Eine Konferenz in den USA und eine DDR-Reminiszenz

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Der deutsche Verleger KD Wolf durfte nicht zu einer Konferenz über Bürgerrechte, die das Vassar College in der Nähe New Yorks durchführte. Dessen Mitveranstalter ist das Deutsche Historische Institut in Washington. Dass man dem bekannten Verleger die Einreise veweigerte, berichten heute Nachrichtenagenturen. KD Wolf war in den sechziger Jahren Vorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes und hatte ein Solidaritätskomitess für die Black Panther Bewegung gegründet.

Mit der Zurückweisung des Velegers beginnt auch ein aktueller Bericht in der Frankfurter Rundschau zu diesem Kongress. Im Vassar College wurde - so der FR-Autor - unter anderem auch die enge Verknüpfung zwischen dem Kampf der Bürgerrechtler in den USA und Deutschland thematisiert.

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Dass es zwischen der USA-Bürgerrechtsbewegung und der DDR ebenfalls Verbindungen gab, wurde auf der Konferenz deutlich. Es sprach dort nämlich auch die amerikanische Kommunistin und Bürgerrechtlerin Angela Davis.

Sie erinnerte u. a. an die Solidarität der DDR in den Jahren als sie wegen Beihilfe zum Mord angeklagt war und im Gefängnis saß. Die Anklage gegen sie beruhte auf sehr schwachen Indizien. Im Jahre 1972 wurde sie - aufgrund der weltweiten Proteste gegen ihre Inhaftierung - aus dem Gefängnis entlassen.

de.wikipedia.org/wiki/Angela_Davis

Ich erinnere mich noch an das Lied: "Aber Angela ist frei", das von einem FDJ-Singeklub damals intoniert wurde. Angela Davis war auch zu Gast bei den Weltfestspielen in Berlin im Jahr 1973.

Hin und wieder lästerten wir ironisch über dieses propagandistisch breit ausgeschlachtete Engagement. Aber insgesamt galt der Einsatz für die Befreiung von Angela Davis als etwas, das man mit tragen konnte. Es war gewissermaßen "in Ordnung". Jetzt hat sich - so meldet die FR in ihrem Bericht - Angela Davis auf dem Kongress in Vassar sehr begeistert an die damalige Solidarität der DDR erinnert.

Das kann man nicht so stehen lassen, scheint der Autor Sebastian Moll gemeint zu haben und merkt pflichtschuldig an, dass sich Angela Davis von Honecker hofieren ließ, um dann zeitgeistmäßig-korrekt die Sache einzuordnen: "Und anscheinend hat sie noch immer ein eher unkritisches Verhältnis zur Ostberliner Republik. In ihrer Rede in Vassar schwärmte sie von den Zehntausenden von Postkarten ostdeutscher Kinder, die sie erreichten, als sie 1971 in einem US-amerikanischen Gefängnis saß. Dass dies gewiss keine spontanen Solidaritätsbekundungen waren, möchte sie nicht glauben. Bis heute, so die Kernbotschaft ihrer Erinnerungen, machten diese Postkarten ihr Hoffnung auf eine wahrhaft internationalistische Befreiungsbewegung. So outete sich die emeritierte Philosophin und Kulturwissenschaftlerin beinahe auf den Tag genau 20 Jahre nach dem Mauerfall als vielleicht letztes Opfer der DDR-Propaganda. Ein trauriges transatlantisches Missverständnis."

Was ist daran missverständlich? Vielleicht haben die vielen Karten Eindruck gemacht, vielleicht hatten die Kinder dabei die besten Absichten, auch wenn Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen zu diesen Aktionen angeregt haben. Was ist daran im Nachhinein noch so verdammenswert, dass es den Autor in der FR einen ganzen Absatz wert ist? Waren die Karten damals illegal, weil Kinder sie schrieben, die in einem Unrechtsregime lebten?

Ich weiß es nicht. Ich habe mal ein im kleinen Kreis vorgetragenes Lied zum Thema geschrieben.

Gebt uns doch einmal die Chance
ganz spontan uns zu empörn
über Ungerechtigkeiten
in aller Welt von denen wir hörn

Macht uns nicht zu Marionetten
vertraut auf unsere Menschlichkeit
das sind große gute Kräfte
und ein Vorzug unserer Zeit...

(Naja, eben ein bisschen Anti-Agitprop mit Agitprop-Charakter. )

Gemeint war damit das Überorganisierte bestimmter Kampagnen. Aber ein Missverständnis war es nicht. Die Kinder wurden dazu nicht gezwungen. "Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker" hieß mal ein Dokumentarfilm zum Thema.

Mir ging dieses heutige Nachtreten nahe. Ich fühlte mich richtiggehend mies, als ich heute diesen - auf den neuesten Stand der DDR-Sicht gebrachten - Beitrag las. Es soll nichts bleiben. Es bleibt eine Kränkung...

14:10 07.10.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

Kommentare 9

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