Definitionsmacht

Medien Das Buch „Ego“ von Frank Schirrmacher ist noch gar nicht auf dem Mark. Nur „Eingeweihte“ kennen es. Ich frage mich, warum ich mich über diesen „Ego“-Trip so ärgere.
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Was ist das für einer, der – natürlich zur rechten Zeit – die Kelle in die politische Suppe taucht und kostet und dann meint, dass es jetzt was bringt, wenn er den Zeitgeist von links besteigt. Und zwar so, dass alle denken, er hats erfunden. Die meisten Zeitgenossen sind auch schon auf der gleichen Seite, jetzt fehlt nur noch einer, der das dramatisiert. Also, nicht hinterher, sondern vorne dran. Sich selbst kreierende Avantgardisten sind das. Ach, mir ist das zuwider.

Ich bin sonst nicht neidisch. Sollen Leute ihr Geld horten, versaufen oder sich was Nettes davon leisten, sollen sie ihr Heim kulturvoll und gemütlich herrichten und die Welt bereisen.

Aber, ich bin zornig, wenn ich feststelle, dass jemand die Macht hat, Debatten zu ersticken , wenn er findet, dass das jetzt nichts bringt oder dann anzufachen, wenn das Feuerchen auch ihn wärmt. Das ist natürlich naiv, aber es ärgert mich trotzdem.

Definitionsmacht heißt diese beneidenswerte Fähigkeit. Sie kommt ja nicht nur aus jemandem selbst, sondern kommt davon, dass sich jemand zu einem Punkt hin gearbeitet hat, dass er die Themen setzen kann. In der Politik und in der medialen Welt. Und da bin ich definitionsneidisch für all die anderen klugen, empörten, kurzen und langen, wissenschaftlichen, populärwissenschaftlichen und populistischen Hervorbringungen zum Thema Kapitalismus der Gegenwart. Es gibt gute Arbeiten dazu. Aber, nein, nein, nein – es muss Schirrmacher sein, der eine Zeitströmung heiligt.

Frank Schirrmacher ist ein belesener Mann, aber mir einfach zu zeitgeistpfiffig und das finde ich weder klug noch weise.

11:36 13.02.2013
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Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.(George B. Shaw)
Magda

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