Gehts noch oder worum gehts eigentlich?

Christian Wulff Morgen beginnt wieder die Wulff-Jagd-Saison, denn dann ist der erste Tag des Verfahrens gegen den ehemaligen Bundespräsidenten
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Gehts noch oder worum gehts eigentlich?

Foto: John MacDougall/ AFP/ Getty Images

Schon eine ganze Weile scharren die Medien mit den Hufen und gestern war Wulff auch Thema bei Sandra Maischberger.

Eigentlich wollten wir nur die Dokumentation "Der Absturz" über den Bundespräsidenten a.D. sehen. Die war auch ganz ausgewogen. Am überzeugendsten und wahrhaftigsten war die Erklärung des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust. Den Wulff habe sowieso niemand gemocht. Tja, die arrivierten Hamburger mögen keine Aufsteiger, was ja auch der Snob-Spezialist Ulf Poschardt in der "Welt" schon mal dokumentiert hat. Igitt, solche Parvenüs. Und nun morgen also - zwischen zwei Gewalttaten - die Sache Wulff. Und weil immer mehr Leute sich fragen, was der Millionen teure Gerichtsquatsch soll, tönte es auch hier: Nein, nein...es geht um mehr bei Wulff als um die 700 Euro, wirklich viel mehr. Ist schon klar, es geht darum, ob es gelingt Christian Wulff, der sich nun nochmal aufbäumt den Rest zu geben oder nicht. Und zu dokumentieren, dass es noch mutige Richter gibt in Deutschland. Jawoll. Und wahnsinnig mutige Medien, die zu ihrem damaligen Mut aber nicht mehr ganz so eindeutig stehen. Manche meinen jetzt, sie seien fast schon zu übermütig gewesen beim Halali.

Bei Sandra Maischberger wurde deutlich, dass Christian Wulff vielleicht manchmal die falschen Freunde hat. Z. B. war dieser Image-Berater Moritz Hunzinger, dessentwegen ja sogar vor Jahr und Tag ein Cem Özdemir mal ins Glied zurückmusste und der auch Rudolf Scharping Probleme machte, zur Verteidigung angetreten. Sehr hilfreich war das sicherlich nicht.

Dieter Dehm von der LINKEN agierte wie ein Knallcharge in eigener Sache. Hat jetzt seine Freundschaft zu Wulff entdeckt, hoffentlich weiß der auch was davon. Aber, sonst war er sachlich so halbwegs. Er weiß wohl, wie das ist, wenn man jemandem übel mitspielen will.

Die Wulff-Gegnerschaft bildeten: Der neue BILD-Außenbeauftragte, gewissermaßen Nikolas Blomes Nachfolger, Michael Backhaus, stellv. Chef von Bams. Das ist der Laden, mit dem Schröder neben BILD und Glotze regieren wollte und konnte. Der schärfte ein, dass es nicht um Petitessen gehe, sondern um die - ja, genau - um die Gerechtigkeit. Hilfe, wenn BILD was von Gerechtigkeit ausstreuen lässt, muss man voll in Deckung gehen.

Und dann agierte da noch diese Fundamental-Anti-Wulff-Domina, Weischenberg, die sich sonst um das Befinden von Blaublütigen und deren Anhang kümmert. Kein Wunder, dass die bei Wulff Pickel kriegt, der hat ja nicht mal einen Titel. Ekelhaft. Die blickte blauäugig in diese unsere deutsche Bundesrepublik, die keine Bananenrepublik sei. Eine Weischenberg-Monarchie aber auch nicht.

Schumacher sprang
für Augstein ein

Hajo Schumacher - von einem anderen Springerblatt, war eingesprungen für Jakob Augstein. Das war schade, denn ich hätte gern gewusst, ob Augstein den Wulff noch immer in einer Linie mit dem ehemaligen italienischen Präsidenten Berlusconi sieht. Schumacher war vergleichsweise friedlich, vielleicht weil er in der Eile nicht genug Munition nachladen konnte.

Und dann noch Rita Süssmuth. Sehr sehr vorsichtig in ihren Äußerungen, weil schwer gebeutelt von Dienstwagen- und Flugmeilen-Affären, die immer der Joker sind, wenn man jemanden anpinkeln will. Wer damals dahinter steckte ist ziemlich klar, aber ich schreibs nicht hin. Ich hab kein Geld für sowas. Der größte Gag aus ihrem Munde war, dass sich Wulff sicherlich den Menschen durch diese zweite Ehe entfremdet hätte. Ein Mann mit katholischem Hintergrund, der geschieden ist, das hätte ihm geschadet.

An der Stelle - ich war schon ein bisschen eingedöst - schreckte ich hoch und dachte bei mir: Hä? Ein evangelischer ehemaliger Gottesdiener, der langjährig verheiratet, aber ungeschieden, mit seiner Lebensgefährtin im Bellevue residiert und dessen verflossene Geliebte ihm den PR-Kram macht und in berät, das ist doch wirklich lebensnah und traditionsbewusst. Dafür haben BILD und die ihr temporär fest verbundenen Medien gekämpft wie die Löwen. Die reine Avantgarde residiert im Bellevue und vor Gericht steht einer, der das nicht geschnallt hat.

17:45 13.11.2013
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

Kommentare 87

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