Austerity schadet nicht nur ökonomisch

Die Diätfalle Wir müssen beide abnehmen, mein Mann und ich. Wir wollen es auch. Bescheidung ist angesagt.
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Bedauerlich, dass sich diese Notwendigkeit besonders auf den von uns so geliebten Bierkonsum auswirkt. Er findet schlichtweg nicht mehr statt. Bier-Austerity ist angesagt. So ein Mist. Nicht nur Opposition ist Mist, wie einer gewisser Franz Müntefering mal gesagt, hat, sondern auch Austerity. Austerity – bedeutet ja nichts weiter als Strenge, besonders beim Geldausgeben – Sparen, Sparen, Sparen. Bier ist also gestrichen. Stattdessen hantieren wir mit Tee und Wasser und allerlei Ersatzgetränken, die behaupten, wie Bier zu schmecken. Das ist schon o.k, aber schafft immer ein Defizitgefühl.

Apropos Defizit: Dass in der Ökonomie „Austerity“ * - kompromissloses Sparen bei der Haushaltskonsolidierung - eher hinderlich als sinnvoll ist, wird pausenlos diskutiert. Sparen in Krisenzeiten bedeutet: Die Leute werden immer ärmer und ärmer und geben immer und immer weniger aus. Der Binnenkonsum sinkt weshalb auch die Steuereinnahmen sinken. Es wird alles noch knapper. Das ist hinlänglich und traurig belegt.

Die Anhänger des Keynesianismus** hingegen empfehlen: Ausgeben muss man erstmal Geld, vielleicht auch Schulden aufnehmen dürfen, die Wirtschaft so beleben, den Konsum steigern, was dann wieder die Steuereinnahmen steigert und damit die Möglichkeiten zu Investitionen.

Und spätestens da fällt mir wieder mein Abnehmplan wieder ein. Denn da ist – wie viele Diätratgeber inzwischen unterstreichen - Austerity genauso hinderlich wie es für die Ökonomie festgestellt wird.

Nur Kalorien sparen

bringt meist nichts

Wenn man besessen Kalorien spart, sagt sich der schlaue Organismus: Huch, die liefert nich, also sparen wir jetzt mal auch mit dem Verbrennen. Und deshalb wird und wird das nichts mit dem Abnehmen. Nie in eine Gewichtskrise hinein blindlings Kalorien reduzieren, das bringt überhaupt nichts.

Stattdessen soll man es – zumindest ansatzweise – machen wie die Keynesianer: Durchaus etwas essen, nicht mit Kalorien generell sparen, sondern nur mit manchen Nahrungsmitteln vorsichtiger sein. Das drosselt den Organismus nicht so.

Angela Merkel müsste

das auch kennen

Jetzt fällt mir auch wieder Angela Merkel ein, als deren glühendste Verehrerin ich hier gelte. Die musste ja vor einiger Zeit auch abnehmen weil es ihr der Orthopäde nach einem Skiunfall dringend empfohlen haben soll. Die sah auch ne Weile etwas reduzierter aus, aber - so is das eben mit aller Übertreibung - nach einer Weile nahm sie wieder zu. Das ist die Diätfalle sagen die Spezialisten. Das ist auch die Austerityfalle. Aber, die Politiker und Politikerinnen lernen nicht aus dem Leben.

*Austerität - bedeutet Herbheit“, „Ernst“, „Strenge“) bedeutet „Disziplin“, „Entbehrung“ oder „Sparsamkeit“. Der Begriff wird vor allem in ökonomischen Zusammenhängen gebraucht und ist eine Bezeichnung für eine staatliche Haushaltspolitik, die einen ausgeglichenen Staatshaushalt anstrebt

* *Zum Keynesianismus gehören wirtschaftspolitische Ansätze, die darauf ausgerichtet sind, die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zu steuern und bei Bedarf die Wirtschaft durch vermehrte Staatsausgaben und durch expansive Geldpolitik zu beleben. Als Hochphase des Keynesianismus weltweit gilt die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (in Deutschland ab 1967) bis in die 1970er Jahre.

22:57 18.07.2016
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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