Move on - ein privat-politischer Bloggereintrag

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community


"Move On"

"They say a restless body can hide a peaceful soul.
A voyager, and a settler, they both have a distant goal.
If I explore the heavens, or if I search inside.
Well, it really doesn't matter as long as I can tell myself
I've always tried."


Privat ist zu vermelden, dass mir alle Knochen wehtun. Es hat mit dem manchmal stillstehenden und sich dann wieder rapide beschleunigenden Altersprozess zu tun, der in diesem Jahr dadurch manifest wird, dass ich nach zu langen Wegstrecken müde an den Füßen werde. Die allgemeingültige Nutzanwendung daraus wäre, es gibt kein Mittel dagegen.

Mein erster Weg führte mich bei stahlblauem Himmel, aber tückischer Maikühle durch den Park ins Pankower Rathaus. Der politische Teil des Tages bestand darin, unsere Wanderausstellung „...Der Zukunft ein Stück voraus - Pionierinnen in Pankow“ dort abzubauen und weiter wandern lassen. Um die Ecke nämlich, ins Carl-von-Ossietzky-Gymnasium.
www.ossietzky-gym.cidsnet.de/conpresso/_rubric/

Ein guter Platz für die nächsten vier Wochen, Es ist anzumerken, dass die Ehefrau des Friedensnobelpreisträgers Carl von Osssietzky, Maud von Ossietzky, in unserer Ausstellung vertreten ist. Und: Die Carl-von-Ossietzky-Oberschule war in Wendezeiten im Gespräch, weil einige Schüler sich politisch kritisch geäußert hatten. Es passt also gut. Die auch von der technischen Seite her wunderbar und sinnreich konstruierte Ausstellung – vom Frauenbildungsträger Baufachfrau
www.baufachfrau-berlin.de/
gestaltet – war schnell abgebaut und wieder verstaut, so dass wir Zeit hatten. Die nutzte ich und spielte - auf der privaten Seite - eine halbe Stunde im leeren großen Rathaussaal an dem Yamaha-Flügel. Ich saß dort und konnte beim Spielen auf die belebte Straße blicken, deren Verkehr nicht eine Minute ruhte und rastete. Manchmal kamen auch Angestellte des Rathauses vorbei, lächelten und hörten eine Minute zu und gingen wieder weiter.
Politisch lässt sich daraus aber nichts ableiten, nur dass ein bisschen Musik die Menschen aufheitert.

Der Fahrdienst kam und brachte die Sachen an ihren neuen Bestimmungsort.
Wir sind die schwierigen Abkürzungen durch eine Reihe von Schulen geirrt, bis wir das Gymnasium fanden. Es ist – auch für Ortskundige - ein Labyrinth.
Imposante Bauten sind es ohnehin. Im Spät-Renaissance-Stil, überladen, gewaltig.
Ich war dort noch nie, es ist ein bildungsbürgerlicher Protz, erinnert ein bisschen an die Gerichtsgebäude, die auch so einschüchternd daherkommen. Hier aber war Leben drin, der Gang, den wir ausgesucht hatten, führte zur Schulbibliothek, wir wurden – mal misstrauisch, mal neugierig gefragt, was wir denn da tun. Dann war alles fertig – und bis zur offiziellen Eröffnung durch den Schulleiter blieb ein bisschen private Zeit.

Schlag 14 Uhr ging es los. Der Leistungskurs Geschichte war versammelt und es waren durch die Bank so aufmerksame, interessierte und geduldige Zughörerinnen und Zuhörer, dass ich alle Unkenrufe über den Zustand der Jugend innerlich verwarf. Wir waren ein Erfolg, es wurde einiges nachgefragt und dann ging ich e in bisschen müde zur S-Bahn.

Ich dachte an die Bemerkung einer Schülerin, es sei doch nicht gut, die Verdienste von Frauen so gegen die Männer hervorzuheben. Eine andere widersprach ihr und ich hatte das Gefühl, dass die Debatten um „Gender Mainstreaming und Jungen-Benachteiligung auch in den Schulen angekommen sind. Demnächst macht die Ebert-Stiftung dazu eine Veranstaltung und es gibt gutes Material.

www.fes.de/aktuell/documents2010/100512_Geschlechterkampf.pdf

Mein grober Eindruck, war allerdings, dass der Lehrkörper in der Mehrzahl dort männlich war. einschließlich des Direktors. In der Hauptschule um die Ecke, die ich mal besuchte, sah das ganz anders aus. Da war die Mehrheit Frauen.

Abends besuchte ich meine Freundin ein letztes Mal, Mitte des Monats werden sie ausgezogen sein und in der Lausitz wohnen. Langes Abschiedspalaver mit tröstlichen Aussichten auf ein Wiedersehen. Privat ging mir wie immer, wenn ich sie sehe, nicht zum ersten Mal die Wahrheit des alten und trivialen ABBA-Songs, der oben als Motto dient, auf:

www.youtube.com/watch?v=Kc7b_cEE7ys

Sie ist "a voyager and a settler", immer wieder woanders und ich bin “nur” ein settler mit viel "search inside"
Aber ich bemühe mich auch redlich.

Wir bewundern uns wechselseitig immer für das, was die andere so tut. Der Abschied war wie so etwas eben ist.
Privat ist deshalb noch zu vermelden, dass mir nicht nur die Füße, sondern auch das Herz ein bisschen wehtat, als ich spätabends wieder zu Hause ankam und von der Haltestelle abgeholt wurde.

13:32 06.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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