Richard Zietz
26.05.2014 | 14:59 42

Friedensbewegung – wie weiter?

Montagsdemos Der Zoff um die Montagsdemos hat zumindest eines zur Folge: Die Linke diskutiert wieder. Anlass zur Hoffnung? Eine neue APO in Sicht? Ein Überblick zum aktuellen Stand.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Richard Zietz

Nun ist sie also da, die Friedensbewegung. Oder, besser: eine. Richtig erwünscht ist sie allerdings nicht. Im Gegenteil: Das Montagsdemo-Spektrum, dass sich in den letzten zwei Monaten herausgebildet hat, weist in den Augen vieler Linker gefährliche Schlagseiten auf. Hochumstritten sind zum einen die Hauptprotagonisten – Lars Mährholz, Ken Jebsen und Jürgen Elsässer. Auch Teilnehmer, Programmatik und Ausrichtung gelten als hochdiffus, jedenfalls als stark optimierfähig. Linke Gretchenfrage seither: Ist dieses Spektrum – zumindest in seiner Gänze – darum auch gleich rechts, verschwörungstheoretisch, antisemitisch? Ein Fall somit für die antifaschistische Quarantänestation?

Deutsche neigen bekanntlich zur Gründlichkeit. Negativer formuliert: zum Rechthaben um des Rechthabens willen. Selbst dann, wenn die praktische Intelligenz dadurch bisweilen ins Hintertreffen gerät. So streitet die deutsche Linke über die Gesinnung der Montagsmahnwachler mittlerweile weitaus leidenschaftlicher als über den eigentlichen Anlass: die Eskalation in der Ukraine und den von NATO und EU forcierten neuen Kalten Krieg gegen Russland. Frage: Sind derartige Prioritäten weiterhin vermittelbar? Fügen sich – angesichts des Einklangs von Leitmedien und manchen DemokritikerInnen – nicht höchst sonderbare Allianzen zusammen? Und: Ist es nicht wichtiger, zu einer interventionsfähigen, breit aufgestellten Friedensbewegung zu kommen, als sich gegenseitig zu beharken? Antifa oder Antiwar – die Entscheidung ist akuell nicht ausgemacht. Allerdings: Der Klärungsprozess hat begonnen.

Leitmedien: Bekloppte & Spinnerdemos

Eine Frage, die man im Hinblick auf die Einschätzung der Montagsdemo-Bewegung schlecht umgehen kann, ist die Art und Weise der Mainstream-Berichterstattung über sie. Dass sich die – im Ukraine-Konflikt eh im Feindberichterstattungsmodus befindlichen – Leitmedien auch auf die Montagsmahnwachen einschliessen würden, war so sicher wie das Amen in der Kirche. So kam es dann auch. Dominierten bis in den April hinein eher kurze, allgemeine Infohäppchen, offerierten zwischenzeitlich fast alle irgendeinen größeren Beitrag – unter anderem: tagesschau.de, Deutschlandfunk, Zeit, Berliner Zeitung, Tagesspiegel,taz und dieFrankfurter Rundschau. Hauptkennzeichen der sogenannten Qualitätsmedien-Berichterstattung: ein stark selektiver, auf Negativaspekte geradezu fokussierter Blickwinkel, garniert mit viel Warnhinweisen. Selbst bei der Betitelung mochte man ohne warnend erhobenen Zeigefinger nur ungern auskommen. Die Zeit am 22. April: »Die ganz eigene Welt der Montagsdemonstranten«. Hauptfrage beim Tagesspiegel, 17. April: »Friedensaktivisten oder Verschwörungstheoretiker?« Die Berliner Zeitung schließlich nahm am 6. Mai die Friedensfreunde der Hauptstadt aufs Korn. Motto: Es gibt Wichtigeres; Frieden ist nur was für Weicheier. Auch bei der Headline kam Blockade- und Mauerbau-Feeling auf: »Hauptsache Weltfrieden«.

Was den klassischen Printmedien naturgemäss fehlt, sind die fetzigen Livebilder – sozusagen Vor-Ort-Aufnahmen der Irren, Fehlgeleiteten, auf Verschwörung Gedrehten. Zwei Beiträge, beide vom 19. Mai, bemühten sich, die Vorverurteilung mit knackigen Live-Movies zu untermauern. Bericht eins: das Feature »Ein bißchen Frieden«, vom 3sat-Magazin »Kulturzeit«. Roter bzw. brauner Faden auch hier: Neonazis, die bei einzelnen Montagsdemos gesichtet wurden, fragwürdige Internet-Connections des Mahnwachen-Begründers Lars Mährholz sowie weiterer O-Ton, welcher die rechte Gesinnung der Montagsdemontranten beweisen soll. Unterlegt ist das Feature schließlich mit einer getragen-düsteren Klaviermusik, die – man muß es zugeben – irgendwie ziemlich rechts klingt. Ähnlich gestrickt war auch das Spiegel-TV-Feature »Verschwörungstheoretiker: Montagsdemos in Berlin«. Besonderheit der Spiegel-TV-Sendung: Aufgrund der breit kritisierten Leitmedien-Berichterstattung kriegen die Beitragsmacher kaum noch einen Interviewpartner vor die Kamera. Ein Manko, dass im konkreten Fall durch die süffisant-herablassende Attitude kompensiert wurde, für die der Spiegel zwischenzeitlich berühmt ist. Resummée der Spiegel-TV-Macher: »Antiamerikanismus, Verschwörungstheorien und ein bißchen Frieden«, »Spinnerdemos« und Entwarnung für den gebildeten Otto Normalverbraucher. Der kann sich nach Konsum des Films beruhigt in seinem Edeldesignersessel entspannen. Denn: »Demokratie scheint in Berlin nur ein anderes Wort für Frust zu sein.«

Dass eine derart auf Vorverurteilung gebürstete Berichterstattung die Betroffenen nicht in Rage bringt, kann man eigentlich nur in den hermetisch abgeriegelten Raumschiff-Enterprise-Redaktionsstuben der Leitmedienmacher ernsthaft annehmen. Unter Kriegsvorbehalt steht mittlerweile auch die Satire – zumindest der öffentlich-rechtliche Teil davon. Am 2. Mai, zeitgleich zum bis dato schlimmsten Massaker im Ukraine-Konflikt, versendete das ZDF einem Beitrag auf unterstem Kalauer-Niwoh. Die Probleme der – auch angesichts von Dutzenden Verbrannter in Odessa, über die man sich andernorts ausschwieg – krampfhaft um Witzischkeit bemühten heute-Show vom 2. Mai waren ähnlich gelagert wie die der Spiegel-Leute: Angesichts der Berichterstattung hat kaum noch jemand Lust, mit Leitmedien-Vertretern zu reden. Schon gar nicht, wenn klar ist, dass er oder sie lediglich als personelle Staffage herhalten soll für müde Scherze. Ersatzhalber behalf sich die Satiresendung des Zweiten mit Lachern von der Konserve – doppelt peinlich, denn an einigen Stellen mochten die schallenden Lachsalven nicht so recht zur aktuell in Szene gesetzten Pointe passen. Feixendes Abschlussfazit von Showmoderator Welke, bezugnehmend auf die angeblich in den sozialen Medien kursierende Behauptung, das ZDF habe absichtlich Bekloppte als Gesprächspartner in Szene gesetzt: »Ich kann Ihnen versichern. Das war gar nicht nötig.«

Schön, wenn alle derart frank-unbeschwert vom Leder ziehen können. Leider ist dem nicht immer so. Laut einem Bericht des Online-Magazins Telepolis steht das Äquivalent zur heute-show, die preisgekrönte Satiresendung »Die Anstalt«, zwischenzeitlich unter Attacke. Anlass: die Sendung vom 29. April, die unter anderem Lobby-Verflechtungen im deutschen Spitzenjournalismus kritisch aufs Korn nahm – einen Umstand, den viele mittlerweile als Mitursache sehen für die regierungsnah-einseitige, »eingebettete« Leitmedien-Berichterstattung im Ukraine-Konflikt. Folge, so der Telepolis-Artikel: eine Beschwerde des Zeit-Herausgebers Josef Joffe beim ZDF sowie eine Unterlassungserklärung, welche der »Anstalt«-Redaktion zwischenzeitlich zugegangen sei. Fazit: Die »Anstalt« wird die beschriebenen Deckelungsversuche zwar sicher überstehen. Der Vorfall verdeutlicht allerdings, wie breit gestreut in Deutschland mittlerweile zweierlei Maß zur Anwendung kommt – und wie groß die Kluft zwischen Politik- und Medien-Eliten auf der einen Seite und »dem Volk« auf der anderen zwischenzeitlich ist. Last but not least: Ein Vorfall, den sicher auch viele derjenigen, die um den Frieden besorgt sind, aufmerksam registriert haben. Wenn das Kabaret schon zu kämpfen hat, dann ist ganz sicher einiges faul im Staate Dänemark.

Antifa statt Antiwar, oder: Spalten statt versöhnen

Ein herausragendes Moment im Prozess der Montagsdemos-Vorverurteilung war ein Auftritt der Frankfurter Ökolinken und Antifa-Aktivistin Jutta Ditfurth im 3sat-Magazin »Kulturzeit« Mitte April. Fragwürdig bis grenzwertig war hier weniger die Kritik als solche, sondern der Ort sowie die Art und Weise, wie sie artikuliert wurde. Fakt war zum einen, dass Ditfurth in der Sendung explizit den Schulterschluss vollzog mit jenen Mainstreammedien, die sich aufgrund ihrer einseitigen Berichterstattung eigentlich disqualifiziert hatten. Ebenfalls grenzwertig war jedoch ein zweiter Punkt: die begründungslose, auf medial möglichst wirksame Diskreditierung setzende Form, mit der einzelne Leute sowie eine gesamte Bewegung abqualifiziert wurden. Beide Begleitfaktoren hatten ihre – möglicherweise intendierten – Konsequenzen. Extensiv als Kampagnenverstärker fungiert derzeit Ditfurths Facebook-Seite. Die unterstelllte rechtsradikale, völkischesoterische, antisemitische Ausrichtung der Montagsdemos ist dort seit zwei Monaten zentrales – man möchte fast sagen: ausschließliches – Agitationsthema. Inhaltliche Sachargumente finden sich dort allerdings wenig. »Aluhut-für-Ken«-Kampagne, von Buchwerbung unterbrochene Infoschnipsel, Mitteilungen und Polemiken – die Seite fungiert in der Praxis fast ausschließlich als Bashing-Seite. Effekt, ob intendiert oder nicht: das Erzeugen einer möglichst starken Polarisierung.

Die hat, wenn man so will, zwischenzeitlich Siedetemperaturen erreicht. Jürgen Elsässer, von Ditfurth in besagtem 3sat-Magazin als »glühender Antisemit« und »Schwulenhasser« charakterisiert, hat eine Klage gegen die Frankfurter Ökolinke angekündigt. Details und Hintergründe dazu liefert unter anderem ein Bericht des Online-Magazins Ruhrbarone. Peinlich, überheblich oder einfach unprofessionell? Mit Post vom 21. Mai rief Ditfurth ihre Facebook-Sympathisanten dazu auf, ihr Material zukommen zu lassen – Material, welches Elsässers Antisemitismus belegen soll. Eine Aktion, welche die Vermutung, dass es der Frankfurter Ökolinken hauptsächlich um Diskreditierung unliebsamer Positionen geht und weniger um die Fakten, geradezu zwangsläufig verstärken muß. Der Eindruck von verlorener Bodenhaftung, Missionsmodus, Tunnelblick und personalisierend-eskalierendem Personenbashing hat sich seit Beginn der Anti-Montagsdemo-Kampagne stetig verstärkt. Neu aufgemachter Schauplatz im verbalen Pingpongabtausch: Twitter. Für Ditfurth am Start: #teamjutta. Zwischenzeitlich ebenfalls in der Twittersphäre aktiv: #teamgoebbels und #teamhimmler. Selbstverständnis im Lager #teamjutta: Wir sind die Guten. Denn, so ein Posting: »Jürgen Elsässer ist übrigens ein glühender Antisemit und sondert auch sonst nur Müll ab.«

Ditfurths Auseinandersetzung mit Elsässer, Jebsen & Co. mag zwar (unfreiwillig) komische Komponenten mit enthalten. Doch auch bei Auseinandersetzungen mit gleich oder ähnlich Gesinnten lässt die Frankfurter Ökolinke regelmässig jegliches Augenmaß außer Betracht. Der Zweck, die Mission – heiligen sie alle Mittel? Beispiel Facebook-Eintrag am 28. April zu Florian Kirner aka Prinz Chaos II. Der war am selben Tag auf der Berliner Montagsdemo aufgetreten und hatte dort einen solidarisch-kritischen Redebeitrag gehalten. FB-Statement Ditfurth: »(…) Florian nannte ausschließlich die Homophobie als Problem, das er bisher mit den ›Montagsdemos‹ gehabt habe. Nicht den Antisemitismus, nicht das Völkische, nicht das Verschwörungsideologische.« Sicher nicht gerichtsnotorisch, allerdings doch in die Welt gesetzt: der Verdacht, Kirner nehme es – wer weiß, warum? – mit der Antisemitismus-Verurteilung nicht so ernst. Man kann das als völlig überzogene, sinnlose Dreckkübelei bezeichnen. Vielleicht auch mit dem Argument rechtfertigen, dass beim Hobeln eben Späne anfallen. Zur ganzen Geschichte gehört allerdings der Hintergrund, dass Kirner – als Betreiber eines alternativen Wohn- und Kulturprojekts in Süddthüringen – über Jahre von Neonazis attackiert wurde: sowohl verbal als auch physisch. Solidarität – für die prominente Medienlinke Jutta Ditfurth offensichtlich eine Einbahnstraße, etwas, was grundsätzlich nur ihr zuteil werden kann. Im Duktus der Soli-Teams auf Twitter könnte man die Nazi-Attacken gegen Kirner etwa mit folgenden Worten auf den Punkt bringen: »Nazis attackierten Antisemit.«

Leider ist das Kirner-Bashing kein Einzelfall. Auch sonst bringt die Frankfurter Autorin politisch Mißliebige gern in Verbindung mit braunem Gedankengut. Ein weiteres Beispiel auf Ditfurths Facebook-Seite: die beiden Linken-Politiker Diether Dehm und Wolfgang Gehrcke. Ein Verweis, kombiniert mit dem Kommentar »›Linke‹ wie Diether Dehm und Wolfgang Gehrcke, die Neurechte Demos unterstützen, (…)« vom 18. Mai erweckt den Eindruck, Dehm und Gehrcke wären unmittelbar verwickelt in die neonazistischen Himmelfahrts-Ausschreitungen vor 20 Jahren, um die es in dem verlinkten Indymedia-Artikel geht. In besagtem Indymedia-Beitrag ist von Dehm und Gehrcke allerdings weit und breit nicht die Rede – lediglich von einem AfD-Kandidaten, der in dem Ditfurth-Post mit aufgeführt wird und dessen politischem Vorleben der Artikel etwas auf den Grund geht. Fazit: Sicher hat das Engagement von Jutta Ditfurth seine guten Seiten. Selbst ein Attackierter wie Ken Jebsen hat diese in einer seiner Montagsdemo-Reden explizit anerkannt. Allerdings: Dass diese Form von Polarisierung das Kind mit dem Bade ausschüttet, menschlich gesehen sehr fragwürdige Komponenten beinhaltet und politisch über kurz oder lang ins Abseits führt, liegt auf der Hand. Die Tageszeitung Neues Deutschland brachte Verdienste und Probleme des Ditfurthschen Aktionismus mit folgenden Worten auf den Punkt: vermutlich unverzichtbarer Eifer beim Aufspüren rechter Unterwanderung, allerdings ein Moment, dass politische Koalitionen kompliziert mache.

Montagsdemos: Pro und Contra

Stil und Auseinandersetzungsformen mögen Geschmackssache sein. In der Praxis jedoch wird die ablehnende Haltung von Ditfurth von vielen geteilt. Laut Angabe auf ihrer FB-Seite lehnte der ehemalige Linkspartei-Chef Gregor Gysi zwar einen Auftritt auf der Berliner Montagsdemo ab. Allerdings sprach er dann – so ein Artikel der Berliner Zeitung – Mitte Mai auf der Friedensmahnwache in Magdeburg. Auch auf der Ebene der Organisationen haben die Kontroversen zwischenzeitlich eingesetzt. Eindeutige Kontra-Stellungnahmen gab es bislang von Attac (»Attac warnt vor rechten Montagsdemonstrationen«) sowie von der Kooperation für den Frieden – dem bundesweiten Aktionsbündnis der klassischen Friedensbewegung. Die Attac-Erklärung vom 17. April beinhaltete im Wesentlichen die auch von Ditfurth vorgetragenen Kritikpunkte – insbesondere die Fokussierung auf die amerikanische Federal Reserve sowie das Kokettieren mit Begriffen wie »Zinsknechtschaft« und anderen Versatzstücken aus der Kiste des NSDAP-Wirtschaftsprogrammschreibers Gottfried Feder. Die Erklärung der Kooperation für den Frieden vom 10. April ist ausrichtungstechnisch ähnlich gehalten. Eindeutig gegen die Montagsdemo-Bewegung positioniert hat sich darüber hinaus auch Anetta Kahane, Mitbegründerin der Amadeu Antonio Stiftung. In einem Beitrag in der Frankfurter Rundschau vom 27. April kritisierte sie die antisemitische Ausrichtung der Mahnwachen sowie das Querfront-Konzept, welches diesen zugrunde liege. Hinzu komme, so Kahane, eine einseitige Russlandbevorzugung sowie ein Sammelsurium unterschiedlichster Verschwörungstheorien.

Auch bei weniger auf entschiedenes Kontra Festgelegten sind die Blicke auf die Montagsdemo-Bewegung meist kritisch. Hauptknackpunkt hier ist vor allem die Frage, ob oder inwieweit man sich mit ihr vernünftigerweise ins Vernehmen setzen sollte. Vorschläge für eine pragmatischere Herangehensweise kommen vor allem aus zwei Ecken – von politisch engagierten Musikern und aus dem Umkreis politisch linker, globalisierungskritischer Organisationen. Der Auftritt von Florian Kirner auf der Berliner Montagsdemo am 28. April hat sicher mit dazu beigetragen, Berührungsängste abzubauen. Darüber hinaus plädierte Kirner auch in einem Blogbeitrag im Webmagazin von Konstantin Wecker für ein kritisches Sich-Einlassen auf diese Bewegung. In einem weiteren Beitrag im Neuen Deutschland reflektierte er die Beweggründe, welche ihn zu seiner Haltung kommen ließen. Eine ähnlich entkrampfte Sichtweise befürwortet der HipHop-Musiker Kaveh. Liedermacher Konstantin Wecker hat sich in die Diskussion ebenfalls eingeschaltet. Auch Wecker sieht bei den Montagsdemos Licht und Schatten. In einem Statement für eine machtvolle Friedensbewegung ohne Antisemitismus plädiert er nichtsdestotrotz für ein Aufeinander-Zugehen ohne falsche Scheuklappen. Allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung: Rechtem Gedankengut sowie Antisemitismus müsse, so Wecker, ein klarer Riegel vorgeschoben werden.

Im Sinn der Einheit der Friedenskräfte äußerten sich zwischenzeitlich auch andere Personen des öffentlichen Lebens. Prof. Mohssen Massarrat, Iran-Exilant und Alt-68er, etwa sprach sich in einem »Brief an die führenden Persönlichkeiten der Friedensbewegung« entschieden gegen eine Vorverurteilung der Montagsdemonstranten aus. Stattdessen solle man sich, um ein öffentlichkeitswirksames Zeichen zu setzen, zusammenraufen und möglichst schnell eine Großdemonstration auf die Beine stellen. Evelyn Hecht-Galinski schließlich, Tochter von Heinz Galinski, attackierte mit scharfen Worten die Berichterstattung der offiziellen Medien – insbesondere die ihrer Meinung nach stark unfairen Attacken gegen Ken Jebsen. Einen ähnlichen Weg wie Florian Kirner hat auch er ehemalige Attac-Aktivist Pedram Shahyar eingeschlagen. Shahyar sprach auf der Berliner Montagsdemo, ließ sich von KenFM interviewen und vertrat auch in einem Interview in der taz Anfang Mai ein engeres Zusammenagieren von Linken und Montagsdemo-Teilnehmern.

In der Linkspartei sowie in linken und globalisierungskritischen Gruppen melden sich zwischenzeitlich ebenfalls mehr Stimmen zu Wort, die eine engere Zusammenarbeit befürworten. Personell am breitesten grundiert ist derzeit wohl ein von dem Linkspartei-MdB Andrej Hunke mitinitiierter Aufruf. Titel: »Für eine solidarische Auseinandersetzung mit den Montagsmahnwachen«. Unterzeichner, bislang: eine Handvoll Bundes- und Landtagsabgeordnete der Linkspartei, einige Mitglieder von Attac und der Interventionistischen Linken (IL), darüber hinaus Einzelpersonen aus dem Umfeld von DFG/VK und Bürgerinitiativen sowie, als prominenter Einzelunterstützer, Prof. Mohssen Massarrat. Tenor des Aufrufs: Kritik an der Anschauung, dass es sich bei der Montagsdemo-Bewegung im Kern um eine neurechte Bewegung handele, die Anerkennung von Widersprüchlichkeiten innerhalb von Bewegungen sowie die Aufforderung, auf konstruktive Weise die Debatte zu suchen. Über besagten Aufruf hinaus geht eigenen Angaben zufolge eine Stellungnahme der beiden Linkspartei-Mitglieder Diether Dehm und Wolfgang Gehrcke. Einerseits teilen Dehm und Gehrcke zwar die Ausrichtung des Appells von Hunke & Co. Darüber hinaus halten sie jedoch eine stärkere Fokussierung ökonomischer Ursachen für erforderlich. Hinzukommen müsse, so Gehrcke und Dehm, ein Gegengewicht gegen den aktuell stark präsenten Antirussizismus.

Friedensbewegung im Klärprozess

Zweifelsohne steckt die Friedensbewegung mittendrin – im Klärungsprozess. Ein auch nur halbwegs vollständiges Bild ist an der Stelle unmöglich. Pluralistische, kontroverse Beiträge nicht scheuende Berichterstattung liefert vor allem die der Linkspartei nahestehende Tageszeitung Neues Deutschland. Ein Beitrag vom 22. Mai widmete sich explizit dem aktuell stattfindenden Klärungsprozess. Einen eher Montagsdemo-kritischen Beitrag brachte das ND am 14. Mai. Autor: Stephan Lindner, über Jahre im Attac-Koordinierungskreis aktiv. Bezugnehmend auf die Mahnwachen, hatte Beitragsautor Tobias Riegel drei Wochen zuvor dafür plädiert, die Kritik an der aktuellen US-Politik nicht allein den Rechten zu überlassen. Am 21. Mai schliesslich widmete sich ND-Mitarbeiter Jürgen Reents dem Thema mediale Mobilmacher im grün-alternativen Milieu – respektive dem Schwenk der Grünen Partei in das Lager der Kriseneskalateure.

Die innerlinke Diskussion mag helfen, handlungstechnisch zu einem modus vivendi zu kommen. Feinzeichnung fehlt ihr allerdings immer noch. Vor allem da, wo es darauf ankäme, besser zu verstehen, aus welchen Motiven heraus die Montagsmahnwachen entstanden sind und welche Motive ihre Teilnehmer und Teilnehmerinnen umtreiben. Ein stärker in die Tiefe gehendes Spotlight auf die Szene wirft der publikative.org-Autor Patrick Gensing, der unter anderen auch für tagesschau.de schreibt. Ein wesentliches Moment für das Zusammenkommen der neuen, oft diffusen, verschwörungstheoretisch angehauchten Protestbewegungen sei, so Gensing, das Netz, beziehungsweise die dort gängigen Kommunikationsformen. Reflektierte Beiträge findet man allerdings auch in den Blogs und Foren der Szene selbst. Beispiel: der Beitrag »Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit der Anti-Friedensbewegung: Gedanken zur Europawahl«, verfasst von einem Autor, der sich – omen est nomen? – Eifelphilosoph nennt. Vordergründig eine andere Baustelle: die Antifa. In einem taz-Interview vom April beschreiben zwei Antifa-Aktivisten die Veränderungen im Bereich Themen & Prioritäten seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008. Vordergründig hat das zwar wenig mit der aktuellen Friedensbewegung zu tun. Die angerissenen Thematiken zeigen allerdings sehr gut auf, wie sich Veränderungen, quasi in einem System kommunizierender Röhren, entwickeln.

Last but not least: Im Spektrum der Montagsmahnwachen findet derzeit ebenfalls ein Klärungsprozess statt. Spektakulärer Höhepunkt: die Spaltung der Erfurter Montagsdemo. Nachdem ein stärker links orientierter Teil der Organisatoren von stärker auf das unpolitisch-offene Berliner Original fixierten »Zentralisten« herausgedrängt worden war, kündigten die Linken Widerstand an. Hauptstreitpunkt in Erfurt: ein geplanter Auftritt von Jürgen Elsässer, dessen Position auch im Montagsdemo-Spektrum zwischenzeitlich immer umstrittener wird. Grund: auf konservative Werte ausgerichtete, teils mit homophoben Formulierungen gekoppelte Beiträge in Elsässers Magazin Compact. Einige Organisatoren und Aktive sehen mittlerweile den Bogen überspannt. Ein Positionspapier von Pedram Shahyar (»Für einen humanistischen Grundkonsens!«) setzt sich kritisch mit Elsässers Rolle in der Montagsdemo-Bewegung auseinander. Unterzeichner: Lea Frings, Ken Jebsen, Marsili Cronberg, Pedram Shahyar, Prinz Chaos II. (Florian Kirner), Rüdiger Lenz und Stephan Bartunek.

Möglich, dass es doch noch was wird mit der Friedensbewegung. Voraussetzung: die Eliten forcieren weiter den eingeschlagenen Anti-Russland-Kurs, und auch die Leitmedien bleiben dem eingeschlagenen Propagandakurs treu. Doch selbst, wenn nicht: Baustellen, auf denen linke Einmischungen nötig wären, finden sich – Stichworte: Schere zwischen Reich und Arm, EU-Krise sowie das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP – derzeit zuhauf.

INVOLVIERTE:

#teamjutta

#teamjuergen

#teamneutral

Dank an der Stelle vor allem Uli und Bernd, deren Anregungen in Bezug auf den einschätzungstechnischen Teil des Artikels recht hilfreich waren.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (42)

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Ehemaliger Nutzer 26.05.2014 | 17:14

Na ja.

Reflektierte Beiträge findet man allerdings auch in den Blogs und Foren der Szene selbst. Beispiel: der Beitrag ... verfasst von einem Autor, der sich – omen est nomen? – Eifelphilosoph nennt.

Dort findet sich ein Satz und es ist nicht der Einzige, wo die Argumentation in arge Schieflage gerät:

"Die ersten Opfer waren “Hexen”, danach folgten “Kommunisten”, später dann “Juden”. Alles im Prinzip feine Menschen – wenn man nur mal MIT ihnen geredet hätte, anstatt ÜBER sie."

Was ist mit denen, die sich beim Miteinadnerreden als "unfeine Menschen" herausstellen, darf man die dann zu recht ...?

Der Mensch, der im blog seine Gedanken zur Europawahl ausbreitet, mag aus der Efel sein, aber ob er ein Filosof ist?

ebertus 26.05.2014 | 22:10

Ja, hier nun kurz das/mein Resümee der heutigen Berliner Montagsdemo, soweit und gar in Begleitung erlebt, anregende Gespräche am Rande eingeschlossen.

Es ist, gerade vom Publikum her weitgehend ein Déjà-vu meiner Zeit mit den frühen Grünen; viele junge Leute, viele Frauen und schon mal ganz locker auf Decken etc. lagernd, teilnehmend eine distanzierte Sympathie signalisierend.

Eben keine Sportpalast-Atmosphäre...

In Erinnerung des heutigen Abends bleibt diese von einer jungen Frau vorgebrachte, die Audience im Refrain einbeziehende "Da gibt es nur eins!" Rezitation des bekannten Stückes von Wolfgang Borchert. Als aktualisierte, die politischen Gegebenheiten einbeziehende Version, versteht sich!

Die Unterschiede vielleicht, um nochmal auf die frühen Grünen zurück zu kommen, sie liegen aus meiner Sicht weniger in den vorgebrachten Inhalten, denn im begleitenden Tenor des politisch-medialen Mainstream. Er war in der 70ern noch nicht so informell einstimmig intoniert, wie es heute der explizit zu erkennende Fall ist.

Einem Holger Börner (SPD), der die grünen Chaoten damals gern mit der Dachlatte verkloppen wollte, dem wurde durchaus Kontra gegeben; heute wäre er wohl der großmediale Fels in der Brandung gegen die neurechte Überflutung.

Und das gar noch als retrospektive Ironie am Rande, so hatte sich die SPD zu Börners Zeiten gerade mühsam vom Vorwurf der 5. Kolonne Moskaus ein Stück weit frei gemacht.

M.Kanter 26.05.2014 | 23:36

Nach dem der Freitag am Anfang eine Bühne für die dümmste Hetze bot danke ich für die ausführliche Darstellung.Michael Freitag von der Leipziger Online Zeitung sollte noch erwähnt werden, weil er einer der ersten Autoren war, der differenziert über die neuen Montagsdemos berichtete .Mit der Netzaktivität sprechen wir schon von einer Bewegung die an die 100000 Menschen politisiert hat ,jenseits alter geübter Lager.Wenn etwas immer wieder zu hören ist dann das die Redner zum ersten mal auf einer Demo reden oder sogar sind. Was das bedeutet, fehlt mir noch etwas im Kontext der Berichterstattung.Wie die Heute Show das gemacht hat ,passiert denen nich zufällig und eine Moderatorin sagt auch nicht zufällig das tausende Menschen einen "Hau" haben.Ist der gesamten Presse das politische Gespür abhanden gekommen oder was ist da los?????

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Ehemaliger Nutzer 27.05.2014 | 10:50

Richtig: Der Spon-TV-Beitrag über die Montagsdemos war panne, aber Spon ist generell panne, insofern ist das keine Erwähnung wert. Leider ist Richard Zeitz vom Spon-Niveau nicht weit entfernt, auch wenn er sich mehr Mühe gibt.

1. Er erkennt beispielsweise nicht, dass die Montagsdemos von Anfang an rechts dominiert waren. Die AfD ist begeistert dabei, die NPD auch. Es wäre das mindestete, Nazis Platzverbot zu erteilen, aber das kriegen die nirgendwo hin. Mährholz kann man als völlig uninformiert und überfordert betrachten, doch das entlässt ihn nicht aus seiner Verantwortung. Mährholz propagiert auf seiner Website nach wie vor die rechtsextremen Reichsbürger, war bis zur Öffentlichmachung Mitglied der Pro-Köln-Gruppe bei Facebook, ist dort mit aktiven Pro-Köln-Leuten befreundet und bekräftigte nach Kritik seine Aussage, wonach die Fed auch für den 2. WK verantwortlich ist. Sein Kumpel Ralf Schurig aus Aachen ist rechter Esoteriker und überzeugter Antisemit. Das gleiche gilt für Jebsen. Davon abgesehen sind diese Leute in erster Linie Egozentriker. Das sollte einem selbsternannten Linken als Basis für das Urteil eigentlich reichen. Zeitz reicht es nicht und verharmlost damit Rechtsradikalismus.

2. Ditfurth kann sicher nerven. Aber sie hat bei den Montagsdemos eine absolut notwendige Aufklärungsarbeit geleistet und wurde dafür runtergeputzt. Nun also auch vom Freitag. Tolle Leistung, wenn sich ein angeblich linkes Medium für Querfrontler stark macht und Aufklärer wie Ditfurth als peinlich und überheblich bezeichnet und sich in dem Zusammenhang allen Ernstes auf die Seite des Antisemiten und Schwulenhassers Elsässer stellt.

3. Elsässer ist umstritten? Na, sowas. Tatsache ist: Es gibt keine ernstzunehmende Distanzierung von ihm. Im Gegenteil. Mährholz hat Erfurt von der Liste gestrichen und dort einen neuen obskuren und gewalttätigen Chef eingesetzt, der als erste Amtshandlung Elsässer eingeladen hat. So sieht für Zeitz also Distanzierung aus. Und Zeitz behauptet ernsthaft, dass die bisherige Montagsdemo in Erfurt "links" war und die jetztige "unpolitisch". Gehts noch? Das verrät viel über den eigenen Standpunkt. Dazu kommt: Mährholz tritt mit Olav Müller aus Offenbach auf, dieser organisiert die Demos in Frankfurt. Müller ist SPD-Funktionär und rechtsgestrickt. Das scheint Mährholz nicht zu stören, die Linken und Piraten in Erfurt aber schon.

Die Hauptfiguren sind durchweg rechts, das ist mittlerweile tausendfach belegt und seit Monaten bekannt. So langsam sollte das auffallen. Wem es nicht auffällt, so wie das bei Zeitz der Fall ist, muss sich den Vorwurf der Förderung rechter und rechtsradikaler Strukturen gefallen lassen.

4. Shayar, Dehm, Gehrcke, Kirner und andere: Diese Leute sind so hippelig, dass sie meinen, sie müssten überall dabei sein, wenn sich ein paar Leute auf die Straße stellen und so tun, als seien sie bewegt. Die vier Genannten waren und sind zu keiner sinnvollen politischen Analyse fähig, die hängen selbst viel zu sehr drin. Vermutlich auch Egozentriker, das verbindet sie mit Elsässer.

5. Das sinnvollste wäre es, diese Demos zu ignorieren, dann würde denen schnell die Luft ausgehen. Stattdessen werden sie aufmerksamkeitsökonomisch gehypt. Shayar und die anderen sind nützliche Idioten von Rechten und Rechtsextremen. Diese Montagsleute sind politisch und zahlenmäßig irrelevant. Tausend in Berlin, in den anderen Städten selten mehr als fünfzig. Verschwörungstheoretiker, sonst nichts.

Aber um Missverständnisse vorzubeugen: Niemand und auch nicht ich bezeichnet jeden Demonstranten dort als rechts. Viele davon sind ahnungslos und haben ein dumpfes Missgefühl gegenüber den herrschenden Zuständen, ohne die artikulieren zu können. Sie sind das Produkt neoliberaler Verwirrung, das ist kein Wunder und das sind die Verhältnisse. Die müsste man ansprechen sicher, aber nicht mit Mährholz und den anderen Kameraden.

Das ist das Problem beim Freitag: Es schreiben hier zu viele Leute, die politisch keine Ahnung haben. Der Freitag taugt in Teilen nicht als Informationsmedium, sondern lässt Praktikanten plappern, die selbst erstmal Medien zur Information brauchten. Leitmedium? Ich lach mich schlapp.

Hintergründe:

http://exportabel.wordpress.com/2014/05/08/ken-jebsen-scheiss-demokratie/

http://exportabel.wordpress.com/2014/04/18/ken-jebsen-und-die-nazis/

http://exportabel.wordpress.com/2014/04/16/montagsdemos-rechte-menschenfanger/

Daniel Domeinski 27.05.2014 | 12:05

Der absolute Oberburner ist, wie zu erwarten der Beitrag von Ivo Bozic, dessen Pamphlete auch gerne von achgut veröffentlicht werden. Dort heißt es:

"Dieser bruchstückhafte historische Abriss vor allem deutscher Querfronten zeigt, wie dehnbar die Begriffe »links« und »rechts« sind. Diese Erfahrung machen umgekehrt auch antideutsche Linke zuweilen, wenn sie sich in außenpolitischen Fragen, etwa in Sachen Israel, Syrien oder Iran, häufiger an der Seite rechter Think Tanks wiederfinden als an der Seite der vermeintlichen Lin­ken. »Querfronten« sind bei vielen Themen grund­sätzlich nicht vermeidbar, alles andere wäre ein Ausdruck ideologischer Verbohrtheit. Nicht die Frage, ob die reine linke Lehre durch Bündnisse mit Rechten beschmutzt wird, zählt, sondern schlicht, welche Inhalte jeweils vertreten werden. "

Soll wohl heißen: Wenn "Antideutsche" sich als IMs des State Departments geben, US-Präsidenten und israelische Premiers als "praktische Antifaschistischen" feiern, dann stimmt der Inhalt ("Wir im Westen sind die Guten") und "Querfront" ist okay.

Der Kommentar wurde versteckt
Trecker 27.05.2014 | 17:01

Schön ausführlicher Artikel, der mal nicht so einseitig polarisiert.

Ich selbst war einmal in Berlin und mehrmals in Halle dabei. Ich habe noch keinen "Neurechten" und erst recht keinen einzigen "Antisemiten" dort gefunden. Falls irgendwann mal einer auftaucht, schicke ich Ihnen den gerne vorbei, aber da wären die Antifa eh schneller, die lauern am Rand ja nur darauf, dass so etwas mal passiert.

Die Wahrheit ist, dass die Leute, die ich kennen gelernt habe, die Ursachen der Kriege hinterfragen und festgestellt haben, dass es politische und ökonomische Gründe dafür gibt und dass Energie- und Rüstungskonzerne mit ihren Lobbyisten genauso beteiligt sind, wie die Finanzinstituten, die in diesen Konzernen ihr Kapital "investiert" haben. Sie haben den Imperialimus erkannt und finden ihn im Augenblick am Beispiel der Ukraine genauso abscheulich, wie kürzlich in Syrien, Libyen oder Irak.

Eigentlich ist das ein Thema der Linken und daher hätten wir alle erwartet, dass sie sich uns anschließen, anstelle dessen fallen sie über die Unerfahrenheit der Organisatoren her, die weder Wirtschaft, Geschichte noch Politik studiert haben und daher manchmal vereinfachen und in politische Fettnäpfchen treten.

Als Volkswirt finde ich es schrecklich, wenn ich nicht den Namen FED erwähnen darf, ohne dass einer mit rassistischen Schemen im Kopf anfängt zu schreien, ich hätte damit eine Religion gemeint. Wie absurd und dümmlich ist das, wenn man mal das Licht einschaltet?

Ich jedenfalls werden jedem helfen, der für Frieden eintritt und eine Friedensdemo der Linken, der Antifa oder von Attac kann ich nicht finden, außer den üblichen Ostermärschen. Jetzt noch gegen die wirklich Mutigen und Aktiven zu hetzen ist derart heuchlerisch, dass ich völlig erschüttert war, als jemand, der die Linken regelmäßig gewählt hat und jetzt unheimlich vor den Kopf gestoßen wurde.

ebertus 27.05.2014 | 18:25

"...wenn man mal das Licht einschaltet?"

Das ist in dem Zusammenhang gefälligst zu unterlassen, geht es ja gerade und bewußt um eine sehr diffus gehaltene Diffamierungsstrategie, die schlimmstenfalls aus der gnädigen Anonymität heraus konkret, sprich: möglicherweise rechtsrelevant agiert.

Im Grunde selbstverständlich, wenn von mir Politiker, Banker, Unternehmer etc. kritisiert werden, dann wegen deren realweltlichem Handeln. Welcher Religion diese Menschen angehören (ob überhaupt einer), das ist mir in der Regel weder bekannt noch mache ich mir darüber auch nur die geringsten Gedanken.

Aber genau das wird ja nun mittlerweile großmedial, gar staatsräsonal gefordert, werden Tabuzonen errichtet, politisch korrekte Sprachregelungen vorgegeben und feiert Moshe Zuckermanns "Antisemit! - Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument" beinahe täglich und sehr freudig Urständ.

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Ehemaliger Nutzer 27.05.2014 | 18:59

Wenn man mal das Licht ausschaltet, dann wird es finster. Außer es ist Tag. Aber selbst da bleibt es für manche im Dunkeln.

Wenn ich Fedups Link zum "offenen Brief" an Frau Ditfurth foigt, dann erleuchtet sich alles. Ohne Tabuzonen - aber mit russischen Radpanzern auf mitteleuropäischen Wegen.

Vielleicht möcht's ja einer melden. Aber stehen bleiben soll es. Zietz dem Vielgelobten, Sozialisten, Popfanatiker usw. ist eh schon alles wurscht.

Oberham 27.05.2014 | 20:55

.... würde mich brennend interessieren, wer von Euch dieses NEIN endlich sagt! (>Ich forder das hier seit drei Jahren - so alle zwei Tage einmal..... - den Borchert hab ich neben vielen anderen auch schon bemüht.....)

Doch der Demonstrant plärrt in der Freizeit und dient in der Arbeitszeit................... - tja - so wird das nix - und jetzt geht es ja bald nur noch darum wer ein guter- und wer ein böser Plärrmeister ist - dabei sind die Plärrmeister auf den Podien ja bei der Arbeit - die sind ja Berufsaufgeklärte - allerdings mit einem meist sehr ausgeprägtem Konsumbeitrag.

Es scheint, als spuckte der gemeine empörte Bürger zwar in die als widerlich erkannte Suppe, doch er schlürft weiter brav dieselbe aus.

Empörung alleine genügt nicht, man muss auch NEIN sagen und entsprechend handeln!

Generalstreik sofort - alles andere könnt ihr als Freizeitidiotie abtun!

ebertus 27.05.2014 | 21:46

"Generalstreik sofort"

Einige Jahrzehnte jünger wäre ich möglicherweise sofort dabei. Dann war -und wohl nicht nur für mich- jedoch immer wieder zu lernen, dass frontales Anrennen gegen die Macht eher selten erfolgreich ist.

Durch meine vielen Kontakte in die ehemalige DDR habe ich dann gelernt, dass passiver Widerstand wesentlich erfolgreicher sein kann, es jedoch revolutionärer Geduld bedarf. Im Klartext:

Die nach meinem Eindruck dort existierende Parallelgesellschaft und weit über die materielle Nachbarschaftshilfe hinaus, die der Macht nur soviel gibt, wie unter Vermeidung realer Sanktionen unbedingt nötig ist, die staatsnahen Institutionen, Medien, Lehrern, Vorgesetzten etc. bestenfalls mit formaler Kenntnisnahme begegnet und ansonsten ihre eigene, interne Kommunikation ausformuliert, ihre Vertrauensverhältnisse lebt, diese Parallelgesellschaft muss sich aktuell und ggf. als Multitude (Negri) erst einmal finden.

Das kann dauern, über möglicherweise über den mir verbleibenden Lebenshorizont hinaus; so what...

Thomas Anderson 28.05.2014 | 06:31

Und da ist es wieder...

Hochumstritten sind zum einen die Hauptprotagonisten – Lars Mährholz, Ken Jebsen und Jürgen Elsässer

Wie können Ken Jebsen und Jürgen Elsässer Hauptprotagonisten sein?

Ken Jebsen hat bei 5 von 10 Mahnwachen in Berlin gesprochen.

Jürgen Elsässer bis gestern 1x in Berlin – von 10 Mahnwachen...

Hauptstreitpunkt in Erfurt: ein geplanter Auftritt von Jürgen Elsässer, dessen Position auch im Montagsdemo-Spektrum zwischenzeitlich immer umstrittener wird

4. April 2014

http://juergenelsaesser.wordpress.com/2014/04/04/montagsdemo-ladt-elsasser-aus-auf-druck-der-antifa/

Wie kann er umstritten oder unumstritten sein, wenn Er kaum anwesend ist?

Nur weil nun ein paar Leute meinen irgendwelche Briefe im Sinne der Bewegung zu schreiben, wird eine Person nicht weniger umstritten. Ich möchte keine Lanze für Elsässer brechen, aber man sollte die Kirche bei aller Kritik von den Kritikern schon im Dorf lassen.

Linke Gretchenfrage seither: Ist dieses Spektrum – zumindest in seiner Gänze – darum auch gleich rechts, verschwörungstheoretisch, antisemitisch

Die Gretchenfrage schien doch schon längst von Ihrer Seite beantwortet zu sein, oder wie soll man die folgenden Artikel verstehen?

14 April 2014

http://www.freitag.de/autoren/marcushennemann/warum-man-nicht-auf-die-montagsdemo-geht

21 April 2014

http://www.freitag.de/autoren/maennlicherlinker/showdown-der-friedensfreunde

www.freitag.de/autoren/andreas-hallaschka/friedensdemo-sorgt-fuer-unfrieden-1

Ist es nicht wichtiger, zu einer interventionsfähigen, breit aufgestellten Friedensbewegung zu kommen, als sich gegenseitig zu beharken?

Sicher ist es das, weil es anders nicht funktionieren kann. Dann sollten vorher genannte Artikel aber auch bitte der Vergangenheit angehören, weil diese einfach nur geschreibsel war, was wenig mit Journalismus zu tun hatte. Die Medien und die Menschen müssen zusammen kommen um sich gegenseitig zu spüren. Meist erledigen sich die Vorurteile schnell, wenn beide ehrlich sind.

Dominierten bis in den April hinein eher kurze, allgemeine Infohäppchen, offerierten zwischenzeitlich fast alle irgendeinen größeren Beitrag – unter anderem: tagesschau.de,Deutschlandfunk, Zeit, Berliner Zeitung, Tagesspiegel,tazund die Frankfurter Rundschau. Hauptkennzeichen der sogenannten Qualitätsmedien-Berichterstattung: ein stark selektiver, auf Negativaspekte geradezu fokussierter Blickwinkel, garniert mit viel Warnhinweisen.

Oben verlinkte Artikel kann man bei dieser Aufzählung durchaus selbstkritisch erwähnen. Das wäre ein selbstreflektierter Neuanfang. Ansonsten kann man sich schon fragen warum Sie nur die Konkurrenz erwähnen...

Fakt war zum einen, dass Ditfurth in der Sendung explizit den Schulterschluss vollzog mit jenen Mainstreammedien, die sich aufgrund ihrer einseitigen Berichterstattung eigentlich disqualifiziert hatten

Bis zum 3sat Interview von Jutta Ditfurth gab es keine Berichterstattung in dem Sinne. Die begann erst anschließend.

Zu Frau Ditfurth

Sie nahm ein Thema für sich in Anspruch in dem Sie erfahren genug ist um sich damit auseinander zu setzen. Sie machte daraus eine neu rechte, rechts esoterische oder antisemitisch Bewegung, was eigentlich jeden der Frau Ditfurth länger verfolgt, doch schon recht nachdenklich stimmte. Was dann aber noch viel gravierender auf mich wirkte war, dass Sie keine Kritiken an Ihrer Sichtweise akzeptierte und den Dialog einging, sondern einfach nur noch Fanboys und Fangirls auf Ihrer FB Seite kommentieren ließ. Na so kann man natürlich in seiner Fantasie sämtliches zusammen denken.

Das nun einige Medien zurückrudern, weil Sie merken das Frau Ditfurth da doch viel Wind um nichts gemacht haben, ist schön, wird hoffentlich auch so bleiben, lässt aber nicht vergessen, wie sich Menschen die auf den Mahnwachen für Frieden standen gefühlt haben müssen und vor allem die Initiatoren aller einzelnen Mahnwachen sich fühlen mussten, wie ein Lars Mährholz sicher die ein oder andere unruhige Nacht – hoffentlich nicht allein, verbracht haben muss, nach all dem was so über Ihn geschrieben/ geredet wurde, ohne das er auch nur 1x gefragt worden ist.

Sie, liebe Medienvertreter dürfen bei uns eins nicht vergessen, wir sind unreife Früchte, nicht so verdorben wie der ein oder andere Mitstreiter – wir machen viele naive Fehler, aber sicher nicht in böser Absicht. Wir sind neu hier – und durchschauen noch längst nicht alles. Wir spüren aber das vieles nicht richtig ist, und darauf können wir bauen. Verzeihen Sie uns unsere fehlerhafte Naivität – aber verurteilen Sie nicht mehr unser Anliegen für Frieden und eine faire Welt. Denn diese könnten wir schon lägst haben, wenn Sie liebe älteren unter uns diesen Job schon vor uns erledigt hätten. Jetzt kommen Sie wenigstens ehrlicherweise mit uns gemeinsam auf die Strasse, weil nur gemeinsam möchten wir die Umstrukturierung unserer veralteten Gesellschafts- und Herrschaftssysteme angehen. Wir haben uns technologisch so weit fortentwickelt, dass wir ins Universum vorgedrungen sind, aber in unserem sozialem Verhalten anderen Lebewesen gegenüber sind wir immer noch entwicklungsfähige Babys.

Welchen Sinn sollte unser Leben haben, als das wir nicht alle im Garten Eden auf dem blauen Planeten glücklich und zufrieden alt werden sollen?

Stellt Euch einmal die Frage warum die schönsten Worte so befleckt worden sind, dass man sich schon schämen muss, wenn man Sie spürt oder ausspircht.

Lg

t.om

fedup 28.05.2014 | 08:17

Fundstück auf der angegebenen Seite:

“Die endgültige Machtübernahme des Neoliberalismus nach 1990 wurde durch fünf zusammenwirkende Faktoren ermöglicht: (1) Der Neoliberalismus wurde von den konservativen US-amerikanischen Denkfabriken massiv gefördert. (2) Der sogenannte Nobelpreis für Wirtschaft, (3) der “Washington Consensus”, (4) der Zusammenbruch der sozialistischen Regimes und (5) die Entmachtung der Gewerkschaften wirkten zusammen und schufen ein Klima, in dem nur der Marktfundamentalismus Lösungen für sozioökonomische Probleme zu bieten schien. Während wir früher die ausschließlich marxistische Orientierung der Wirtschaftswissenschaften in den sozialistischen Ländern kritisierten, entgeht uns, wie sehr unsere eigenen Systeme einer Gehirnwäsche und nach 1989 auch einer epistemologischen Säuberung unterzogen worden sind.”

http://exportabel.wordpress.com/2014/05/

Keine Einwände meinerseits, alles akribisch aufgelistet in Chossoudovskis "Global brutal" und wer sich darüberhinaus mit den historischen Ursprüngen des Verzahnung von Imperialismus und Wirtschaft beschäftigen möchte,

dem sei Eduardo Galeanos Buch "Die offenen Adern

Lateinameriaks " empfohlen.

TTIP und TISA sind die konsequente Weiterführung der

seit Jahrhunderten immer effektiver entwickelten

Techniken, den Planeten und alles Leben darauf , den Interessen der Eliten(Profitmaximierung) dienstbar

zu machen.

Trecker 28.05.2014 | 08:30

Einige erwähnten hier reales Wirken, nicht labern, sondern handeln.

Aber genau das wollen wir doch den Menschen dort (unter anderem) vermitteln, dass man immer die Wahl hat, nicht alle 4 Jahre, sondern JEDEN einzelnen Tag, beim Konsum oder Nichtkonsum, bei der Wahl der Bank, des Stromanbieters, bei der Wahl des Jobs, der Selbständigkeit, beim Selbstversorgen, Selberbacken, Einkochen oder bei der Wahl des Urlaubsziels, des Reisefahr(flug)zeuges.

Aber um dafür ein Bewusstsein zu schaffen, braucht es öffentliche Bühnen, Medien, Netzwerke. Und genau die entstehen und daher ist das eine Bewegung, die hilfreich ist und langfristig gute Samen in die Köpfe pflanzen kann, die da wären: Nachhaltigkeit, Bewusstsein, Frieden, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit.

Das ist es jedenfalls, weshalb ich da hin gehen, nicht wegen Unterschiede bei Menschengruppen oder Religionen, die sind mir sch*** egal.

dame.von.welt 28.05.2014 | 08:44

Dann sollten vorher genannte Artikel aber auch bitte der Vergangenheit angehören, weil diese einfach nur geschreibsel war, was wenig mit Journalismus zu tun hatte. Die Medien und die Menschen müssen zusammen kommen um sich gegenseitig zu spüren.

Es mag Ihnen @Thomas Anderson, ja entgangen sein, aber Andreas Hallaschka (Journalist, Chefredakteuer) ist mit den Menschen der Hamburger Mahnwache zusammen gekommen und hat gegenseitig gespürt, nämlich

1. Gründe, einen gut recherchierten Blog beim Freitag einzustellen

2. nach Ken Jebsens Genörgel über den Freitag und Jakob Augstein ein vielfach verbreitetes Drohvideo (das ich ganz sicher nicht verlinke), das u.a. zu seiner °Festhaltung° aufruft, mit Verweis auf Ken Jebsen, der auf ihn warte

3. die prompte Veröffentlichung von Andreas Hallaschkas Adresse, Telefon- und Faxnummer durch einen Montagsdemofreund beim Freitag

4. ein zerstörtes Auto und

5. die Unveröffentlichung seines Blogs seitens des Freitag nach albernen juristischen Drohgebärden von Herrn Robin Güldenpfennig, einer der beiden Initiatoren der Hamburger Mahnwache.

Das habe ich hier zusammengefasst.

Andreas Hallaschkas Blog, den Sie gern der Vergangenheit zugeordnet wissen möchten, können Sie hier und bei Marian Schraube nachlesen. Wenn Sie einmal schauen möchten? Marian Schraube wurde ebenfalls mit Herrn Güldenpfennigs Wünschen nach unkritischer Bespiegelung bedacht, an Stelle von Demokratie wagen.

Auch Sie scheinen ein äußerst eigenwilliges Verhältnis zur Freiheit der Meinung und Presse zu haben.

Und, nein danke, mehr möchte ich persönlich von Mahnwachen und Montagsdemos und deren Menschen nicht spüren müssen, denn:

...in unserem sozialem Verhalten anderen Lebewesen gegenüber sind wir immer noch entwicklungsfähige Babys.

Reichlich aggressive Babys, wie ich finde.

Um noch zur Einschätzung °entwicklungsfähige Babys° kommen zu können, möchte ich Ihnen wie den Mahnwachen-/Montagsdemo-Initiatoren/-Anhängern die notwendige und überfällige Distanzierung von den antisemitischen Inhalten einiger ihrer Protagonisten (falls es Ihnen an Information fehlen sollte, das KenFM-Video 'Rassistischer Zionismus' läuft vor lauter Antisemitismus nur so über), von Versuchen der Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit mit juristischen Mitteln und von Gewaltaufrufen gegen Kritiker und ihr Eigentum nahelegen.

Ist dieser Kommentar im Spiegelfechter auch von Ihnen? Falls: Sie halten also die Welt ohne Rotschilds und ohne die Meinungsfreiheit von Jutta Ditfurth für einen besseren Ort.

Wie gesagt: von solcher Intoleranz und solchen Ressentiments würde ich gern weit weniger spüren müssen. Ganz gegenseitig.

fahrwax 28.05.2014 | 09:14

"Stellt Euch einmal die Frage warum die schönsten Worte so befleckt worden sind, dass man sich schon schämen muss, wenn man Sie spürt oder ausspricht."

Kein Wort bleibt unbefleckt solange es für das System der Ungerechtigkeit dienstbar gemacht wird. Die Herrschaft der Keule ist nie beendet worden. Sie wird nicht aufhören solange Mensch sich nicht gegenseitig als "gleichberechtigt" akzeptiert.

Das Eigenwohl als wichtigstes Gut im Kopf zu haben ist eine Perversion.

dame.von.welt 28.05.2014 | 10:23

Das Eigenwohl als wichtigstes Gut im Kopf zu haben ist eine Perversion.

Nein, das ist nicht unbedingt eine Perversion, im ganzen Gegenteil.

Das Eigenwohl ist insofern das wichtigste Gut, als Eigenwohl die Vorraussetzung ist, sich um das Wohl und die Rechte anderer sorgen und kümmern zu können. Vgl. auch mit °Liebe Deinen Nächsten (meistüberlesener Satz der Menschheitsgeschicht--->) wie Dich selbst°

Besser geht nämlich nicht.

tlacuache 28.05.2014 | 10:47

..."Besser geht nämlich nicht"...

Ganz sicher nicht, die Praxis sieht so aus:

..."Verordnung (EG) Nr. 1287/2006 der Kommission vom 10. August 2006 zur Durchführung der Richtlinie 2004/39/EG des Europäischen Parlaments und des Rates betreffend die Aufzeichnungspflichten für Wertpapierfirmen, die Meldung von Geschäften, die Markttransparenz, die Zulassung von Finanzinstrumenten zum Handel und bestimmte Begriffe im Sinne dieser Richtlinie (Text von Bedeutung für den EWR)"...

etc. etc. etc.

Oberham 28.05.2014 | 11:33

Da bin ich mal ganz bei Ihnen -

in der Tat, der größte Egoist versteht, dass uneigennützige Empathie und ein gleichberechtigtes, gleichgewertetes Miteinander, den höchsten Lebensglücksfaktor generieren würde.

Leider sind die Menschen aber eben eusoziale Merkelmulle - dem Naktmull nah verwandt - d.h. man gräbt sein Leben lang, damit der Bau für die Königin prachtvoll werde - und glaub, man selbst sei immer der beste und wertvollste Buddler, oder schlimmer noch, man gehört zu jenen die andere bewundern wie sie buddeln und leckt denen die Hinterteile blank, damit sie weiter ihr tolles Tagwerk vollbringen können - mag sein die Hierarchie beim Merkelmull ist komplexer - doch das Prinzip zählt und das ist schlicht desaströs (einige hunderttausend Jahre sind für eine Spezies wohl einmalig kurz!............)

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Ehemaliger Nutzer 28.05.2014 | 11:40

Dame von Welt,

ich weiß gar nicht, wie man einen Blog hier einstellt. Ich weiß nur, dass es mir beim freitag schon vor Jahren zu unübersichtlich war und dass man hier viel uninteressantes Zeugs lesen musste. Beispielsweise gab es eine Lesegruppe, die ernsthaft ein Buch von M. Matussek über den Katholizismus las. In einer linken Community.

Und jetzt sowas wie dieser Artikel von Zeitz, einem angeblichen Sozialisten. Ich finde schon, dass man da redaktionell filtern sollte. Es geht ja auch darum, dass dem Leser Zeit gestohlen wird.

Ich lasse mein Auto auch nicht von einem Stümper reparieren, der es nicht hinkriegt.

Aber danke für das Lob.

fahrwax 28.05.2014 | 11:52

Der Kapitalismus sieht das individuelle Eigenwohl als jenseits der Ansprüche aller übrigen Erdballbewohner definierbar an.

Ein Eigenwohl das seine Grenzen an denen aller übrigen Individuen findet wäre eine tolle Inovation?

Das die Katholen mit der Erkennbarkeit ihres "Nächsten" diverse Probleme haben, ist mir nicht unbekannt. Auch der Rest der religiösen Glaubensgemeinschaften belässt es regelmäßig beim propagieren solcher Thesen.

Somit steht das Kamel nach wie vor am Nadelöhr: eine Entwicklung fand nie statt.

dame.von.welt 28.05.2014 | 12:01

Genoveva,

einen Blog können Sie einstellen, indem Sie oben auf *Beitrag schreiben* gehen, alles Weitere ist selbsterklärend.

Niemand zwingt Sie, jeden Blog hier zu lesen.

Mich zwingt niemand, mir Bevormundungen und ideologische closed shops zu wünschen.

Es gibt keine Redaktion auf der Welt, der ich eine für mich passende Filterung zutraue - der Bezahlmodus dafür ist, Sie sagen es - Zeit. Außerdem Denken, Auseinandersetzung, ggbfs Widerspruch.

Die Alternative dazu ist das Betreiben eines eigenen und weniger gelesen Blogs, für den Sie mit der Einstellung Ihrer Artikel beim Freitag werben könnten.

Aber: ganz, wie Sie meinen...;-)...

dame.von.welt 28.05.2014 | 12:10

Sind Sie gezwungen, den Kapitalismus gut zu heißen und/oder sich dem Katholizismus anzuschließen? Nein? Warum nehmen Sie eigentlich beides von mir an?

*Menschenrechte sind immer zuerst die Rechte der anderen*

Ich erlaubte mir aber zu erwähnen, welche Vorraussetzung das hat, nämlich ein Minimum an Eigenwohl.

Falls Sie an Altruismus glauben, das legt sich meist mit dem Alter, zugunsten der feinen Unterscheidung zwischen Egoismus und Egozentrik.

fahrwax 28.05.2014 | 15:57

Beschränkte es sich auf die grünen Transatlantiker in Brüssel, bekämen wir selbst diese Lebensform klaglos mit durchgefüttert.

Allein die Vielzahl dieser Parasitären der Welt ist es, die jede sinnvolle, menschliche Übereinkunft im Keim erstickt. Jeder, aus diesen Quellen gespeiste, Brei ist von beachtlich lebensfeindlicher Qualität.

Ob ein Leben vor dem Tod möglich ist, kann ich noch nicht abschließend beurteilen.

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Ehemaliger Nutzer 28.05.2014 | 16:01

Dame von Welt,

ich meinte eher die Komplettspiegelung meines Blogs auf Freitag.de Wenn ich das richtig verstehe, kann ich hier nur einzelne Beiträge einstellen und muss noch einen Vorspann schreiben, richtig?

Aber ich bin eh davon überzeugt, dass Sie meinen Blog so toll finden, dass Sie ab sofort ohne die tägliche Lektüre dort nicht mehr auskommen :-) Was braucht es da eine Zweitveröffentlichung.

rioges 30.05.2014 | 19:47

Mir scheint die ganze Diskussion ein Ausdruck der Schwäche der linken und friedensbewegten Kräfte. Ich nehme nur wahr, das Ganztagespolitiker aller Coleur diese Diskussion bestreiten und sich eine fiktive Bewegung schön reden. Bei mir vor Ort aber spielt das alles keine wahrnehmbare Rolle.

und was in Berlin geschieht ist mir relativ gleichgültig. dieser Stadt ist nicht die Republik.

SusaBerlin 09.06.2014 | 10:14

Außer dass ich keine Volkswirtin bin - Sie sprechen mir aus dem Herzen. Übrigens fand ich auch die Performance der Friedenskooperative außerordentlich schwach. Vor allem in Bezug auf die Situation in der Ukraine hätte ich da klarere Stellungnahme erwartet. Der Rest, die ganzen Difamierungen, sind für mich Neidreaktionen. Die sich für etwas klüger halten, schweigen vornehm - das ist auch nicht besser. Da lob ich mir doch die "Esoteriker", die auf die Straße gehen, und wenn ich sonst keinen finde, gehe ich halt bei denen mit. Im Übrigen frage ich mich öfter - und bekomme regelmäßig sehr gute Laune bei der Vorstellung: Wie wäre das eigentlich gewesen, hätten die Achtundsechziger schon Internet gehabt? Age of Aquarious, und so? Hihi... Freundlichen Gruß und schönes Restpfingsten!