Melancholie wie Peter Handke

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Ich schreibe wie

Eben habe ich den Test gemacht bei der Faz. Mit dem folgenden Text.

Melancholische politische Befindlichkeiten mit Genderaspekt

Heute wollte ich nicht aufstehen und erbat - ganz gegen meine Gewohnheiten – einen Aufschub. Keine Lust auf die Welt? Nicht, wie sonst das so praktische kleine MP3-Radio an und den Knopf ins Ohr? Nicht mal den liebgewordenen Ärger beim Anhören des meist stockkonservativen politischen Feuilletons bei beim Deutschlandradio. Nix.

Woher kommt das? Vielleicht sollte man sich das Fernsehen nicht antun. Es macht einen fertig. Total. Gestern wieder bei Maischberger - diese selbstgewissen Leute, diese wohlgenährten, glattrasierten beißend jovialen Politiker. Der aktuelle Typ hieß Steffen Kampeter (CDU) – und ist Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Finanzen. Der begrub alles unter seinen meist dazwischen gebellten Meinungsäußerungen. Der fuhr allen in die Parade. Es hätte auch ein Volker Kauder sein können, von ähnlich grinsender Schärfe. Warum regen sich Politiker, Politikbeobachter und Medienvertreter über Angela Merkels Verhalten und Habitus so auf, über diese Männer aber nie, jedenfalls nicht so? Vielleicht regen sie sich auf, weil sie nicht so ist wie sie und andererseits - genau so?

Ein Chamäleon, in wechselnden Jackenfarben? Heute zum Beispiel in Flieder. So wollen sie nicht sein, nicht so gut getarnt vor wechselnden Hintergründen, sondern unverwechselbar. Aber sie sind es nicht und nicht mal bei den Farben sind sie so variabel.

Merkel ist die personifizierte Machtgier. Machtgier an Männern hierzulande gibt es weniger. In der Demokratie sind nur die Frauen machtgierig: Andrea Ypsilanti, Heide Simonis oder eben Angela Merkel.

Wenn es männliche Beispiele braucht, dann muss der kritische Medien-Blick weit schweifen und die Diktatur bemühen. China ist ein abschreckendes Beispiel für Machtgier bei Männern.

Vor einiger Zeit – auf der Frankfurter Buchmesse - hat sich ein Redakteur der „Welt“. empört über die chinesischen Funktionäre geäußert, die mit ihrem unangenehm schulterklopfenden jovialen Lachen Machtbewusstsein und Menschenverachtung kaschierten. SolcheEmpörungen befallen Journalisten beim Blick über die Länder- und Kontinentgrenzen. Dabei könnte man ein paar „chinesische Funktionäre“ auch hier orten. Die können Ackermann oder auch Steinbrück heißen und sehr gut vorführen wie Macht lacht. Sogar einen „chinesischen“ Koch haben wir, aber der ist wie sie alle demokratisch gewählt. Demokratie gibt’s in diesem Lande, nur warm wird’s nicht - es bleibt kalt wie das Wetter.

Und, wie schön. Es kommt heraus: Ich schreibe wie Peter Handke. Toll.

Jetzt muss ich sehen, ob ich nicht noch in einem anderen Gewand schreiben kann.

15:53 16.12.2010
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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