Kurras und die Stasi - Warum sagen Sie das erst jetzt?

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Der wichtigste Satz in Krimis lautet nicht: „Ich nehme Sie fest“, oder „Wo waren Sie von bis...“Nee, der dramaturgisch wichtigste Satz lautet:

„Warum sagen Sie das erst jetzt?“

Nur mit Hilfe dieses Satzes kann man eine festgefahrene Handlung in eine neue Richtung befördern, schafft man eine andere Sicht auf die Dinge, führt neue Verdachtsmomente ein.

Das fiel mir ein, als jetzt diese Geschichte mit dem Kriminalobermeister Kurras durch die Medien rauschte. Dramaturgisch entspricht das ungefähr dem obigen Satz.

Wenn ein Geheimdienst die Hosen runterlassen muss und der andere nicht, kommen immer erstaunliche Dinge ans Licht.

Aber warum sagen sie das erst jetzt? Der Entdecker der brisanten Informationen, der Mitarbeiter in der Birthler Behörde, Helmut Müller-Enbergs argumentiert, dass sich diese Erkenntnisse nur durch bestimmte Querforschungen ergeben hätten. Ich behaupte, das war schon lange bekannt, aber schlicht und einfach nicht so relevant für die Medien oder man behielt es in der Hinterhand. Jetzt – im Zuge wichtiger konfliktreicher Debatten und bevorstehender Jubiläen - kriegt die Historie dadurch so einen Zusatzschnippser. Sie soll in eine andere Richtung gerollt sein, denn vorbei ist sie ja nun.

Wohin aber?

Das meiste ist ja bekannt: Das MfS – die HVA - hatte ganz sicherlich in Westberlin und auch in Westdeutschland ein Heer von angeworbenen Kräften, bedeutende und weniger bedeutende, Informanten und Aktive. Von daher ist das alles nicht sensationell. Bisher gab es aber - außer kurzfristigen politischen Interessen - keinen Bedarf, dieses Thema ernsthaft aufzugreifen.

Da war man in den 70er Jahren weniger zugeknöpft. Es gab sogar mal eine sehr interessante ARD-Fernsehsendung darüber. Befragt wurden Leute, die mal für die DDR spioniert hatten. Die begründeten – nebenher bemerkt – ihre Mitarbeit mit der Freundlichkeit der Anwerber, mit den einleuchtenden Argumenten des Wirkens für den Frieden und so... von Geld sprachen sie nicht so gern. Sie hatten alle ihre Strafen auch schon abgebüßt.

Ich frage mich darum: Ist das nicht eher eine Blamage für die Sicherheitspolitik in Westberlin? Da hat es doch auch gewimmelt von Geheimdienstlern. Wussten die gar nichts? Oder wussten sie alles und haben das Wissen genutzt, wofür auch immer? Ich kann mir gut vorstellen, dass die Einschätzung durch die DDR-Schlapphüte, dass dies eine bedauerliche Panne gewesen ist, durchaus stimmt. Den "Genossen" wird das nicht recht gewesen. Wenn es ihnen gelungen ist, bis in die Polizei hinein zu agieren, dann war das „gute Arbeit“, aber gebracht hat ihnen das - wie wir alle wissen – am Ende auch nichts.

Durch die Medien aber wird’s jetzt "taggen": RAF, Stasi, Mord, Neuschreibung Geschichte.

09:17 22.05.2009
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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