Eliten und die Rechten

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Mit Bezug auf Jakob Augstein

Es ist schon merkwürdig. Viele viele Jahre lang beschäftigte sich die politische Klasse oder was man das juste milieu nennt, mit der Entwicklung des Rechtsradikalismus im Osten. Besorgt und anklagend verwies man auf eine Szene, von der man den Eindruck bekommen musste, dass sich alle Rechten von ganz Deutschland in den Osten ins muffige Exil begeben hätten.

Aber auch die Initiativen gegen Rechts, die sich dort entwickelten, wurden eher kritisch betrachtet, als solidarisch unterstützt. Die Vorwürfe nahmen teilweise schon wieder in sich archaischen Charakter an, der behauptete Mord an dem kleinen Josef in Sebnitz gehörte in diese Zeiten. Die Behauptung eines Pfarrers, er habe mit seiner dunkelhäutigen Frau und seinen Kindern über Nacht vor dem Mob im Rudolstadt flüchten müssen, verdeckten rechtsradikale Straftaten in alten Bundesländern. Es gab auch in Baden-Württemberg, in Bayern und Niedersachsen eine aktive Neonaziszene.

Im Schatten dieser Entwicklung hat sich innerhalb der Eliten, von denen Jakob Augstein meint, sie hielten sich noch von den Thesen eines Sarrazin fern, eine Entwicklung vollzogen, die jede Verbindung zur extremen Rechten meidet - man ist das der Historie schuldig - aber deren Inhalte zunehmend aufgreift, in ein intellektuell kleidsameres Gewand hüllt und damit die gesellschaftlichen Debatten zunehmend auflädt.

Und gleichzeitig verpackt man die "beiden Diktaturen" in ein handliches Paket, beschickt damit die ständige Aufregung über die „Unbelehrbaren im Osten“ . Auch das ein willkommener Vorhang, hinter dem sich etwas entwickelt, was einen tatsächlich mit Furcht und Besorgnis erfüllen muss.

Die schleichende Entsolidarisierung der Eliten und ihr Rechtsdrall. Auch diese Entwicklung braucht ja eine Legitimation. Wenn sie Sarrazin nicht liefert, der (noch) zu grobschlächtig ist, dann vielleicht ein Sloterdijk mit seinen Steuerthesen oder ein Westerwelle mit seinen spätrömischen Dekadenzsprüchen. Auch Westerwelle knöpft an Traditionen innerhalb der FDP an, die sich – glücklicherweise oder (noch) nicht - durchsetzen konnten.

In den 70er Jahren gab es eine Bewegung in der FDP, deren sehr bekannt gewordener Aktivist Alexander von Stahl einen Rechtsruck in der Partei initiieren wollte. Kann man hier u.a. nachlesen. Alexander von Stahl.

Und hier ein Veranstaltungshinweis der Rosa Luxemburg Stiftung zum Thema:

„Sloterdijk, Sarrazin, Westerwelle - gibt es einen Rechtstrend bei Teilen der Eliten?“

Motto: In einer Demokratie findet Unterdrückung mit Billigung der Mehrheit statt.

13:07 25.12.2010
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

Kommentare 8

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hibou | Community
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