Die Botschaften der Modeindustrie

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Ich bin ziemlich unsicher bei „Dresscodes“, aber es gibt so eine Art General-Erzählung über die Sicht von Modegestaltern auf die Leute, die sich in ihren Kram hüllen sollen. Und da sehe ich andauernd höchst interessante Botschaften.

Wenn Mode – wie ein kluger Mensch mal gesagt hat – in Falten gelegter Zeitgeist ist, dann leben wir im Zeitalter neckischer Scherzkeksereien und zunehmender Infantilisierung. Man braucht nur zwischen den Angeboten im Warenhaus herum zu geistern, da kommt man auf so was:


Botschaft Nr. 1: Schrumpfen!!!

Die Mode verkündet zum Beispiel in dieser Saison: Leute seht zu, dass Ihr weiter schrumpft!!!!. Auch eine größere Kleidergröße ist überhaupt keine Garantie, dass man da reinpasst. Es ist heute eher individuell von Label zu Label verschieden, wie man eine Konfektionsgröße „auslegt“ . Das was Sie unter geräumigeren Klamotten verstehen, ist absolut nicht angesagt.


Botschaft 2: Kichernde Rüschen

Die Mode sagt auch: Freut Euch nicht, wenn Ihr hübsche Stoffe seht, so von fern an einer Bluse zum Beispiel. Wir sind in Scherzstimmung und wenn Ihr beglückt nach mir greift, werdet Ihr sehen, dass eine höchst hässliche Rüsche den Kauf noch verderben kann. Das ist uns der Humor wert. Diese Rüschen!!! Sie beben an der Bluse wie ein einziger Lachanfall. Kicherrüschen sind das.

Klare Linien – ich bitte Sie, was ist das denn in diesen Zeiten. Sie können die Rüschen ja abtrennen und unten annähen – da ist ohnehin ein bisschen kurz. That’s patchwork.


Botschaft 3 :Querzüge von Querdenkern

Oder die Mode sagt :Wir spielen ein bisschen Taillen-Lotto. Wir sind im Zeitalter des Querzuges, der Tunnelgürtel und der Einteilung der Kundinnen in ein Oben und Unten – nee nicht sozial - am jeweiligen Körper. Jeder soll sehen, wo eine Frau ihre Mitte hat oder wo man sie vermuten könnte oder wo sie – sinn- und figurentstellend – der Modegestalter ansetzt.

Wenn ich mir so was überziehe verspottet mich das Teil: „Auch diesmal sind Sie nicht unter den Gewinnern, nein, auch nicht mit der Zusatzzahl. Da wo der taillenbetonende Gummi anfängt, befindet sich bei Ihnen bereits der Bauch.Nicht traurig sein, vielleicht gewinnen Sie beim nächsten Mal.“

Alle Sachen kriegen einen Querzug als sollten die Damen, die sie tragen,demnächst von einem Zauberkünstler zersägt werden und brauchen eine Markierung.

Furchtbar. Man nähert sich hoffnungsfroh einem Kleiderständer mit T-Shirts. Und dann guckt man sich das an. Oh Gott: Gummirüschen quer kleine Kordeln quer. Manche sind niedlich unter der Brust gerafft, eine ganz besonders tückische Querzugsvariante.

Die Modedesigner halten sich offensichtlich alle für Querdenker.


Botschaft 4: Anziehsachen für Große

Der nächste große Schrei ist das, was ich mit Infantilisierung schon angedeutet habe. Kinderkleidchenhaft sieht das aus. Diese Klamotten passen zu dem schönen Wort „Anziehsachen“, das jetzt sogar von Erwachsenen aus dem Kinderzimmer in die Umgangssprache transferiert worden ist. (Ooch so niedlich, gaannz, gaanz viele Anziehsachen hat die Kleine). Heute reden viele so.

Früher hieß das mal .Bekleidung oder eben Klamotten Heute sind das „Anziehsachen“. Ich behaupte, manchmal sieht das aus, als wollten einen die Modefuzzis mit diesen Anziehsachen aufziehen. Aber wirklich,

14:55 29.08.2009
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Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

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meisterfalk | Community
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