Feldpostbriefe (1)

Der Erste Weltkrieg Dies ist ein Blick auf einen Vorfahren, den ich nie kennen lernte und dessen Leben fast exemplarisch für den Beginn des "Jahrhunderts der Extreme" (Hobsbawm) ist.
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Vorspruch

„Jetzt verlöschen die Lichter in ganz Europa“, sagte Edward Grey, Außenminister von Großbritannien, während er an jenem Abend im Jahr 1914, als Großbritannien und Deutschland in den Krieg eintraten, auf die Lichter von Whitehall blickte, „Wir werden sie nie wieder in unserem Leben brennen sehen“. ...Die Menschheit hat überlebt. Doch das großartige Bauwerk der Zivilisation des 19. Jahrhunderts brach in den Flammen des Weltkrieges zusammen, als seine Säulen stürzten. Das Kurze 20. Jahrhundert wäre ohne diese Geschichte nicht zu verstehen. Es war von Krieg gekennzeichnet. Es hat in den Vorstellungen eines Weltkrieges gelebt und gedacht, selbst als die Kanonen schwiegen und keine Bomben mehr explodierten. Seine Geschichte , genauer gesagt die Geschichte des Zeitalters seit dem Beginn seines Zusammenbruchs und der Katastrophe, muß mit der Geschichte des eineindreißigjährigen Weltkrieges beginnen“. So schreibt der britische Historiker Erik Hobsbawm in seinem Werk „Das Zeitalter der Extreme“.

Mit dem Ersten Weltkrieg beschäftige ich mich - nicht zuletzt aus persönlich-biographischen Gründen - immer wieder. Aber, ich fand nie oder wollte nie eine endgültige Form für diesen Teil meiner Familiengeschichte finden. In diesem Jahr aber ist sie in aller Munde, diese Grundkatastrophe Europas. Ein Anlass, am Beispiel eines mir unbekannten Vorfahren zu beschreiben, was dieser Krieg bedeutete. Es handelt sich um meinen „unehelichen“ Großvater Wilhelm Friedrich Loeper (1883-1935)

„Die meisten Männer, die im Ersten Weltkrieg – in der überwältigenden Mehrheit als Wehrdienstpflichtige – gedient hatten, kamen als überzeugte Kriegsgegner zurück. Jene ehemaligen Soldaten aber, die durch diesen Krieg hindurchgegangen waren ohne sich gegen ihn aufzulehnen, zogen aus der gemeinsamen Erfahrung eines Lebens mit Tod und Tapferkeit eine Art unvermittelbarer, urtümlich-roher Überlegenheit, die sich vor allem gegen Frauen und all jene richtete, die nicht gekämpft hatten.“ konstatiert Hobsbawm ebenfalls in seinem Buch.

Einer von ihnen ist Wilhelm Friedrich Loeper

Er ist im Jahre 1883 in Schwerin geboren. Er schlug früh die militärische Laufbahn ein. Während seiner Ausbildung kam er 22jährig nach Stettin, wo er mit der jungen Sängerin Helene Geisler ein Kind zeugte, meine Mutter Marianne, die 1906 dort geboren ist. Dann zog er weiter zu anderen Standorten, wurde zum Leutnant, dann zum Hauptmann befördert.

Im Jahre 1914 zog er mit seinem Pionierbataillon in den Ersten Weltkrieg, nahm teil an den Schlachten in Belgien und Frankreich. Er wurde verwundet, erhielt des Eiserne Kreuz 1. Klasse. Im Jahre 1918 war er „gebrochen“ und orientierungslos, ging zur Reichswehr und wurde einer der ersten Gefolgsleute Adolf Hitlers. Auch einem Freikorps gehörte er an.

Im Jahre 1923 nahm er am sogenannten Hitlerputsch, dem „Marsch auf die Feldherrnhalle“ teil und wurde aus der Armee entlassen. Danach wurde er Gauleiter in Sachsen-Anhalt und später nach der Machtergreifung Reichsstatthalter von Sachsen-Anhalt und Braunschweig. In Dessau suchte ihn seine uneheliche Tochter, meine Mutter, auf. Im Jahr 1935 starb er an Kehlkopfkrebs. Adolf Hitler und alle hohen Funktionsträger nahmen an der Beerdigung teil.

In diesen Beiträgen werde ich alle Feldpostbriefe dieses Vorfahren, die in einem Buch erhalten sind, vorstellen. Zur Vorbereitung aber soll ein Blick auf die „Welt von gestern“ - das Kaiserreich geworfen werden

(wird fortgesetzt)

Ich habe bereits vor einiger Zeit - in zwei Blogbeiträgen - über diesen Vorfahren geschrieben

https://www.freitag.de/autoren/magda/ein-vorfahr-und-sein-krieg-ihttps://www.freitag.de/autoren/magda/ein-vorfahr-und-sein-krieg-ii

11:10 02.05.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

Kommentare 14

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