Aktionen gegen Rechts in Berlin-Buch

Neonazis Schon seit einigen Jahren versuchen Rechtsradikale in dem Ortsteil, der zum Großbezirk Pankow gehört, die Menschen einzuschüchtern und das Klima zu vergiften
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Auf die Frage nach einem Lieblingsplatz in Berlin antwortete der USA-Schriftsteller Jonathan Franzen vor einigen Jahren: "Gute Frage. Aber ja. Die Karower Teiche. Der beste Ort in Berlin, um Vögel zu beobachten. Die ganze Gegend vom Tegeler Fließ bis hinüber nach Buch. Eigentlich unglaublich, dass es einen solchen Ort in einer der großen Metropolen Europas gibt. Man kann dort die Leere der Stadt und ihre vielen neuen Möglichkeiten spüren."

Das ging mir nach, weil ich diese Gegend um Buch - von meinem Kiez in Heinersdorf drei S-Bahnstationen entfernt - auch sehr liebe. Buch und Umgebung hat sich in den letzten Jahren immer weiter entwickelt. Alte Gebäude wurden saniert, Neues wurde gebaut. Es war und ist ein renommierter Wissenschaftsstandort mit einer interessanten Geschichte. Das Helios-Klinikum, der Wissenschaftscampus, das Max-Delbrück-Zentrum, alles Stätten der medizinischen Praxis und Forschung. Mitarbeiter aus vielen Ländern arbeiten dort oder sind zu Gast. Im Bus zum Campus kann man es hören - es geht vielsprachig zu.

Und dann das: Seit Jahren hat die Region, die zum Stadtbezirk Pankow gehört, ein "Naziproblem". Es seien zahlenmäßig gar nicht so viele, berichtet das Neue Deutschland, aber sie trumpfen mächtig auf und zeigen Präsenz.
Der "Bucher Bote", eine mit viel Engagment und Professionalität gestaltete Zeitung für die Region muss in fast jeder Ausgabe über rechtsradikale Vorfälle und die Aktivititäten dagegen berichten.

Schmierereien an öffentlichen Gebäuden, das Bürgerhaus Buch war betroffen, Schmähungen am sowjetischen Ehrenmal im Bucher Schlosspark, Provokationen aller Art, all das empört die Bucher Bürger.

Buch muss sich wehren. Vor kurzem gab es eine Demonstration gegen das Neonazi-Unwesen. Berichtet wird aber in den Medien mal wieder nur über Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten Gruppen.

Im Bürgerhaus Buch in der Franz-Schmidt-Straße 8-10 findet am 30. Mai 2013 um 18 Uhr eine Veranstaltung der Initiative "Eltern gegen rechts" statt. Sie haben eine Ausstellung gestaltet: "Mein Kind ist rechts, was kann ich tun". Sie wollen darüber mit den Besuchern ins Gespräch kommen.

Ich habe die Ausstellung, die jetzt in der Wolf-Dietrich Schnurre Bibliothek in Weissensee zu besichtigen ist, gesehen und finde sie sehr prägnant und informativ. Hier berichtet der
Kiezblog Weißensee darüber.

Es gibt auch Konflikte in Buch. Immer, wenn ich dort einkaufe und dann - durch die großen Plattenbausiedlungen - Richtung Karow laufe, fällt mir das auf. Zugezogene bewohnen attraktive Eigenheim-Siedlungen, es entstehen Gegensätze. Sie sind zu spüren wie überall.

Aber, alle Wege führen ins Grün. Die Karower Teiche werden immerhin von einem renommierten Autor erwähnt und gewürdigt. Aber nicht nur das allein sollte Grund sein, dass Buch sich gegen den braunen, provinziellen Sumpf immer energischer wehrt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

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