Drei Zigeuner

Sprache Gestern haben wir – beim monatlichen Singekreis der Damen – mal wieder das Lied von den drei Zigeunern gesungen.
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Hier ist eine Kurzfassung, gesungen von Esther Ofarim.

Der Text ist von Nikolaus Lenau

Und während wir so vor uns hin sangen, dachte ich an die gegenwärtige Debatte um die Frage, welche Begriffe in alten Büchern bereinigt werden sollten, weil sie aus der heutigen Sicht rassistische Vorurteile transportieren könnten. Es ist sicherlich nicht alles über einen Leisten zu scheren.

Das Lied des Romantikers Lenau, so schön so traurig. Handelt es denn von drei wirklichen „Zigeunern“?. Es ist doch die träumerische Lebensfantasie eines Fuhrmannes, der mit „müder Qual“ durch die sandige Heide fährt. Seine Müdigkeit, seine Unlust an der täglichen schweren Verrichtung, am Alltag projiziert er auf die drei Gestalten am Wegesrand, die ihm so frei so ungebunden und mutig erscheinen.

Vielleicht stammt aus jener Zeit auch das Lied, das wir als Kinder oft sangen:

Lustig ist das Zigeunerleben.

Faria, faria ho

braucht dem Kaiser kein Zins zu geben,

Faria, faria ho

Lustig ist es im grünen Wald

wo des Zigeuners Aufenthalt

Auch das eine Fantasie über Freiheit, die einem selbst in allen Zwängen nicht zuteil wird.

Wehmütig in Besitz genommen wird „der Zigeuner“ als Symbol in der Operettenmelodie „Komm Zigan, komm Zigan, spiel mir was vor.“ (Gräfin Mariza). Sentimentale Ansprache an einen, der Gefühl, Liebe und Sentimentalität verkörpert.

Noch schöner ist das Thema in einem russischen Lied behandelt: „Drei Zigeuner in der Nacht“ Hier eine kurze deutsche Variante mit Anett Louisan

Nur vor diesem Hintergrund

ist "Antiziganismus" zu verstehen

Der Begriff „Antiziganismus“ ist - wie ich denke – solch eine Konstruktion, die sich auf diese Zuschreibungen und Wahrnehmungen bezieht und nicht auf Zugehörige von Volksstämmen. Sie bezieht sich auf unsere Sicht auf die "Fremden, Anderen" . Sonst ginge so ein Wort gar nicht, wäre selbst diskriminierend.

Das Spiel mit dem Tabu und dem richtigen Wort – den Begriff PC finde ich auch nicht so gut - hat viele Facetten.

Der von mir so verehrte österreichische Sänger Ludwig Hirsch hat eins seiner Lieder „Mein Freund der Zwerg“ genannt. Bitterböse, weanerisch, gut. Da erzählt er, wie er einmal seinem "Freund dem Zwerg" eine Geburtstagsfreude machen wollte. Er schlich sich in seine Wohnung und sägte allen Möbelbeine 10 cm kürzer. Er sollte denken, er sei plötzlich gewachsen.

Ein bisschen von diesem Geist ist in den Prahl-Liefers-Tatorten enthalten mit der kleinwüchsigen Assistentin, die immer mal „Alberich“ genannt wird.

Wie dem auch sei: Von Lenaus Lied mag ich vor allem die vorletzte Strophe so gern:

„Dreifach haben sie mir gezeigt

Wie man das Leben betrachtet

Wie mans verraucht, verschläft und vergeigt

Wie man es dreifach verachtet“

Genau. Fiedelt weiter Ihr drei Gesellen und lasst uns vom Ausbruch träumen wie die legendäre Alexandra mit ihrem Zigeunerjungen.

Eure Geschichte und Gegenwart ist eine bitter andere.

Angeregt hat mich auch dieser Beitrag und die entsprechenden Debatten. https://www.freitag.de/autoren/tomach/pc-in-kinderbuchklassikern

Und hier ist der Beitrag von Matthias Dell

https://www.freitag.de/autoren/mdell/heute-held-morgen-zensor-der-umgang-mit-rassismus

13:26 12.01.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

Kommentare 9

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