Musikerlebnisse - Fabrizio de Andre

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Vor einiger Zeit hörte ich im Radio ein Lied, das mich nicht mehr loslässt, so wie auch der Sänger nicht. Vor über zehn Jahren starb Fabrizio de Andre an Lungenkrebs. Er ist in Italien verehrt und unvergessen. Tausende säumten die Straßen bei seiner Beerdigung. Wenig bekannt ist er in Deutschland, wenn ich mich nicht täusche. Aber eine Entdeckung.
„Andrea“ hieß das Lied, das mir auf der Stelle so ins Gemüt ging. Dabei ist es sehr konventionell italienisch angelegt. Mit einem Mandolinenchorus, aber so viel wahrhaftiger, als diese kommerziellen Sachen.

www.youtube.com/watch?v=JfHLrjYtOXs

De Andre stammt aus einer großbürgerlichen Unternehmerfamilie. Nach dem Abitur studierte er Jura, aber schon bald widmete er sich nur noch der Musik. Seine Vorbilder waren Georges Brassens später auch Leonard Cohen. Er experimentierte viel – wollte Weltmusik machen.

1979 wurden er und seine Freundin Dori Ghezzi von sardischen Separatisten entführt und vier Monate festgehalten. Gegen hohes Lösegeld kam er frei. Er verarbeitete auch das musikalisch und produzierte das Album „l’indiano",

Heute hatte ich mir – unvorbereitet – einen Titel aus seinem Album „Creuza da ma“ auf den MP3 geladen. Das ist im genuesischen Dialekt gehalten und sehr ursprünglich.

Es waren fast 30 Grad und das Gras auf meinem Wege trocken. Da knallte das rein: Schon bei den ersten Tönen, die sich ins Ohr schrauben, wusste ich, woher auch Morricone eine der Inspirationen für Filmmusiken wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ genommen hat. Es sind die italienischen Volksmusiken, die er ins Hochdramatische und Exaltierte umgesetzt hat. Bei Andre ist das alltäglicher, aber dieser eindringliche dudelsackartige Auftakt und dann der dramatische Gitarrrenton. Zwischen den Versen ein Singsang, den man nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Das ganze Mittelmeer hat er mit vertont, sagen die Rezensenten.

Das Ganze handelt vom Leben an der Küste. Ach, und ich lief da so lang auf meiner trockenen Vorstadtstraße, in der Tasche ein paar Flaschen deutsches Bier und andere ordentlich erworbene Waren des täglichen Bedarfs, aber tief im Herzen lauschte ich dem Meer und dem Singsang der Matrosen und Fischer. Am Schluss hört man noch die Fischverkäufer schreien und das Meer rauschen. Musik ist schon was....wirklich.

www.youtube.com/watch?v=KoVxtw5V3GQ&feature=related

Zu Hause habe ich dann noch ein schönes Video gefunden, in dem das Lied gut umgesetzt ist. Mitsamt den Bildern von der Küste bei Genua.

17:46 03.07.2009
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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