Erhellende Diskussion mit dunklem Zuschauerraum

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"Beherrscht Euch! Macht und Gegenmacht I"

Die Politik und die Stasi

Freitags-Salon gestern im Ballhaus Ost

Wenn man den Namen Kerstin Kaiser (DIE LINKE) bei Wikipedia eingibt – eröffnete Jakob Augstein gestern das Gespräch mit der Politikerin aus Brandenburg - wird als erster wesentlicher Punkt ihre Zusammenarbeit mit der Stasi aufgeführt. Ihr Umgang damit, aber auch die Frage, wie sie zu den erneuten Enthüllungen über die Stasi-Verstrickung von Mitgliedern der Linkspartei in Brandenburg stand, war gestern auf der Tagesordnung.Mich persönlich beschäftigte dabei die Frage, warum eine Person mit diesem Hintergrund, sich weiter politisch so intensiv engagiert, im Bewusstsein,dass sie immer und immer wieder angreifbar ist, politischen Gegnern die Möglichkeit gibt, Sachfragen zu vermeiden und sie persönlich anzugreifen.

Ihre Antworten dazu waren nachdenklich, aber am Ende verwies sie auf die umfangreiche Offenbarung ihrer Vergangenheit und auf die Tatsache, dass sie dennoch das Vertrauen ihrer Wähler gewonnen hat und sich ihnen verpflichtet fühlt. Sie hat ja auch in den Neunzigern alles aufgedeckt, sich aus der Bundespolitik zurückgezogen und von unten beginnend wieder einen Platz im Landtag erobert.

Dass die erneute Stasi-Debatte im Brandenburger Landtag logischerweise mit der Rot-Roten-Regierungsbildung zu tun hat, liegt auf der Hand. Kerstin Kaiser stellte auch noch mal klar, dass fünf der jetzt angeblich sieben neu aufgedeckten Fälle gar nicht „neu“ sind, sondern von den Medien noch einmal aufgegriffen wurden. Es bleibt aber dabei, dass es zwei bisher nicht offenbarte Stasi-Kontakte gab, die es leicht machten, die gesamte Art des Umgangs mit dem Thema im Brandenburger Landtag zu diskreditieren.

Sie hat vollkommen Recht, wenn sie den moralisierenden Umgang mit der Vergangenheit - dazu noch reduziert auf die Stasi-IM-Geschichte – als Hindernis für eine wirkliche politische Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte nennt.

Eine Debatte, die politisch so instrumentalisiert ist, kann nicht offen sein und wenig klären. Absolut zutreffend finde ich Kerstin Kaisers Anmerkung, dass die Kritik am Abbau demokratischer Rechtein der Gegenwart mit dem Verweis auf die DDR-Vergangenheit abgewürgt wird. Jakob Augstein frage in dem Zusammenhang aber auch noch einmal nach, warum die Linkspartei die Verteidigung der Bürgerrechte nicht deutlicher zum Thema macht und traf, wie Kerstin Kaiser anmerkte einen "wunden Punkt".

Es war unendlich dunkel in dem Zuhörerraum, weshalb ich wenig mitgeschrieben habe. Aber die Diskussion war durchaus erhellend und spannend war es auch. Jakob Augstein, der sein Erstaunen über die persönlichen Verdrängungsleistungen einzelner Stasi-Enttarnter ausdrückte, fragte auch noch nach, ob solches Verhalten am Ende nicht genau den Polarisierern wie Hubertus Knabe in die Hände spielt. Da ist was dran.

Und nun, wie gewohnt, die Gesellschaftsnachrichten:

Es ist auch diesmal wieder ChristianBerlin zu verdanken, dass aus virtuellen Bekanntschaften ganz überraschende reale wurden.

Er hatte merdeister und Cassandra, die gemeinschaftlich aus dem fernen Nordrhein-Westfalen angereist waren, schon geortet und machte uns bekannt. Ohne ihn hätte ich die beiden nicht in dem voll gefüllten Saal ausgemacht, was ich sehr bedauert hätte.

Auch wieder zu Gast war der archinaut, mit dem ich mich lange unterhielt.

Jan Jasper war wieder da und diesmal auch Michael Angele, der mir einen Wein ausgab (oder habe ich ihn dazu gezwungen? weiß nicht mehr) Auf jeden Fall ist er ein lustiger Mensch, der meinen finsteren Anwurf, er habe sich ja so unbeliebt gemacht, fröhlich lächelnd entkräftete und sich dann mit merdeister unterhielt. Es muss nett gewesen sein, denn sein Lachen dröhnte mir ins Ohr. Die Wiedehopfin haben wir nicht gesehen. Vielleicht war sie trotzdem da.

Glaubt es mir, es ist so. Die Aggressivität entschwindet, wenn man sich näher kennen lernt. Was war denn noch? Ach ja, auch noch nettes, langes Gespräch mit Christian über allerlei, nicht zuletzt das Chorprojekt. Immer mal wieder taucht ja in meinem Gemüt die Frage auf: „Ist das jetzt Ehrfurcht vor dem Alter oder flirtet der mit mir?“ Wahrscheinlich beides, ich bin ja auch ein netter Mensch, wie hoffentlich weitere Zeugen bestätigen können. Er jedenfalls ist er mir sehr sympathisch.Er hat mich dann – Heldentat in kalter Winternacht – nach Hause gefahren. Ich hoffe, er ist von Pankow-Heinersdorf heil wieder in Moabit gelandet.

Christian und ich haben versucht, die weitgereisten Community-Mitglieder dem Jakob Augstein vorzustellen, aber es war einfach zu voll und zu viele Gäste, um die er sich gekümmert hat. Ein Händedruck aber ist wohl erfolgt.

War ein schöner Abend. Jedenfalls, ganz „unbeherrscht“.

10:48 22.01.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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