Die Liebe:ein Stammtischgespräch mit Rätsel

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Wir drei Weiber - Emma, Elsa und ich - saßen mal wieder in unserem Stammlokal, als im Radio ein alter Evergreen erklang. "A thing called love" von Jonny Cash. Und, weil unser Gespräch noch gar nicht so richtig in Schwung gekommen war, brachte ich eine Debatte aufs Tapet, die mal in einem Internetforum eine Rolle gespielt hatte. Es ging um die Literatur und die Liebe.

"Kann man über die Liebe schreiben ohne die immer gleichen Klischees zu bemühen, so von Herz und Schmerz, Kribbeln im Bauch und so weiter?" fragte ich in die Runde und seufzte dann scherzhaft: "Ach ja, die Liebe, wie kann man sie beschreiben, wie bloß."

"Ach ja", fiel Emma spöttisch ein". Also wirklich, wenn ich dazu was sagen sollte, dann immer nur "Ach ja".
"Ach ja, was?" - bohrte ich nach.
"Ach ja, heißt "Nein, nein und nochmals nein, es hat sich ausgeliebt, ich bin froh, wenn ich keinen Mann sehe. Es gibt weiß Gott bessere Zustände als Verliebt sein. Das ist doch nichts als Stress, das wissen wir doch alle."

"Also ich finde, Du übertreibst", wandte Elsa ein, die bis dahin still vor sich hin gegrinst hatte. "Das ist doch ein schönes Gefühl, wenn es einem so durch und durch geht, wenn es im Magen kribbelt, wenn man auf einen Anruf wartet..."

"Der meist zur gar nicht oder zur Unzeit kommt", unterbrach sie Emma abrupt und jammerte: "Die Liebe war für mich rein physisch schon immer eine Herausforderung".
"Stimmt", stimmt", meinten wir zwei anderen kichernd. Du liebst es ja nicht, Dich zu sehr anzustrengen. "Die Liebe ist vor allem bewegend", kalauerte ich, "manchmal zumindest, man soll sich ja bewegen."

"Hör auf mit den blöden Witzen, das meine ich nicht", präzisierte Emma ärgerlich, "seit ich denken kann, musste ich immer, wenn ich besonders leidenschaftlich verliebt war, permanent aufs Klo".
"Herrgott, prustete ich". Sind denn alle Kerle bei Dir 'durchgefallen'?"
"Nee, so schlimm wars nun auch wieder nicht, ich brauchte keine Kohletabletten, das wäre nun der Tod von aller Leidenschaft gewesen. Aber ich musste pinkeln, pinkeln und immer wieder pinkeln."
"Ja, und wenns zu Ende war, hörte der Harndrang auf, aber die Träne floß.", setzte ich noch eins drauf.

"Genau", stimmte Emma zu. "Einmal, ich weiß es noch wie heute, bin ich während der Abschiedsrede eines Lovers fünfmal aufs Klo gegangen. Immer wenn ich zurückkam, sprach er weiter und als er meinte, wir sollten ewig Freunde bleiben, rauschten seine Worte an mir vorbei, wie die Klospülung. Geheult habe ich extra noch. Wirklich, eine echt feuchte Angelegenheit".

"Nicht weniger feucht, als der Waldboden, auf dem ich es mal mit einem getrieben habe "überwältigten Elsa die Erinnerungen. Das ist doch alles so elend ungesund. Man liegt da rum, der Boden ist aufgeweicht. Man selbst ist auch in Auflösung und muss befürchten, zu Humus zu werden.

"Na, na, das ist ja nur der 'kleine Tod", nun bring' mal die 'letzten Dinge' nicht auch noch ins Spiel", bremsten wir sie "mit dem Humus das kommt später".
Aber Emma war in Fahrt und klagte: "Und, man wartet, dass man endlich kommt, aber meist kommt vorher eine Ameisenherde und das ist dann zwar kribblig, aber darauf hat man nicht gewartet". "Nee, nee, am Ende weiss man, warum die Altvorderen warnten, dass die Liebe ein Sumpf ist. "

"Es heisst ja auch Herumsumpfen", kicherte Elsa.
Aber trotzdem, es ist doch schön, wenn man so Feuer fängt", versuchte sie die Debatte wieder ein bisschen zu erwärmen.

"Feuer ist ein gutes Stichwort. Wenn ich an die vielen Zigaretten danach denke. Allein das war so unendlich ungesund", gab Emma kühl zu bedenken.

"Und was machst Du heute danach?", zogen wir sie auf.
"Wonach?" - konterte sie.

"Ich hatte mal einen Liebhaber", fiel mir ein "der war bei der Feuerwehr. Und wenn mir nach der 'Zigarette danach' zumute war, setzte der sich auf den Bettrand und wartete geduldig, bis ich fertig war mit Rauchen". Soviel Gewissenhaftigkeit hat mir echt imponiert, aber ich musste immer ein bisschen grinsen und das ist der Romantik nicht gerade förderlich. Aber gerade der hat mich nun wirklich heiß geliebt."

"Heiße Liebe ist gar nicht so einfach zu erzeugen, wenn man dabei nicht selbst noch Brandblasen haben und in die Luft gehen will vor Schmerz", wechselte Elsa die Elemente.

"In die Luft bin ich immer gegangen, wenn ich gewartet und gewartet habe. Und was macht er, der Kerl? Er kommt nicht", maulte Emma.

Dabei sagen die großen Romantiker immer "Liebe wäre besser als fliegen", gab ich zu bedenken.

"So ein Quatsch." Ja, man fliegt auf einen und dann merkt man, dass der einen hängen lässt, jammerte Emma weiter.

"Mann, bist Du heute pessimistisch", meinte ich" und überhaupt, Du hast doch gerade abgeschworen."
"Das will ich nicht sagen", meinte sie, "vielleicht ist eine gute Landung bei einem netten Mann besser als alle himmelhochjauchzenden Liebesanfälle".

Elsa und ich blickten erst uns und dann sie erstaunt an.

In diesem Moment betrat ein Mann das Lokal. Einer vom Typ "zuverlässig", aber nicht uneben.
Er sah zu uns hin und lächelte. Dann steuerte er gelassen unseren Tisch an.
Emma klapperte mit den Wimpern, stand rasch auf und murmelte: "Ich bin gleich wieder....." und verschwand in Richtung Toilette.

Rätsel: Was denkt die Community, was ist elementar an dem Weibertratsch?

19:58 31.10.2009
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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