Alles ein Abwasch XXI – Schwarmintelligenz

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Wenn zwei Leute – so wie wir beide an der Schüssel – zusammen was bekakeln, sind wir dann eigentlich schon ein Schwarm? So fragte ich mich und machte einen kleinen Exkurs zu den im Internet behandelten Fragen. Der mitarbeitende Gatte ergänzte kurz und schlagfertig: „Momentan sind wir ein arbeitender Schwarm. Ob wir intelligent sind...“

Schwarmintelligenz – wenn man die Debatten um das „overgehypte“ Helene Hegemann Werk „Axolotl Roadkill“ beobachtet – dann hat dieser Begriff ja eigentlich eine völlig neue Bedeutung erlangt. Dann ist unter Schwarmintelligenz zu verstehen: Ausschwärmen, Was finden, Aufgreifen, bzw. sich Aneignen, und dann als Einzelne oder Einzelner den Gewinn einstreichen.

War nicht auch Brecht so ein schwarmintelligenter Kerl mit seinem Tross an Produzentinnen?, fragte mich der Gatte während er am - wieder völlig eingesauten -Cerankochfeld herumschruppte. Nee, meinte ich, bei Brecht war das anders, der ist nicht herumgeschwärmt, der war umschwärmt, obwohl das in diesem kreativen Zusammenhang ein unziemlich triviales Wort ist. Die Frauen um Brecht, die wussten, dass sie ein Gesamtkunstwerk sind. Wie heißt das Buch von Elisabeth Hauptmann, der Brecht-Mitarbeiterin „Ich fragte nicht nach meinem Anteil“. Punkt. Oder die Margarete Steffin und Ruth Berlau. Tragische Schicksale beide, aber doch geliebt und produzierend liebend, jede zu ihrer Zeit im Schwarm.

Der Schwarm ist ja auch etwas, das nicht statisch ist, sondern eben fliegt und da ändern sich die Mitglieder, einige stürzen halt ab, andere fliegen zu hoch. Das gehört dazu. Und einer fliegt halt vornweg.

Überhaupt scheinen sich damals Frauen mehr für den Schwarm geeignet zu haben. Männer wollten immer einzeln wahrgenommen werden.

Ist es heute anders? Wie ist es denn nun mit Helenens "Axolotl-Schwarm". Ist die vielleicht vor dem Ausschwärmen selbst Bestandteil eines Schwarms gewesen? Kann ja sein, denn ich hatte einen Verdacht: Hier verarscht uns jemand gewaltig. Etwa so: da haben mal irgendwann ein Werbetexter (ehemaliger Fernsehredakteur), ein Clubbesitzer (zuletzt Oberkellner im Restaurant Moskau) und die Kantinen-Chefin der Volksbühne (fünf Semester Theaterwissenschaft) zusammengesessen und sich gesagt: Jetzt zeigen wir denen mal wie dankbar sie sind für ein bisschen Einblick in die Zukunft ihrer nicht gelebten Gegenwart. die Rezepte liegen seit Jack Kerouac auf der Strasse. Der Koch braucht lediglich einen Internet-Anschluss. der Rest ist Marketing.

Ist das nicht eine geniale Überlegung. Ich finde das jedenfalls. Allerdings ist die gar nicht meiner Intelligenz entsprungen. Auch ich bin ausgeschwärmt – in einen Freitags-Blogs und wurde flugs fündig.

www.freitag.de/community/blogs/kay-kloetzer/wunderkind-roadkill---helene-hegemann-hat-abgeschrieben

Dort habe ich diese Passage abgeschrieben, will sagen aufgegriffen, und nun habe ich sie mir anverwandelt. Das war ein schweres Stück Arbeit, weil die wirkliche Autorin die durchgehende Kleinschreibung bevorzugt. Da waren viel eigene Kreativität und Wissen erforderlich, das wieder aufzulösen. Und - nach der Tilgung von drei Wörtern - steht es auch in ganz anderen Zusammenhängen. Hach, was bin ich schwarmintelligent.

Danke kay.kloetzer und Gruß von Blog zu Blog.

10:05 09.02.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

Kommentare 28

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sachichma | Community
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