Deutschland schlafft ab

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Deutschland schafft sich ab. Man muss mal paar Tage „in sich“ gegangen sein, um zu erkennen, dass die Bedeutung dieses Satzes auch ganz woanders liegen kann.

Es ist so: Ich war ein bisschen krank- der Norovirus - ein echtes Elend, hat mich heimgesucht. Man wird viel Ballast los mit solch einer Krankheit. Man muss nur entscheiden, durch welche Körperöffnung man sich zuerst der Beschwernisse entledigt, dann isses nach einer Weile wieder gut. Und dann muss man – die alten Asketen haben schon Recht – ein bisschen fasten. Ein einziger Fasttag kann schnell alle Übel brechen, stand in einem alten Klosterbuch, das ich mal in den Händen hatte. So habe ich es denn auch gehalten. Und fastete brav vor mich hin. Ich hatte allerdings vergessen, dass man mit Nichtessen auch in anderen Zusammenhängen aus der Übung kommt.

Das Verhängnis und die Erkenntnis nahen, wenn man wieder Appetit kriegt und unvorbereitet auf Nahrungsmittel stößt, die man sich noch eine Weile, vielleicht auch für immer, verkneifen sollte. Die heutige Instant-Brühe war vom Bioladen, ich verknüpfte damit Hoffnungen auf Magenfreundlichkeit und Chemieferne. Kräuterquark ging auch undirgendwelche Convenience-Gemüse-Buletten – auch noch na ja.

Aber dann gab’s Leberwurst aus einer Stanniolverpackung, die toll roch (nicht die Verpackung, die Wurst) und ich dumme Nuss konnte dem nicht widerstehen. Nach zwei Tagen geschmackssensibilisierender Abstinenz erlebt man Geschmacksverstärker als rauen Überfall auf die Zunge. Nie wieder das, nee. Die Praxis hat mich belehrt mehr als jeder Vortrag.

Zurück zu Deutschland schafft sich ab. Es entstand die Frage in mir, ob sich obiger Buchtitel nicht eher als Anklage an die Nahrungsmittelindustrie eignet, denn von denen kommt Befremdlicheres in die Tüte als aus der Türkei und allen arabischen Ländern zusammen.

Vielleicht kann man ja auch den Titel abwandeln: Deutschland schlafft ab. Das kommt vielleicht besser hin bei der künstlichen Kost. Am Ende gibt’s noch Viagra an die Bockwurst, damit die schön knackig in der Packung steht.

13:34 27.10.2010
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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anne-klatsche | Community