Die Bundeswehr und Ägyptens Militärs

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Geduld ist das Wichtigste bei Umbrüchen. Bloß nichts überstürzen. Volker Kauder, Chef der CDU-Fraktion im Bundestag, reihte sich gerade ein in die Menge der Bedenkenträger. Er hat sicher nicht unrecht. „Gut Ding will Weile haben“. Nur steht gerade die Frage an, was „Gut Ding“ ist. Ist es das, was Mubarak gerade vormacht? Aussitzen, Verzögern Scheinbar delegieren, alles in der Hand behalten? Oder wäre es doch ein „besser Ding“, wenn sich Strukturen wirklich änderten, wenn oppositionelle Kräfte ernsthaft einbezogen würden in einen Dialog mit dem demokratische Verhältnisse vorbereitet würden.

Der mediale Grundton hierzulande ist reichlich entlarvend. Abwarten sagen die Politiker, während die Bundeswehr eine höchst aktive Pressearbeit betreibt. Sie rechnet es sich als höchst demokratiefördernde Aktivität an, dass sie über 30 Jahre lang ägyptische Offiziere ausgebildet hat. Auch jetzt sind gerade welche bei der Bundeswehr zugange. Bevor das öffentlich kritisch angemerkt wurde, hat sich das Verteidigungsministerium schon mal rausgehängt - wie der Kuckuck aus der Uhr - und kundgetan, dass es bei der Ausbildung nicht nur um rein militärische Aspekte, sondern auch darum ginge, demokratische Werte in Deutschland zu erleben und zu übernehmen. Ist das nicht gut, dass die jetzt so schön vor Ort sind und die Odnung aufrecht und sich selbst neutral verhalten.

Stimmt das alles so? Inzwischen sind gegenüber dem Militär aber genügend Anklagen nachzulesen. Folter und Verschleppung gehörten auch zu ihrem Repertoire.

Auch die Amerikaner halten es für eine ihrer demokratieförderndsten Leistungen, dass sie in ihrer Army auch ägyptische Militärs ausgebildet haben. Warum bloß sind die Taliban nicht zur US-Armee befördert worden, aufgebaut und unterstützt hat man sie doch ohnehin umfassend. Das könnten jetzt alle Demokraten sein. Mist aber auch.

Tatsache ist, dass die Menschen – die auf der Straße und auf dem Tahrir-Platz – schon wieder zu Objekten gemacht werden: Der Fürsorge, der Beeinflussung, der wackeren Ansprache, verbaler Sedierung.

Als gestern über ntv andauernd die Unterzeile tickerte: Ägyptischer Generalstab meint: Morgen ist alles vorbei“, dachte ich bei mir. Wollen die morgen den Platz mit Gewalt räumen oder sich – an die Prinzipien der „inneren Führung“ erinnern - und diskutieren?

Keine Ahnung. Aber ist schön, dass die Bundeswehr so unglaublich weitsichtig ist und schon vor 30 Jahren begonnen hat, wahre Demokraten und Bürger in Uniform bis nach Ägypten zu transponieren.

10:36 11.02.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

Kommentare 7

Avatar
monsieur-rainer | Community
Avatar
Avatar