Die Londonreise – mit viel Abschweifung

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Da hier im Moment viel gereist wird, steure ich auch was bei, das ich noch auf der Festplatte hatte...

1. Über Sinn und Unsinn von Ortsveränderungen

Über Ortsveränderungen meditieren sowohl Menschen, die solche gern hin und wieder vornehmen, als auch Menschen, die lieber zu Hause bleiben.

So gibt es zum Beispiel Mitteilungen unkomplizierter Zeitgenossen, die nichts als Neugier und der Hang nach Abenteuern in fremde unbekannte Gegenden treibt. Solche extrovertierten Reisenden lehnen es ab, die Bewegungen, die sie im Raum machen auch noch durch allerlei Seins- und Zeitfragen zu beschweren. Ihnen genügt die Last des Gepäcks als Symbol allgemeiner Bedeutungsschwere.

Die Introvertierten aber, die das Reisen lieber vermeiden, bescheiden sich, wenn sie es tun müssen, nicht mit Landschaft, Architektur oder anderen Sehenswürdigkeiten. Sie verbinden das eigene Ego mit ihrem Entschluss oder Zwang, Orte zu wechseln auf sophistischste Weise, womit sie die Debatte allerdings nicht immer bereichern. Von ihnen gibt es eine Fülle von Äußerungen über das Reisen, die sich mit so profanen Dingen wie „Mal nachsehen, wie die anderen Leute leben“ oder Nachfragen ob die Bergaufstiege inklusive sind“, selbstverständlich nicht abgeben.

Man muss nicht überall
zu sich selbst finden

Zeitgenossen, die nicht gern reisen, meinen, man könne sich nicht entfliehen, auch wenn man noch soweit fahre, man sei verdammt, mit sich zu leben und jage darum in den fernen Weiten einer Illusion nach. Dem widersprechen andere ganz energisch. Sie sagen, gerade in der Ferne fände man unter Glücksumständen zum ersten Mal im Leben zu sich selbst, entdecke zumindest Seiten in sich, von denen man bis dato nichts wahrgenommen habe.

Das allerdings kann auch ein Segen sein. Manche Seiten in einem sind keine Schätze, die es zu heben gilt, sondern gleichen schlafenden Hunden.

Auch andere Leute
"geistreicheln" herum

Dies alles bewegte ich in meinem reiseunlustigen, introvertiert gestimmten und literarisch kontaminierten Gemüte als wir uns nach London aufmachen sollten. Deshalb wohl schrieb ich den Satz vom in die Ferne reisen, um zu sich zu kommen, irgendwo auf dem Wege fast schon zwanghaft nieder, damit er mir nicht entkäme. Als ich im Londoner Quartier, bei stilvollen Leuten, die neueste „Vogue“ aufschlug, las ich so ähnliches in einer Betrachtung über die Urlaubssehnsucht der Menschen. So kam ich zu mir selbst und der nützlichen Einsicht, dass man sich zumindest des eigenen Gedankenreichtums nicht gar zu sicher sein sollte. Auch andere Leute plündern die an den Allgemeinplätzen liegenden Blüten . Willkommen im Ursprungsland der Ironie dachte ich. Ein guter Auftakt.

Online Buchungen
- nicht immer unfallrei

Genug des Gedankenreichtums - jetzt aber nichts wie ab zu den Fakten. Die waren schon zu Beginn deprimierend. Die Flugreise, welche schon vor einem halben Jahr gebucht war, ein Billigangebot im Netz , hatte schon seit Mai keinen Londonflug mehr von diesem Flughafen aus angeboten. Das aber wurde uns als Kunden nicht bekannt gemacht. Wir hatten trotzdem Glück, dass die Fluggesellschaft uns zum gleichen Preis – allerdings auf dem Umweg über einen anderen Flughaften der Stadt und dann auch noch Frankfurt am Main mit einer atemberaubend kurzen Umsteigzeit – doch noch nach ein Ticket nach London ausstellte. Das sind die Herausforderungen der Neuzeit, die es nicht sehr poetisch zu bewältigen gilt. Spätabends kamen wir in London an, um uns in ein Taxi zu werfen und unserem Quartier entgegen zu eilen.

Ein Edwardian House
sehr reinlich

Ein Edwardian House war angekündigt, das mit vielen anderen in einer kleinen Strasse zu finden war. Britischer konnte es nicht sein. Die Bewohner müssen ein unglaublich sauberes Volk sein. Die Bäder, schien mir, nahmen in diesem Hause den meisten Platz ein. Wir wohnten im zweiten Stock und hatten dort – wie versprochen - ein stilvolles Zimmer, ein Bad für uns allein und fielen nach dessen erstmaliger Benutzung sauber und müde ins Bett. (Fortsetzung folgt)

15:14 20.02.2010
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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