Klappern gehört zum Handwerk

Theodor Fontane Jetzt ist es ja bald vorbei mit der Fontane-Feierei. Ohnehin ist das Geburtsdatum ziemlich ungünstig. Der Geburtsmonat ist angebrochen
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Es wird viel geklappert
Es wird viel geklappert

Foto: Aris Messinis/AFP via Getty Images

Das Problem bei solchen Gedenkfeiern ist ja, dass den wirklich „Begeisterten“ eher nach Abstand zumute wird, wenn die Fontane-Fontäne sich ergießt.

So geht es mir. Mir rückte Fontane mit dem Älterwerden immer näher. Es nahm die Geduld zu, mit der ich die wunderbar langen Romangespräche verfolgte, und erst jetzt komme ich viel intensiver darauf, was alles bei ihm gesagt wird, selbst wenn es unausgesprochen bleibt.

Fontane war immer ein dezenter, zurückhaltender Künstler, aber das Fontane-Jahr wird uns dennoch die Erkenntnis bescheren, dass auch bei Heinrich-Theodor (so heißt er mit allen Namen) „Klappern zum Handwerk“ gehört.

Kaum zu glauben, wie oft in seinen Romanen geklappert wird. Es hängt vielleicht mit der Landschaft und Region zusammen, die trockene ebene Gegend durch die viele klappernde Wagen und sogar solche mit Geschützen obendrauf fahren. Es scheint mit dem Klappern auch die Beschreibung etwas irgendwie Unvollkommenen, nicht ganz Ordentlichem verbunden zu sein, was für ein preußisches Lebensgefühl doch eine sehr interessante und abweichende Variante ist.

Im märkischen Pieskow, das Fontane bei seinen „Wanderungen“ besucht, klappert sogar eine Art spukender Glocke, die damit andeutet, dass das Glück eines Adelsgeschlechts sich neigt.

Zuerst aufgefallen aber ist mir das Klappern in Verbindung mit der Beschreibung eines Hausstandes oder bei der Charakterisierung von Interieurs. So klappert in den Erinnerungen aus der Kinderzeit u.a. der Deckel eines Teekessels, aber es klappert auch immer mal ein Plätteisen, „wenn neue Bolzen eingeschüttet werden“. In „Vor dem Sturm“ (1878) klappert die Stricknadel einer alten Dienerin und so geht das munter fort. In „Cecile“(1887) und auch bei Effi Briest (1896) klappern Jalousieringe und Markisen. Und im Grafen Petöfy die Türen.

Lassen wir es also klappern!

Beispiel: „Irrungen Wirrungen“

Da wird das Ambiente im Haus der jungen Lene Nimptsch so geschildert:

„Frau Nimptsch selbst aber saß wie gewöhnlich an dem großen, kaum fußhohen Herd ihres die ganze Hausfront einnehmenden Vorderzimmers und sah, hockend und vorgebeugt, auf einen rußigen alten Teekessel, dessen Deckel, trotzdem der Wrasen auch vorn aus der Tülle quoll, beständig hin und her klapperte.“

Beispiel: „Die Poggenpuhls“

Es ist scheint überaus wichtig, dass oftmals mit dem Klappern auch ein weiterer wichtiger Seinszustand verbunden ist. Nämlich „warmes Wasser“ in vielen Lebenslagen.

Das kommt auch bei den später erschienenen „Poggenpuhls“ vor. Da wird noch viel deutlicher, wie sehr Klappern und Komfort zusammenhängen.

Zunächst klappert dort aber mal nur ein hübsches Dekorationsstück.

„An der anderen Wand aber, genau dem Rittmeister gegenüber, stand ein Schreibtisch mit einem kleinen erhöhten Mittelbau, drauf, um bei Besuchen eine Art Gastlichkeit üben zu können, eine halbe Flasche Kapwein mit Liqueurgläschen thronte, beides, Flasche wie Gläschen, auf einem goldgeränderten Teller, der beständig klapperte.“

Dann aber klappert es mit praktischem Hintergrund, nämlich in Friederikes, des treuen Dienstmädchens Küchenrefugium: Dorthin begibt sich der Sohn des Hauses auf der Suche nach etwas Essbarem, was bei der Armut der Familie gar nicht so einfach ist.

„So viel sich bei dem herrschenden Halbdunkel erkennen ließ , war in der Küche rundum alles in Ordnung und Sauberkeit, wenn auch nicht gerade blitzblank. Blitzblank war nur der in seinem Kochloch stehende Teekessel, dessen Tüllendeckel beständig klapperte.

Hier ist das Klappern wieder mit der Warmwasser-Versorgung verbunden. „Denn, immer kochendes Wasser zur Verfügung zu haben, war ein eigentümlicher, zugleich klug erwogener Luxus der Poppenpuhlschen Familie, die sich dadurch in Stand gesetzt sah, jederzeit eine bescheidene Gastlichkeit üben zu können.

Ich hege die Vermutung, dass meine eigenen Kindheits-Erinnerungen an das Frieren bei der Morgenwäsche in eiskalten Küchen mich aufmerksam für solche Überlegungen werden ließ.

Also – Man halte nicht nur das Pulver trocken, sondern das Wasser am Kochen.

Beispiel: „Mathilde Möhring“

Weniger praktisch, sondern störend geklappert wird auch im Spätwerk „Mathilde Möhring“.

Möhrings vermieten an Studenten und das schafft die Notwendigkeit, ein Zimmer hübsch und ansprechend herzurichten.

„Und nun öffnete Frau Möhring die Tür, die rechts nach dem zu vermietenden Zimmer führte. Hierher hatten sich alle Anstrengungen konzentriert: ein etwas eingesessenes Sofa mit rotem Plüschüberzug und ohne Visitenkartenschale, der Große Kurfürst bei Fehrbellin und das Bett von schwarz gebeiztem Holz mit einer aus Seidenstückchen zusammengenähten Steppdecke. Die Wasserkaraffe auf einem großen Glasteller, so daß es immer klapperte.“

Man kann schon zu der These kommen, dass sich der Dichter in seinem Leben oftmals durch klappernde Geräusche gestört haben muss. Es wäre eine lohnende Aufgabe, die ganzen Klapper-Stellen bei Fontane zu finden, aber das führte hier zu weit.

Das Klappern wirkte auf mich wie ein wie ein Wiedererkennungszeichen in vielen seiner Werke, die abzuklappern auf der Suche nach Belegen sicherlich eine hübsche Aufgabe wäre.

Am 30. Dezember jährt sich Theodor Fontanes Geburtstag zum 200. mal. https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Fontane

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

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