Ex oriente lux

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Juxstil oder Dämonisierungsmodus

Gestern haben wir uns das Quiz der Deutschen mit diesem Plasberg bei der ARD angetan. Mal abgesehen, dass ohnehin über die DDR entweder im Juxstil geblödelt oder im Dämonisierungsmodus geraunt wird, sind meinem Mann vor allem einige technische Vorführungen gegen die handwerliche Ehre gegangen. Sich einen Omega-Staubsauger-Mixer anzugucken, der angeblich in der DDR entstanden sein soll, das ist doch ein Quatsch. Wenn das so war, dann war es höchst sinnlos, das Ding. Vielleicht wurde es damals für den "Klassengegner" produziert, damit dem der Staub in die Cocktails fällt.

Hingegen wurde alles, aber auch alles in der DDR immer und immer wieder repariert. Autos - wie der Trabant wurden - wenn der an die selbsttragende Karrosse angeschraubte Hilfsrahmen hinhaute - von Grund auf neu aufgebaut.

Und das ist eine höchst bedenkenswerte Tugend. Davon könnte man lernen statt es zu bestaunen und lächerlich zu machen. Ich erinnere mich an die aufwändigen Beschaffungstouren, die wir gemacht haben, um paar halbwegs ordentliche Bretter zu besorgen und die Küche damit zu verschönern. Ich erinnere mich an die Reparaturleistung, mit der ein Heizlüfter aus Ungarn wieder funktionsfähig gemacht wurde. Indem man den Ein/Aus-Schalter umfunktionierte und das Ding jetzt gleich losging, wenn man den Stecker einsteckte (heute überall Gang und Gäbe). Das war

alles sehr sparsam, dieses Wirtschaften - ungewollt, sicher - aber doch noch heute als sinnvoll erinnert und nicht als reiner Scherz.

Margot Honecker kann
man nur "vorführen"

Weil es gerade dran war, guckten wir bei "Panorama" dann noch dieses in der Skandalisierungsversion abgespulte Interview-Event mit Margot Honecker.

Wo ist eigentlich die Grenze zwischen zu respektierender Prinzipientreue und Borniertheit und Verblendung - ich weiß es nicht. Ich weiß nur, mit Margot Honecker kann man nicht reden, die kann man nur "vorführen". Man kann ihr auch keine Maske vom Gesicht reißen, die ist wie sie ist und das weiß man ja auch.

Die Kommentare zu der Sendung waren auch in der Mehrzahl entsprechend.

panorama.blog.ndr.de/2009/10/29/margot-honecker-der-sozialismus-kommt/?cp=1

Die einzige interessante Sendung wäre, wenn Margot Honecker und Wolf Biermann, mit dem sie ja seit dessen Kindertagen eng verbunden war, sich treffen und über die Vergangenheit reden würden. Sie soll ihn ja vor seiner Reise 1976 nach Köln besucht und gewarnt haben vor einer "Provokation". Ob sie mit ihm geschlafen hat, ist nicht zu belegen.

Trost von der Meinungsforschung

Zum Trost konnte man heute aber allerorten lesen, was ich unbedingt unterschreiben würde. Die Ostdeutschen lassen sich nicht unterkriegen, sie entsprechen - so eine Untersuchung, die die Superillu in Auftrag gegeben hat - überhaupt nicht dem Jammerossi-Klischee, und sie sind krisenfest, stark und unterschätzt . Ich dachte, am Ende sind sie auch noch frostgeschützt und hitzebeständig, aber man kann nicht alles haben.

tinyurl.com/ybw3bmk

www.neues-deutschland.de/artikel/158319.unbeugsame-erfahrungsueberlegenheit.html

Der Vertreter des untersuchenden Rheingold-Instituts, Stephan Grunwald, erklärte: "Worunter der Osten hingegen heute noch leide, sei fehlende Anerkennung. Es gärt und brodelt im Inneren vieler Menschen, denn sie fühlen sich gekränkt und enttäuscht." Dies entlade sich bei den meisten allerdings nicht in Wut, sondern im besonderen Bemühen um Harmonie im alltäglichen Umgang und in einem Hang zur Ironie – „als charmanter Form des Widerstands und der leisen Kritik".

Da hat er Recht, so ist es. Nur mit der leisen Kritik hat er nicht Recht, untereinander schimpfen die Ossis schon ziemlich laut, wenn aber ein "Verdächtiger" dazu kommt, dann halten sie lieber die Klappe.

Wie ging er der alte Scherz: Der schlaue Fuchs, er stellt sich dumm, beim Wessi ist es andersrum. Auch schon fast Nostalgie, den wiederzubeleben.

20:59 30.10.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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