Asymmetric Armin und des Teufels Nathanael

Laschet & Liminski Deutschland hievt ein reaktionär-dynamisches Duo ins Kanzleramt. Was reift da in der Batcave des neuen deutschen, christlichen Konservatismus?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Asymmetric Armin und des Teufels Nathanael
Nathanael Liminski (r.) und Armin Laschet im Juni

Foto: Political-Moments/IMAGO

Vergleicht man Armin Laschet und Batman muss man zunächst konstatieren, dass bis auf die demonstrativ zur Schau gestellte Schwarzheit die Unterschiede überwiegen. Doch der betuliche Onkel, welcher da ins Kanzleramt schlafwandelt, dürfte einige faustdicke Überraschungen für all die Wähler haben, die Laizität nicht für eine Stoffwechselerkrankung, sondern für ein Staatsprinzip halten und unter Progressivität keinen Staubsauger verstehen. Laschets Kampagne, die derzeit virtuos auf der asymmetrischen Demobilisierungsorgel hupt, darf sich dank der selbst von der taz deutlich beim Namen genannten Dämlichkeit der Grünen siegessicher fühlen. Das schwarze Batmobil steht vollgetankt und aufbruchbereit vor der Düsseldorfer Staatskanzlei – doch wer sitzt da auf dem Beifahrersitz?

Es ist der Teil des dynamischen Duos, der für den stets etwas bräsig daherkommenden Kanzlerkandidaten wahrscheinlich einen großen Teil der Denkarbeit übernimmt: Nathanael Liminski hat beste Chancen, Kanzleramtsminister in einem künftigen Kabinett Laschet zu werden. Während nun Nicht-Connaisseure der NRW-Landespolitik noch „Who the fuck...“ sagen, spuckt Google zu diesem Namen bereits einen Lebenslauf aus, in dessen tiefstschwarzen Untiefen die gesamte „Affäre Baerbock“ problemlos mitsamt ihrer Begleitpublizistik verschwinden könnte.

Der Chef BK in spe: Ihr starker Partner für religiösen Fundamentalismus

Nathanel Liminski wurde 1985 in Bonn als Sohn deutsch-französischer Eltern geboren – hier endet bereits die Weltoffenheit. Denn Nathanael, benannt nach einer Figur des Johannesevangeliums, wuchs als Sohn des stabilstkatholischen Abtreibungsgegners und Opus-Dei-Boys Jürgen Liminski im bevorzugten Aufbewahrungsort für Bonner Regierungsbeamte, Sankt Augustin-Hangelar, „als Privatsekretär seines Vaters“ auf. Nach seinem Abitur am geerdeten Arbeitergymnasium Collegium Josephinum in Bonn, in dem auch Geistesgrößen wie Luke Mockridge hochschulreiften, gründete er das papsttreue Netzwerk „Generation Benedikt“ mit. Dieses machte es sich fürderhin zur Aufgabe, jede Schrulle des Pontifexes als Vorsitzenden seiner zweitausendjährigen Brokattrachtentruppe ausnahmslos gut zu finden. Schwulsein Sünde, Frau an Herd, Abtreibung no-no – das volle Programm. Kostprobe? Gern. Auf kath.net veröffentlichte die nach Benedikts Pensionsantritt umbenannte „Initiative Pontifex“ folgendes Bonmot:

„8. Der Teufel existiert

Der Teufel existiert. Während er sich in den letzten Jahrzehnten erfolgreich versteckt hielt und uns hat glauben machen, dass er nicht existiere, während er unbemerkt im Verborgenen sein Unwesen trieb, zeigt er sich heute in seiner ganzen Hässlichkeit und lacht triumphierend über die verkrüppelt erscheinende Braut Christi, die er von innen zerfressen hat. Dieses offene Auftreten ist unsere Chance zu sehen, was er zerstört hat und mit dem Wiederaufbau zu beginnen.“

Wie poetisch. Wer solche Statements veröffentlicht, hat sich den machtvollen Kanzleramtschefsessel mehr als verdient. Wer sich in Armins künftigen Deutschland also Themen aus dem LGBTQIA+-Spektrum, für Rechte nicht-christlicher religiöser Minderheiten oder einfach für eine Entflechtung von Kirche und Staat und eine Abschaffung der Kirchengerichtsbarkeit (war da was?) einsetzt, hat aller Wahrscheinlichkeit nach einen starken Gegner im Vorzimmer seines (weltlichen) Herrn. Analog den berühmten vier H des Dritten Reichs („Himmlers Hirn heißt Heydrich“) könnte an dieser Schaltstelle ein spannender Charakterkopf mit großem organisatorischen Talent heranwachsen. (Hinweis an die Kommentarspalte: Bitte empören Sie sich jetzt wortreich über diesen Vergleich!)

Asymmetrie mit Rechtsdrall

Neben dem Pontifex und seinem leitenden Angestellten wird jedoch noch jemand anders mit am Kabinettstisch sitzen oder zumindest nemesisartig über diesem schweben: Der regional verwurzelte Ostdeutsche aus Mönchengladbach, Hans-Georg Maaßen, hat längst dafür gesorgt, dass die Asymmetrie der Laschet-Kampagne klar nach rechts ausgerichtet ist, ein bisschen extrem darf es auch sein. Was die Merkel-CDU mit der SPD erfolgreich durchexerzierte, nämlich sich die Themen der Sozialdemokraten zueigen machen und dann im Regierungswurstkessel verkochen zu lassen, scheint Laschet nun mit der AfD zu planen: Das brüllend laute Schweigen zu den Äußerungen Maaßens, den er ja mit einer Erwähnung nicht „aufwerten“ wolle (als hätte jemals irgendetwas eine Aufwertung durch das Entfleuchen aus dem Munde Armin Laschets erfahren!) ist ein Indiz für diese Strategie: Maaßen soll für Laschet die dunkelkonservativ-reaktionäre Programmlücke schließen, aber gleichzeitig auf die Hinterbank gedrängt im Bundestag versauern und nicht stören.

Als das letzte Mal ein deutscher Kanzler so etwas versucht hat, hieß der schlaue Rattenfänger am rechten Rand Franz von Papen und wollte einen gewissen Adolf Hitler „in die Ecke drücken bis er quietscht“. Das dies nicht so gut geklappt hat, ist auch dem dümmsten anzunehmenden Wähler bekannt.

10:14 09.07.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 97