Anders vergleichen

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Seit 20 Jahren werden mit wachsender totalitarismus-doktrinärer Genugtuung immer wieder das Dritte Reich und die DDR miteinander verglichen. Kommt Empörung auf, wenden die Protagonisten dieser Vergleichsszenarien hin und wieder ein, „Tja, vergleichen sei doch nicht gleichsetzen, man könnte alles vergleichen.

Die gleichen Leute aber springen wie eine Tarantel aus dem Sitz, wenn man Erscheinungen aus der ehemaligen DDR mit denen in der BRD vergleicht. Immer unter dem Aspekt, dass Vergleichen nicht Gleichsetzen ist, kam mir heute der Beitrag von Albrecht Müller sowohl auf seinen Nachdenkseiten als auch in der FTD in den Sinn.

www.nachdenkseiten.de/?p=4169

Albrecht Müller hegt in umfangreichen Überlegungen und anhand zahlreicher Indizien den Verdacht, dass die SPD nicht mehr im eigenen Interesse, sondern für andere arbeitet.

Er meint dabei wohl zwei Richtungen. Einerseits die U-Boot-Theorie, die einem bei Leuten wie Clement oder Steinmeier durchaus logisch erscheinen kann. In dem Beitrag ist aber von einer Verpflichtung gegenüber noch mächtigeren Interessenverbänden als der CDU die Rede. Nur so mache der abstruse Wahlkampfstil der SPD überhaupt noch Sinn.

Wie komme ich jetzt auf einen – durchaus warnend gemeinten – Vergleich mit der DDR? Durch die nach der Wende überall entdeckten OibEs.Innerhalb der Stasi – die überall sein wollte – gab es den sogenannten Offizier im besonderen Einsatz (OibE). Die Medien haben nach der Wende oft darüber geschrieben .

Der saß in vielen Gremien und Institutionen, in Medien, auch in Parteien mit der Aufgabe, dort die Kontrolle zu behalten. Verpflichtet war er aber dem MfS.Wenn nun Schröder, Müntefering, Steinmeier und Steinbrück auch solche OiBes sind? Nicht der Stasi verpflichtet, die ist ja mausetot, weshalb man sie immer mal wieder beleben muss, damit die Leute sie nicht vergessen und sich - abgelenkt - graulen. Nein, wenn das nun OibEs der CDU oder von noch mächtigeren Interessenverbänden sind?

Ich finde: Vergleichen mit der DDR hilft sehr oft, die demokratischen Sündenfälle und Gefahren der bundesdeutschen Gesellschaft besser zu erkennen. Das ist durchaus wichtig, sonst haben wir eines Tages eine Ulbricht-Demokratie. Und die läuft nach dem Motto: “Genossen, es muss demokratisch aussehen, aber die Kontrolle müssen wir behalten“. So eine Rezeptur geht auch in der Gegenwart, wenn man die Anrede weglässt.

13:39 03.09.2009
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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