mafo

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RE: Echt, echter, Roche? | 24.08.2011 | 19:41

Ein Versuch :
Vermutlich bietet das Buch ziemlich viel Angriffsfläche für Projektionen unterschiedlichster Art und Altersgruppen.
Um klassische Emanzipation geht es dabei vermutlich am wenigsten, die ist auch bei den meisten jungen Frauen Anfang oder Mitte 30 nicht mehr wirklich aktuell ein Thema - leider - meist erst wieder wenn sie Kinder kriegen oder ungleich bezahlt werden. An der Oberfläche sind die Probleme ja weg - dass sie darunter alle noch in ziemlich grossem Masse bestehen, aber viel subtiler, ist eine ganz andere Geschichte.
Aber Traumata und Ängste und die Frage wie man damit umgeht gibt es wahrscheinlich ganz schön viele und die Frage der sexuellen Befreiung bleibt eine ähnliche - gerade wegen der Übersexualisierung in den Medien/Werbung und den ganzen perfekten Körpern muss man ja einen realen Bezug zu dem Thema finden und zu sich und dem eigenen Körper.
Ich habe ja schon versucht das zu formulieren - ich denke über das Buch eher als konzeptionell angelegtes Buch, vermischt mit autobiographischem, das einen Kommentar zum Ist Zustand einer Gesellschaft liefert und versucht sie ein bisschen besser zu machen oder auf Situationen in ihr hinzuweisen - durch Tips für zeitgemässe Lebensweisen, die Leichtigkeit vermittelnd, die eine Therapie sein kann - nicht "ich muss da hin weil ich neurotisch bin" sondern toll, ich kann etwas herausfinden und alles wird einfacher/verständlicher.
Ich glaube nicht, dass irgendetwas in dem Buch nicht bewusst da steht und bewusst geschrieben bez. nicht herausgestrichen wurde.
Und Emanzipation heisst hier vielleicht eher Emanzipation von der Mutter die für was auch immer stand und nicht so sehr eine die gesellschaftlich relevant ist, im grossen und ganzen.
Also sind die Probleme der Frauen Anfang 30 vielleicht eher persönliche und davon gibt es schon so viele, dass die erst mal bewältigt werden müssen bevor man über Emanzipationsthemen wieder ernsthaft nachdenkt ?
Und authentisch ist in der Generation vielleicht eben auch ein komplett anderer Begriff und somit ist es egal ob es ein fake ist oder nicht, wichtiger ist, was es bewegen kann und vielleicht weiss die Autorin genau das.
Es gibt ja auch nicht wirklich ein einziges Tabu das in dem Buch gebrochen wird, das hat man doch alles schon gelesen und in Büchern aus einer Zeit als das alles noch viel mehr ein Tabu war. Daher macht sich das Tabu eben vielleicht am autobiographischen fest - und vielleicht ist das das authentische ?

RE: Wir lesen "Schoßgebete" von Charlotte Roche | 24.08.2011 | 13:02

also nicht ganz - eher "wie würde man das Buch besprechen wenn man es als Konzept Buch liest, betrachtet, kommentiert"

RE: Wir lesen "Schoßgebete" von Charlotte Roche | 24.08.2011 | 01:32

"immer ein feines Instrument zur Anzeige des Zustandes in dem sich die eventuell dann nur noch kaufende und lesende, aber nicht mehr verstehende Gesellschaft befindet." das ist ungefähr das was ich meinte...

RE: Wir lesen "Schoßgebete" von Charlotte Roche | 23.08.2011 | 23:40

Ich würde sogar weiter gehen - bez. das hier mal zur Disposition stellen - das Buch als "authentisch" zu lesen macht sich ja an der Autorin oder "Figur" Charlotte Roche fest und an einem wahren Ereignis, das allerdings medial verarbeitet schon bekannt war.
In der bildenden Kunst ist "Original und Fälschung" gerade ein aktuelles Thema (ist auch ein bei Hatje Cantz erschienenes Buch), auf 1001 "social media" Seiten ohnehin also müsste das Buch vielleicht nicht viel mehr soziologisch als Phänomen und nicht per se literarisch untersucht werden ? Was sagt das oder soll es vielleicht über einen Jetzt / Ist Zustand sagen ?? Wie kann man das Buch werten bez. be-schreiben bez. rezensieren wenn man es komplett als fake als Metapher oder ähnliches liest ???

RE: Wir lesen "Schoßgebete" von Charlotte Roche | 23.08.2011 | 22:35

je länger ich nun über den Roman, den ich eher zufällig gehört habe, und die Diskussion hier nachdenke desto mehr denke ich, dass es ja völlig egal ist, ob das biographisch ist oder nicht, was ich schon beim hören irrelevant fand - ich frage mich allerdings umso mehr worauf sich die Aussage, die es ja gab, Feuchtgebiete sei ein "fake" gewesen bezieht, also ist es schon fake dass es nicht biographisch ist oder ist es fake weil das, was gesagt wird, gar nicht gemeint ist oder gar nicht erst irgendeine Relevanz haben soll ?
Denn das würde es ja die ganze Argumentation und Diskussion darüber und alle Literaturkritik usw. per se ad absurdum führen oder sogar vorführen ?
Und die Möglichkeit zur Identifikation von Frauen, die zwischen 30 und 40 sind und sich angesprochen/ähnlich fühlen noch viel mehr ??

RE: Echt, echter, Roche? | 23.08.2011 | 00:32

achso darum geht es ja gar nicht die Frage ist ja altmodisch...

RE: Echt, echter, Roche? | 22.08.2011 | 23:28

wenn die TigerEnte und der StreifenBär mit dem Baseballschläger nach Panama gehn - und was ist daran Emanzipation ??

RE: Wir lesen "Schoßgebete" von Charlotte Roche | 22.08.2011 | 23:20

pornographisch ist anders, da gehts ja NUR darum und nicht mehr um Liebe oder Eigenbetrachtung via Therapie, seltsam dass da die Begriffe so durcheinander gehen bez. falsch benutzt werden...

RE: Echt, echter, Roche? | 22.08.2011 | 21:07

ich finde das ja auch gut und klug wie sie die Marktstrategien nutzt - wenn das die Idee dabei war - war eher ein gedanklicher Versuch zu verstehen was es mit dem "das ist alles fake" auf sich hat. Zum Rest - stimmt.

RE: Echt, echter, Roche? | 22.08.2011 | 20:59

ich verstehe das jetzt irgendwie nicht mehr - Moral ist blöd ehrliche Frage ist blöd nur mal für sich selber klarkommen ist gut ? Aber der Sinn des miteinander Sprechens/Schreibens ist dachte ich dass man sich austauscht und versucht Dinge neu zu sehen ?
Abgeklärt ist nicht wirklich ein Angebot sich zu erweitern.
Im lost in translation.