARD nach dem Putin-Interview vom damaligen Rußland-Korrespondenten der ARD, Herrn Roth, erreicht worden sein, um bis heute stetig anzuwachsen. Die Veröffentlichung des ungekürzten Interviews zeigte dann umso deutlicher, daß der massenhafte Protest von Zuschauern - die den Propaganda-Trick längst durchschaut hatten - Wirkung gezeigt hatte bei Medien-Gewaltigen. Derselbe Herr Rot, dessen Gesichtsfarbe immer mehr dem Namen glich und dessen Gesichtsausdruck im Laufe des Gesprächs dem ARD-Korrespondenten zunehmend entglitt - und sein normalerweise zur Schau gestelltes, Überlegenheitslächeln dabei immer mehr zur Farce wurde, leitet heute selbstverständlich die Spätabendnachrichten. Die ein paar Jahre zurückliegenden grundlegenden redaktionellen Umgestaltungen beim DLF hatten den Zweck, auch hier stromlinienförmige Korrespondenten in leitende Positionen zu bringen, Readaktionen auf strammen Kurs einzuschwören, denn in Zeiten der zunehmenden West-Krise mußte vorgebeugt werden. Die Positionierung von geradezu gläubigen Atlantikern und die weitgehende Absicherung der Haupt-Medien zur Unterstützung eines sich immer aggressiver gerierenden NATO/Atlantik-Kurses geht zwar schon auf die Gründungsphase der Bundesrepublik zurück, wurde aber erst richtig sichtbar seit 2001, also nach 9/11. Dem Autor dieses Beitrag ist herzlich zu danken für seinen wohl-recherchierten und erhellenden Beitrag. Es gäbe noch viel mehr im Detaill zu berichten, aber das kann warten.

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toxicbuddha 05.05.2014 | 16:29

SPON hat meinen Account deaktiviert, weil ich die Redaktion dazu aufforderte, endlich ihren Job zu tun. Naja, vielleicht hätte ich mir dabei den Terminus "erbärmliche Journaille" sparen sollen. Aber wie soll ich diese Versager sonst nennen? - Vielleicht: Verbrecher?

Es scheint, so mancher sieht einfach seine Stunde gekommen, es Putin heimzuzahlen. Welchen Frust auch immer er damit los wird. Jetzt darf er draufprügeln wie ein Rummelplatzschläger. Und wenn dabei ein Bürgerkrieg in Europa sich abspielt? Um so besser: denn um so größer ist in seinen Augen die Schande für den Dämon Putin.

Ein halbwegs intelligenter Mensch müsste wissen, dass Dämonisierung den geistigen Horizont des Anhängers okkulter Bewegungen verrät. Aber vielleicht darf ja die Obama-Manie auch als solche gelten.

Vor wenigen Monaten noch tobte Kornelius in der SZ für einen Krieg gegen Syrien. Russland sperrte sich. Hillary Clinton schäumte vor Wut. Aber ist Russland erst einmal isoliert, dann darf wohl auch wieder zum Krieg gegen Syrien aufgerufen werden, diesmal ohne Russland als Gegenspieler. Der einzige Verbündete des Iran kann dann leicht beseitigt werden und der Fahrplan von AIPAC Richtung Iran ist frei. Michael Lüders, ehemals Nahost-Korrespondent der ZEIT, schrieb schon vor 2 Jahren (Iran: Der falsche Krieg) über die fanatische Wut der Israel-Lobby, diesen Krieg zu führen. Kann anders erklärt werden, weshalb die Bundesregierung offen mit Faschisten zusammenarbeitet? Und kann die seltsame Wut der EU, mitten in Europa einen Bürgerkrieg herbeizuführen, anders erklärt werden als mit einem größeren Kontext? Hätte Berlin die Genehmigung aus Tel Aviv, wäre es - nach deren Moral - akzeptabel. Auch wenn in der Ukraine jetzt viel passiert, sollte man den Blick weiten und nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren.

Wäre der Iran in diesem Schach"spiel" der König, dann greift man eben die Dame Russland an, schließlich den Turm Syrien, um endlich den König in diesem Spiel zu Fall zu bringen. Gewinn für die USA: die beiden verbliebenen nicht pro-westlichen Mächte im Mittleren Osten sind beseitigt. Gewinn für Israel: unangefochtene Hegemonie in der Region.

Anders als mit einem größeren Einsatz ist für mich jedenfalls diese unfassbare Lust zum Bürgerkrieg mitten in Europa nicht zu erklären. Und nein, das ist keine "jüdische Weltverschwörung", es ist eine These über die Verschwörung zur Machtausdehnung von USA und Israel. Sowas soll es tatsächlich schon gegeben haben.

karamasoff 05.05.2014 | 17:13

Die Frage ist auch insgesamt zu stellen, warum ein Russland unter Putin, welches 2010 noch die Einbindung Russlands in die NATO gegenüber radikaleren Vorstellungen z.B. eines Schirinowski verteidigen musste, nun komplett zum Feind erklärt wird und strategisch via Ukraine in die Ecke gedrängt werden soll, und diese Strategie einhellig von den im Artikel genannten Medien verteidigt wird bis hin zu Begriffs- und Wertverzerrung. Man wusste bereits ab 2012, daß Russland sich nicht so hingebungsvoll oder widerspruchslos einer NATO-Politik anpassen wird.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 19:13

Vielen Dank für den Artikel, der einen hervorragenden Überblick über die Problematik gibt.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich einmal so unter der einseitigen Berichterstattung der deutschen Medien gelitten habe wie heute.

Schmerzlich traf mich ein Artikel der ZEIT unmittelbar nach der Machtergreifung der neuen Regierung, in dem die Bedrohung für die ukrainischen Juden durch die Swoboda-Regierung heruntergespielt wurde.

Die Juden, so der Tenor des Artikels, wären nicht besorgt über die Gefahr des Faschismus. Wörtlich hieß es dann weiter: "Seit die Swoboda an der Macht ist, hat sie ihren Ton deutlich gemäßigt."

Fassungslos fragte ich mich: Wie kann es sein, dass eine deutsche Zeitung so etwas verbreiten? (Ein Forist fügt einen Link zu israelischen Zeitungen an, die von einer Ausreisewelle aus der Ukraine sprachen. Der Bericht war also eine schlichte Lüge.)

Ich bin ein besessener Zeitungsleser, doch mittlerweile ist das Lesen für mich nur noch mit Qualen verbunden.

Die Ereignisse in Odessa sind derart furchtbar und das (absichtliche) Versagen der deutschen Medien in diesem Fall derart erschreckend und unentschuldbar, dass mir die Worte fehlen! (Noch heute Morgen wurde im Deutschlandfunk so getan, als ob man nicht ausmachen könne, wer die Verantwortlichen für den Brand des Gewerkschaftsgebäudes sind! Als ob es keine Videos des Geschehens gäbe!)

Nochmals vielen Dank für den Artikel, es ist gut zu wissen, dass man nicht alleine leiden muss...

gs-muc 05.05.2014 | 20:12

So weit ich nach Recherche die Sache in Odessa überblicke: 118 Tote, davon 5 Kinder. Die meisten Toten im Keller des Gewerkschaftsgebäudes mit Schussverletzungen. In den Stockwerken sind die toten ab der Hüfte bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Einige haben Schussverletzungen. So als ob die Menschen mit Brandbeschleuniger eingesprüht und dann angezündet wurden. Im dritten Stock des Gebäudes eine schwangerne Frau stehend, rückwärts an einen Schreibtisch gelehnt, vergewaltigt und erdrosselt. Die Polizei vesucht die Leichen im Keller verschwinden zu lassen. Insgesamt waren in Odessa 300 Personen vemisst. Ca 60 wurden von der Menge gestern befreit, einige vorher von der Polizei nach Kiev abtransportiert. Damit dürfte es sich beim fehlenden Rest um die Opfer handeln. Alles recherchierbar und mit Google übersetzbar. Der elende deutsche Berufsjournalismus hat sich nicht die Mühe gemacht. Meine Konsequenz: nie mehr einen Cent für "Qualitätsmedien"!

Reffke 06.05.2014 | 01:47

Gibt es etwa Direktiven "von ganz Oben", also vom Politbüro der ARD oder dem Zentralkommite des ZDF?

Die einseitige Berichterstattung der GEZ-Medien ist beklemmend und schockierend.

Ich bin entsetzt und zornig über das Versagen der Medien.

Desto mehr freue ich mich über den Mut des Freitag zur Kontoverse, vielen Dank und weiter so!

Wehrt euch, leistet Widerstand:

wo bleibt die einst mächtige Friedensbewegung???

Auch in den USA versagen die Medien fast gänzlich:

http://antikrieg.com/aktuell/2014_05_05_medien.htm

Lutherian 17.05.2014 | 20:27

Ein sehr wertvoller und informativer Beitrag.
Vielen Dank dafür!

Solche Artikel müssten für die breite Masse besser zugänglich werden, denn viele sind sehr unzufrieden mit dem, womit sie in den Mainstreammedien abgespeist werden.

@Hunter: Ja, die von der ZEIT haben wirklich den Vogel abgeschossen! Neben der hier schon zitierten unglaublichen Falsch- und Desinformation im Zeit-Artikel zum Massaker in Odessa, sowie dem unsäglichen "Wie Putin spaltet"-Artikel, vom stellv. Chefredakteur Bernd Ulrich, empfand ich vor allem auch den ZEIT-Artikel: "Je blasser der Westen, desto strahlender Putin" (von Michael Thumann) unter aller Kanone. Denn das ist nur noch billige, durchsichtige Polemik.

Für mich ist «Die ZEIT» seitdem perdue.

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Ehemaliger Nutzer 29.07.2014 | 10:27

http://mikle1.livejournal.com/4119395.html#t84650083

da sieht man Fotos von Opfern... während Umgebung erstaunlich wenig verbrannt ist, weisen Leichen am Oberkörper und Gesicht sowie Händen Verbrennungen auf... das spricht dafür, dass sie mit einem Brandmittel übergossen wurden und angezündet.. Benzin kann es kkaum so bewirken, das muss sowas wie Napalm sein, vor allem die Hände: die Opfer versuchten sich das Gesisdcht zu löschen und Napalm ging auf Hände, da er nicht löschbar ist...

Daher, es ist falsch von Verbrennung im Gebäude zu sprechen... gebäude ist riesig, sie könnten zu Flügeln laufen und dort in die fenster atmen.. Büros unverbrannt..

es war noch viel perfider: ein geplantes Massaker...

Klar ist, der Westen deckt es wie durch "zauberhand", die wohl nicht aus Kiev allein, sondern nur aus Washington so mächtig sein kann..