Politik und Stil

Yanis Varoufakis Yanis Varoufakis - nach wie vor griechischer Finanzminister und angefeindet von allen Seiten - hat dieser Tage einer griechischen Zeitung ein Interview gegeben.
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Dieses Interview - übersetzt von den Nachdenkseiten - ist sehr empfehlenswert und überraschend.

Die Botschaft ist klar: Ein in dem Maße defizitärer Staat wie Griechenland hätte nie der Eurozone beitreten dürfen. Aber, jetzt ist er nun mal Mitglied und ein Rückzug wäre voller Risiken. Und generell: So wie es jetzt in der EU-Zone ist, so gehts nicht weiter.

Interessant an dem Interview aber sind vor allem Botschaften, die so nebenher gesendet werden. Z. B. wird deutlich: Was die Medien so allgemein transportieren und was wirklich geschieht, ist meist zweierlei.

So sind - laut Varoufakis - die Worte über ihn - Taschenspieler, Scharlatan, Abenteurer - in Riga beim dortigen Treffen der Finanzminister - nie gefallen. Er bedauerte allerdings, dass der Eurogruppenchef Dijsselbloom das nicht deutlich noch einmal dementiert hat.

Zitat: Aber ich betone erneut: In dem Sitzungssaal, aber auch auf persönlichen Ebene, verliefen diese Gespräche im Rahmen der Eurogruppe durchaus zivilisiert.

Auch Gegnerschaften

bedürfen der Pflege

Varoufakis lässt sich selbst auch nicht zu Schmähungen hinreißen. Die Gegnerschaft zu Wolfgang Schäuble ist tief und unüberbrückbar, aber er teilt die Zuschreibung der Interviewer nicht, die den deutschen Finanzminister auch persönlich ziemlich abqualifizieren und einen zynischen Buchhalter nennen.

Eine Passage zum
Mitschreiben, die fast schon
"very old fashioned" klingt

Aus Sicht der Wirtschaftstheorie kann man Schäuble nur als „Ordoliberalen“ bezeichnen. Das ist eine klassisch deutsche Schule ökonomischen Denkens, die den Liberalismus mit der Respektierung festgelegter „Regeln“ und der Idee einer sozial verantwortlichen Wirtschaft verbindet, und das alles innerhalb des politischen Rahmens der Christdemokraten. Und ich schätze die Qualität dieses Menschen anders ein als Sie. Herr Schäuble hat gründlich nachgedacht und er selbst hat sich leidenschaftlich im Kampf für den Aufbau Europas engagiert. Ich habe mit ihm große Differenzen, aber ich werde nie bereit sein, einen so wichtigen politischen Gegner herabzusetzen.

Das ist Stil. Schäuble ist ein sehr herrschaftsgewohnter, unangenehmer Mensch, das ist bekannt.Seit dem Attentat ist er sicherlich noch ungeduldiger und galliger als vorher. Varoufakis' durchaus diplomatische, aber auch menschlich noblen Sätze sind mir nachgegangen. So kann - bei aller Dramatik - Politik auch sein. Möge die Form hier den Inhalt auch befördern möchte man "dialektisch" anmerken.

15:21 04.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

Kommentare 87

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