RE: Für die Jungen tickt die Uhr | 29.12.2021 | 17:57

Von welcher Art Gesellschaft handelt dieser Artikel? Es gibt 2 Opfergruppen: Die Jungen (bis 30) und die „sehr Alten“ (ab 70) und damit gleich einen „doppelten Generationenkonflikt“ . Die Jugend schöpft ihre „unwiederbringlichen Lebenserfahrungen“ aus Klassenfahrten, Abibällen und Universitäten. Wer in Lieferdienst, im Pflegeheim, im Supermarkt arbeitet oder eine Ausbildung macht dürfte andere Erfahrungen vermissen, zählt hier aber nicht. Die „sehr Alten“ leben anscheinend alle in Pflegeheimen. Und es gibt eine große Täter- und Gewinnergruppe: die „Mittelalten“, Menschen von 30 bis 70, darunter -besonders verwerflich - die Schulkindlosen. Da kann man zur Arbeit gehen, wenn man es will (!). Hier tummelt sich auch noch allerlei Plebs: hunderttausende Karnevalisten (alle erwachsen), Stadionbesucher, Impfskeptiker. Ihr größtes Verbrechen: sie halten die Wirtschaft am Laufen. (Ja, sie sorgen dafür, dass die Busse fahren, Wasser aus der Leitung fließt, Kranke versorgt werden. Und finanzieren dem Nachwuchs Smartphones und Studium.)

Natürlich ist es richtig, aufzuzeigen, wo Politik und Verwaltung versagen, und sicher sind die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Altersgruppen unterschiedlich. Aber wenn das eigene Weltbild so ausschließlich von der eigenen Identität geprägt ist (jung mit akademischer Zukunft)kann man eben nur das eigene Leid sehen.

RE: Politik der Hochmütigen | 05.12.2021 | 18:13

Zur Debatten-Kultur

Mal wieder eine fruchtlose Debatte zu einem coronakritischen Artikel (Coronakritisch? - doch wohl eher eine Kritik der Maßnahmen und Einschätzungen, des kapitalisierten Gesundheitssystems, und vor allem der Verweis auf die sozialen Folgen).

Die Fronten sind schon lange abgeklärt, die Spaltung so nicht zu kitten. Und bei allem Kreuzzugskriegsgeschrei haben wir jetzt auch einen echten General!

Kritische Geister versuchen, durch eine Art Selbstentblößung ( „nein, ich leugne nicht - ja, ich bin geimpft, zum 3.! Mal schon - ja, ich habe schon Kranke leiden/sterben sehen „) dem Gegner Diskussionsbereitschaft zu signalisieren -das nützt ihnen gar nichts.

Kritikgegner haben sich mit einem dicken Panzer der Moral umgeben (nur auf ihrer Seite gibt es Solidarität, Vernunft und Mitgefühl).

Und wird doch auf Argumente zurückgegriffen, bedienen sich beide Seiten aus dem unendlichen Fundus der Daten, Zahlen, Fakten. Da wird Portugal gegen Israel, England gegen Deutschland, Schweden gegen den Rest der Welt geworfen, je nach dem welche momentanen Entwicklungen gerade ins eigene Bild passen. Und ändern sich dort die Zahlen, greift man zum nächsten Land. Gibralta, jawohl! Statt Länder kann man auch die jeweiligen Lieblingsexperten anführen.

Und zur Not: Beleidigungen -„CovIdioten, Nazimethoden“... Die Freitagsdikussionen sind da noch recht gesittet, (es gibt Schlimmeres, z.B. die Kommentare auf der FR online...), aber -Leute!!- das ist eine Diskussion unter Linken! Wie soll sich das in Nachcorona-Zeiten wieder einrenken?

RE: Die Coronakrise ist keine Klimakrise im Kleinen | 24.11.2021 | 13:30

Was ist an einer „Politikberatung, welche sich an der Kunst des gesetzlich und gesellschaftlich Möglichen ausrichtet,“ falsch und „Merkelisch“? Da fällt mir doch eher das in den langen Merkeljahren vorgebetete "alternativlos" ein. Wenn aber wissenschaftliche Erkenntnisse, die in der Coronakrise zwangsläufig geändert, erweitert, umgeschrieben werden müssen, zur alternativlosen Begründung von Maßnahmen und Gesetzesänderungen herhalten müssen, die dann -je nach neuerem Erkenntnisstand- zurückgenommen und die neuen Regeln wiederum als alternativlos verkündet werden, ist es kein Wunder, wenn das Vertrauen in Politik (und Wissenschaft!) schwindet.

RE: Die Coronakrise ist keine Klimakrise im Kleinen | 23.11.2021 | 15:48

Ich kann in dem Artikel keine Stelle finden, wo Hirschi die Klimadiskussion angreift oder -wie subtil auch immer- ein Nichthandeln der Politik fordert. Was er angreift, ist die zunehmende aktivistische Ausrichtung der Klimadebatte („folge der Wissenschaft“ ohne zu fragen, wie sich ein nur an diesem Wissensbereich orientiertes Handeln auf das Leben, das Zusammenleben der Menschen auswirkt).

Ich finde auch keinerlei Hinweis, dass Hirschi eine „Corona-kritische Position“ vertritt oder die Wissenschaft in Frage stellt. Es geht ihm wohl eher darum, Wissenschaft vor einer falschen moralischen Überhöhung („Wissenschaft hat immer mit Ethik zu tun“) und Inanspruchnahme zu retten.

RE: Erregt und verzettelt | 18.10.2021 | 18:44

ja, aber: was soll das abwertende "sozial konservative Unterschichtwähler"? Ist es konservativ, soziale Forderungen nach Enteignung, bezahlbaren Mieten, Umverteilung etc. zu stellen? Wie definiert "Rotstift" die Unterschicht? Solange es der Linken nicht gelingt, klar zu definieren, für wen und mit wem sie Politik machen will, wird der interne Streit weitergehen -der Versuch, die Differenzen zu vertuschen, ist genauso selbstmörderisch.

RE: Die Angst hat die Seite gewechselt | 17.10.2021 | 15:30

Wer unter dem Vorwand, gegen Diskriminierung zu kämpfen, sich über die Diskriminierung anderer freut, kann nicht erwarten, ernst genommen zu werden. Und ja: „gegenderte“ Sprache wirkt ausgrenzend, ebenso der permanente Gebrauch des Englischen - in manchen Museen werden Texte/Videos nicht mehr auf Deutsch angeboten, auf Demonstrationen hört und sieht man nur noch englische Parolen und Transparente. Adressat ist nicht mehr die Bevölkerung, es geht nur noch darum, sich selbst als progressiv global zu repräsentieren.

„Es gibt nichts Lächerlicheres als deutsche Wissenschaftler, in erster Linie Germanisten, Soziologen, Philosophen, Kunsthistoriker, die stolz auf den Gebrauch ihrer Muttersprache, das heißt auf zwei Drittel ihrer Denk- und Ausdruckskapazität, verzichten, um Anpassung an eingebildete Internationalität zu demonstrieren....

Wie das Lateinische als Universalsprache ...sich gerade dem Machtanspruch und der Machtentfaltung Roms... verdankte, so ist auch die angebliche Universalsprache Englisch Ausdruck der Begierde, der mächtigsten Agglomeration von Verfügung über Wissen anzugehören (und nicht etwa eine Einladung an jedermann an der Nutzung des Wissens teilzuhaben).“ (Bazon Brock)