„I want you to panic!“

Polemik Eskalationsstufe Grün-Rot-Rot: Deutschlands CEOs und andere Windbeutel blasen sich auf gegen die Grüne Gefahr – es geht um alles!
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„I want you to panic!“
Eine Eilmeldung. Ist es jetzt so weit? Nein, Annalena Baerbock wurde noch immer nicht gekreuzigt. Wie viel Großspenden an die FDP braucht es noch?

Foto: Herbert Bucco/IMAGO

„Herzlich Willkommen zur Tagesschau, es ist der 1. Januar 2046. Berlin: Bundeskanzlerin Hussein, Ökologische Partei, hat den Morgenthauplan nach 100 Jahren vollzogen. Grünland ist vollständig deindustrialisiert. Die autoritäre Öko-Diktatur ist damit vollendet, ließ Regierungssprecher Abdullah Arafat in der Bundespressekonferenz verlauten."

Der Sprecher muss eine Pause einlegen. Constantin Schreiber, mit 67 schon 20 Jahre über dem vorgesehenen Rentenalter als Tagesschausprecher, ist von der Realität seiner eigenen Vision komplett überwältigt. Als die Scheinwerferdrohnen ausgehen, sitzt er in völliger Finsternis. Wieder hat die Dunkelflaute zugeschlagen und der fehlende Windstrom ganz Norddeutschland verdunkelt. Seufzend blickt er aus dem Fenster auf die fahle Sichel des Mondes, auf LunarCity, Frank Thelen's eisern regiertes, lunares StartUp-Fürstentum. Für ihn hat es sich gelohnt, Elon Musk im 1. Weltraumkrieg beigestanden zu haben. Er, der staatstreue Trottel bei der ARG, hat es nicht auf eine bessere Welt geschafft. Schlurfend macht er sich auf in die Hamburger Michel-Moschee, durch abertausende von blutrünstigen Flüchtlingen, zum grundgesetzlich verpflichtenden Abendgebet. Von hinten fährt ihn Lastenfahrrad um. Er fällt in eine bodenlose Finsternis, so dunkel wie alles in Grünland, 25 Jahre nach der Machtübernahme durch jene, die ‚Deutschland‘ umbenannten und vergessen machten ... Da wird Schreiber wach, schweißgebadet, kreidebleich, aber im Hier und Jetzt – es war nur ein Traum ...“

Sie schlafen nicht gut, die Paul Ziemiaks, Frank Thelens, Christian Lindners und Constantin Schreibers. Nur mit apokalyptischen Albträumen größtmöglichen Ausmaßes ist es zu erklären, was das sogenannte bürgerliche Lager derzeit an großkalibriger Polemik und Publizistik gegen die Grünen als wahrscheinlich kommende stärkste Partei des linken Spektrums nach der Bundestagswahl abfeuert. Da muss es schon ein bisschen biblisch werden, von Moses-Tafeln bis zur Erbsünde „Abschreiben im Sachbuch“.

Wenn Annalena Baerbock bis Ende Juli nicht gekreuzigt ist, sollte die Bundeswehr schleunigst einschreiten. Irgendwann ist auch mal gut mit dem Grundgesetz – „Die Wirtschaft™“ ist schließlich in Gefahr. Was kümmert da schon ein Gesundheitsminister, der mit der Ausgabe fehlerhafter Masken an Behinderte und Obdachlose ein bisschen Sozialstaatskorrektur durch die Hintertür betreibt und den Staat um Milliarden für gefälschte Coronatests erleichtert hat. „Die hat abgeschriebeb! Ans Kreuz mit ihr!“ – damit kennen wir uns schließlich aus, wir, die wir das „C“ im Namen, im Herzen und im Aktienportfolio tragen.

Von Werten und Würde

Jedem lohnabhängig Beschäftigten dürfte klar sein, dass seine körperlich anwesende Zugehörigkeit zum Komplex „Die Wirtschaft™“ Staatsziel Nummer Eins ist. Mögen draußen die Schulen schließen und Gestrüppbälle die Einkaufsstraßen herunterwehen: „Du hast ins Büro zu gehen, wenn Dein Chef Dir das sagt!“, sagt der Altmaier und schaut leidend – schließlich sind auch die meisten Restaurants der Bundeshauptstadt seit geraumer Zeit geschlossen. Auch Altmaier weiß: Die Pandemie kann Deutschland noch verkraften, aber ein veganes Kantinenessen pro Woche eine grüne Bundeskanzlerin? Niemals!

Andere treffen ihre Vorbereitungen im Privaten: Frank Thelen spendet 500.000 Euro an die FDP um historisch auf der richtigen Seite zu stehen. Die voll nachhaltige deutsche StartUp-Szene klatscht Beifall und verkauft sich schnell noch an jeden nur scheu lächelnden Ölkonzern. Rente mit 79, ein Kündigungsschutz von maximal fünf Minuten und Jeff Bezos' Steuersatz für alle ab 2 Millionen Euro Einkünfte pro Jahr sind nicht zu viel verlangt. Lindner regelt, Thelen nickt, Laschet lächelt.

Die Gewerkschaften, gerade noch mit dem Kohlewiedereinstieg 2035 befasst, zeigen sich von einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 64 Stunden überrascht, beschließen aber, den Aufschwung nicht zu gefährden. Sternfahrten der SUV-Fahrer nach Berlin: Aus Wut – und weil sie es sich leisten können – kippen sie Shell-VPower vor den Reichstag. Focus Online empfiehlt das Trinken von Moosvernichter gegen inneren Grünspan. Die Kühlsysteme der PR-Abteilungen in BDI und VDA versagen, es kommt zu medialen Kernschmelze. Berlin und München müssen evakuiert werden. Putin lächelt und lässt in der Ostukraine die Panzer warmlaufen – er ist bereit.

Schlimmer geht es kaum.

Außer Armin Laschet wird wirklich Bundeskanzler.

15:16 01.07.2021
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