Friedensberatung in der Moschee II

Weltfrauentag Wie angekündigt, folgt hier der Bericht von meiner Teilnahme an der Veranstaltung der Frauen. Es war ein interessanter Nachmittag. Die Kontakte sollen gepflegt werden.
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Hier ist der I. Teil.

Also – man darf nicht fotografieren. Das zwingt nun, sich in der Tugend der möglichst lebendigen Beschreibung zu üben. Es ging schon darum, dass die Frauen das nicht wünschten. Einige hatten während der Veranstaltungen auch den Schleier oder das Tuch abgelegt und wollten so nicht öffentlich erscheinen. Die Bilder, die ich im Internet gefunden habe und auf denen auch Frauen zu sehen sind, sind aber alle urheberrechtlich geschützt. So verlinke ich nicht.

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Ein Foto auf das noch leere Podium war aber gestattet

Die Frauen, die in dieser Moschee zusammengekommen waren, arbeiten zusammen in der FrauenorganisationLajna-Imaillah-

Und sind sehr sehr freundlich. Sie mühen sich schon seit die Moschee besteht, um Kontakte zu den Anwohnern. Sie waren auch wirklich erfreut, dass neben den Frauen aus der Gemeinde, auch welche aus dem Umfeld gekommen waren. So z. B. Pfarrerin Ruth Misselwitz von der Kirchengemeinde Alt-Pankow und Marina Grasse, die frauenpolitisch sehr aktiv war und ist.

Das Ganze fand in einem großen Raum unter der Kuppel der Moschee statt, in dem die Frauen auch während der Gebete – getrennt von den Männern – weilen.

https://lh5.googleusercontent.com/-jupZZ-0PxXk/UxxHSHVUYRI/AAAAAAAAGvo/2cpZ8jI4jYA/s800/Moschee%2520schr%25C3%25A4g.jpg

Hier eine Aufnahme von außen und ein bisschen "schräg"

Es begann damit, dass die kleinen Töchter der Frauen – gekleidet in hübsche bunte Festtagsgewänder wie die Mütter - sich aufstellten und ein Lied sangen:

Islam ist Frieden

Von Norden nach Süden

In Westen und Osten

Soll’n die Waffen verrosten

Das Lied hat mehrere Strophen. War einfach niedlich, die kleinen Mädchen, die – wie überall – ein bisschen vorsichtig gickerten und beim rausgehen winkten.

Ich unterhielt mich mit einer jungen Frau aus der Gemeinde, die sich - schön in pink und goldfarbene Gewänder gekleidet - neben mich gesetzt hatte. Sie wohnt im benachbarten Wedding und ist wohl auch berufstätig. Andere kommen von weiter her. Einige wohnen inzwischen auch in Pankow. Die Gemeinde hat ungefähr 350 Mitglieder.

Dann kam der Vortrag aus dem Koran, der – so sagten sie – alle solche Veranstaltungen einleitet. Im Original. Das war faszinierend, dieser Singsang, klingt sehr kunstvoll mit merkwürdigen Lautabschlüssen. Dann kam die deutsche Übersetzung. Ich suchte die angegebenen Suren und Verse, fand aber dort nicht den Text, der vorgetragen wurde. Kann an mir liegen.

Der Vortrag war

eher eine Predigt

Der Vortrag war eigentlich mehr eine Predigt, die auf dem Koran fußte. Das war gut gemeint, aber machte auch die realen Schwierigkeiten in der Verständigung deutlich. Dass der „äußere Frieden“ nicht ohne den „inneren Frieden“ zu erreichen ist, das würde in jeder guwilligen Friedensgruppe unterstrichen. Mir fiel das schöne Lied von Gisela Steineckert vom „einfach Frieden“ ein, den man nicht „geringschätzen“ möge.

Aber, wie das zu erreichen ist, ist halt einfach erklärt: Man halte alles Schlechte – Hochmut Böswilligkeit und Lüge – weg von sich und strebe nach dem Guten und dies in Übereinstimmung mit dem Schöpfer, dem Allmächtigen. So ging es hin und her mit vielen schönen Regeln.

Geschlechtertrennung

ist das Wichtigste

Großer Wert wird auf Geschlechtertrennung gelegt, damit damit Tugend walte und Sittsamkeit, damit bestehende Eheverhältnisse nicht in Gefahr geraten. Und deshalb tragen sie alle über den bunten Gewändern einen Schal oder ein buntes oder einfarbiges Kopftuch, das sie gegen die Angriffe der Gesellschaft verteidigten. Aus dem Kreis der wenigen Gäste wurde gar keine Kritik laut. Und ich selbst bin ohnehin der Meinung, dass das Kopftuchproblem keines ist, sondern eher die Tatsache, dass es so "aufgeladen" ist mit Deutungen und Ressentiments. Wenn ich aber hätte nachfragen wollen, dann hätte mich interessiert, warum den Frauen die Bewahrung der Sittlichkeit und die Fortführung der Tradition aufgebürdet ist, während den Männern alles frei steht.

Diskussionen sind

sehr schwierig

Es kam keine Diskussion auf, denn die Basis dafür ist ziemlich schmal. Das wäre aber auch in jeder christlichen Gemeinde nach der „Predigt“ nicht geboten. Die Basis für Verständigung - sie liegt nicht in Theorien oder der Koranauslegung, sondern eher in der Frage nach dem alltäglichen Leben. Die Frauengemeinschaft will die Kontakte vertiefen, es soll sowas wie ein „Erzählcafe“ geben.

"Liebe für Alle

Hass für Keinen"

Der Blick in diese Gemeinschaft war sehr interessant. Wie in fast allen Religionsgemeinschaften sehen einen liebe, lächelnde Gesichter an. Ich kenne das, ich bin ja katholisch aufgewachsen. Aber – das konstatierte ich innerlich – der Zweifel ist weit weg, das Analytische ist nicht da, es ist eine Religionsgemeinschaft, die tief in ihrer Geschichte, der wörtlichen Überlieferung verharrt, den Halt in den Regeln sucht und ansonsten Gutes will. Bei dieser Gemeinschaft kann man davon ausgehen, denn sie ist absolut friedfertig und – in Pakistan - Opfer von brutalen Anschlägen. Ihr Motto ist: „Liebe für Alle, Hass für Keinen“.

Danach sollte es Kaffee und Kuchen geben. Ich hatte aber weniger Zeit eingeplant und konnte nicht bleiben. Hätte ich das mal anders „getimed“ – das wäre bestimmt auch noch interessant gewesen, so von „Frau zu Frau“.

Die Ahmadis sind – wie schon im anderen Blog gesagt –eine religiöse Gemeinschaft, die jenseits der großen islamischen Gruppen agiert, eigentlich als abtrünnig gescholten wird. Aber sie hat in allen Grundlehren des Islams wenig geändert.

Nur, dass es eine neue Leitfigur Mirza Ghulam Ahmad aus Qadian (1835-1908 A. D.)gibt, der erklärte, dass die Zweite Ankunft Jesu Christi, wie in den früheren Schriften erwähnt, nicht wortwörtlich zu nehmen und dass diese in seiner Person erfüllt sei. Er beanspruchte ebenfalls, die Verkörperung aller lang erwarteten Reformer der verschiedenen Religionen zu sein. Er präsentierte viele göttliche Zeichen, die zu seiner Unterstützung erschienen.“

12:53 09.03.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.(George B. Shaw)
Magda

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