Berliner Schlossgespenster

Richtfest Kluge Fragen an die Bauherren eines neuen Prachtbaus und kluge Fragen an den Miterbauer eines alten Prachtbaus. Die Geschichte braucht immer neue steinerne Markierungen.
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Die kluge Mely Kiyak fragt in ihrer Gorki-Kolumne ob heutzutage in Europa irgendein Land ein Schloss baut und konstatiert: Deutschland – eine Nichtmonarchie - baut ein Schloss und tarnt es als Museum.

Wunderbare Kolumne und tröstlich, weil man sich beim Ärger über diese architektonischen Albernheiten gleich weniger allein fühlt.

Mely Kiyak hat einen feinen Vorschlag für das Motto dieses Schloss-Gespenst-Baus: Museum zur Geschichte deutscher Kriege in der Welt bis zum Ende des Kaiserreichs. Das ist zu hart, da wird wohl nichts draus werden.

Ja, die Sieger der Geschichte müssen natürlich ihren Sieg entsprechend „krönen“ und sich mit einem trügerischen Fortschritt "verkuppeln". Gewonnene Reviere muss man markieren, auch wenns teuer ist. Noch immer hat jede neue Macht sich so scheinbar verewigen wollen. Sogar ein einstiger Vorstandsvorsitzender der Bundesanstalt für Arbeit hat als erste Amtshandlung die Neugestaltung seiner Chefetage in Angriff genommen. Das ist ihm allerdings nicht gut bekommen, er wurde bald – bei Weiterzahlung seiner Bezüge – entlassen. Florian Gerster hieß er und soll hier nur als Beispiel dienen, dass solche Ideen in allen Bereichen des politisch-gesellschaftlichen Lebens ihren Platz haben.

Während alle nun kürzlich auf die Schlosskuppel starrten und ich darüber nachdachte, ob das Wort „Richtfest“ nicht auch ganz andere Bedeutungen transportieren kann, hat die „ZEIT“ ein Interview mit einem der Architekten des ehemaligen Palastes der Republik , Manfred Prasser, geführt. Der hat den damals international sehr bewunderten sechseckigen Veranstaltungsraum entworfen, ist aber altersweise und weniger verbittert, nur ein kritischer Zeitbeobachter, wie viele andere Schlossbeobachter auch. „Die Deutschen lassen ihren Hass immer an Steinen aus“, konstatiert er. Wenn er mal recht hätte, die Deutschen haben leider bei den Steinen nicht Halt gemacht mit ihrem Hass.

Wie auch immer, es gab keinen Grund, den Palast abzureißen. Die Asbest-Gefahr war vorgeschoben und die demokratische Abstimmung war unter viel Fraktionsdruck entstanden.

Auf eine entsprechende Frage antwortet Prasser: Für mich persönlich ist es nicht so schlimm. Für mich ist die Frage viel wichtiger, warum das wiedervereinte Deutschland eine kulturhistorische Sensation wie den Palast vernichtet hat. Der Abriss war dasselbe wie die Sprengung des Stadtschlosses durch Walter Ulbricht. Das neue Deutschland hat hier genauso politisch aggressiv auf die Vergangenheit reagiert wie der DDR-Machthaber damals.

http://schlossdebatte.de/wp-content/uploads/2008/07/fred-rubin-bild-2-300x300.jpg(Hier ist er noch zu sehen - Der "Palast im Exil" des Berliner Künstlers Fred Rubin in der südfranzösischen Stadt Bandol )

Und er stellt mutig fest, dass der Impuls für den Abriss knallharter Kommunistenhass gewesen sei. Das glaube ich nun wieder nicht so ganz. Es war eher eine Mischung aus Eroberer-Euphorie und Markierungs- und Marketing-Wahn bei einer höchst rückwärtsgewandten Weltsicht und einem gesunden Gewinnstreben.

Wie auch immer: Eine neue Kuppel ist jetzt zu sehen in Berlin. Das Schloss ist noch lange nicht fertig und eine Zeitung bangt, dass das Ganze bald zu einer Art Volkshochschule würde. Zuviel Pädagogisches zu wenig Freude am Ausstellen, meinen sie. Andere beklagen zu wenig Ambition auf Aufklärung - z. B. die Kolonialgeschichte.

Aufgeklärt hat Manfred Prasser in einem Satz auch die Qualitäten des Schloss-Initiators, in dem er sagt: Wilhelm von Boddien ist ein Übel für Berlin. Das reimt sich sogar. Wenn man darüber mehr erfahren will, lese man Mathew D. Rose Berlin - Hauptstadt von Filz und Korruption

Da kommt er über einige Seiten vor. Da ist er einer von diesem Klüngel, die prima von Berlin gelebt haben und sich aber als Wohlltäter und Partner verstanden haben. Das war im alten Westberlin so und hat sich bis auf den heutigen Tag so gehalten.

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Darauf einen Schuss Sekt. Schlossperle oder so.

16:20 19.06.2015
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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