Politisches und Privates

Gedanken zum 8. Mai Reinhold Andert, bekannter DDR-Liedermacher, singt dazu im Ton dieser Zeit. Heute wird das als "verordnete Freundschaft" verworfen, aber so einfach war es nicht.
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Reinhold Anderts Lied hat mich immer bewegt.

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Wir schützen gemeinsam gemeinsame Schienen
Ein Sowjetsoldat muss drei Jahre dienen
Wir "Waffenbrüder" die Hälfte

Wer zu DDR-Zeiten einmal in einer sowjetischen Kaserne war, weiß wie hart das Leben der Soldaten war. Und immer wieder gab es Desertionen. Eine endete direkt auf der Kreuzung vor unserem Redaktionsgebäude. Ein Barkas raste auf die Kreuzung, ein sowjetischer Militärwagen fuhr auf. Es fielen Schüsse und am Ende lag ein Soldat scheinbar tot auf der Straßenseite. Inzwischen ist bekannt, dass er überlebt hat.

Er wollte zum Checkpoint Charly. Hier ein Bericht des MDR.

Nach 1989 begannen die Debatten über die Vergewaltigungen als "Preis für die Niederlage".

Die Bitterkeiten der Befreiung

Jedoch: Schon bald aber wurde deutlich, dass es - auf allen Seiten - Brutalität und Gewalt gegen Frauen gab, die allerdings in den drei westlichen Besatzungszonen sehr lange verschwiegen oder den Frauen angelastet wurden.

Kürzlich ist das Buch der Historikerin Miriam Gebhard Als die Soldaten kamen erschienen, die deutlich gemacht hat, dass es Vergewaltigungen in allen Besatzungszonen gegeben hat. Das waren eben "Amiliebchen", sagten die Leute.

Oder sie waren Franzosenliebchen

Oder sie waren - wie meine Mutter - "Franzosenliebchen". Mein Vater ist ein französischer Offizier. Meine Mutter lernte ihn kennen, als sie nach der Befreiung aus dem Zuchthaus Bremen aus der damals britischen Zone durch ganz Deutschland nach Lörrach im Schwarzwald reiste, um ihren Sohn - dessen Vater ein französischer Zwangsarbeiter ist - wieder zu sich zu holen. Sie reiste - ein Kind im Bauch und eines auf dem Arm - nach Leipzig, ihrem letzten Wohnort.

Beim Übergang in die sowjetische Besatzungszone wurde sie von einem sowjetischen Militärzug mitgenommen.

Sie erzählte, dass die Soldaten sich rührend um den Jungen gekümmert hätten. Zehn Hände hätten sich nach ihm ausgestreckt und sie und das Kind auf den Waggon zu ziehen.

Sie berichtete auch von "Zudringlichkeiten", tat es als Geplänkel ab. Es war eben Nachkrieg, sagte sie. Es hängt vielleicht auch von den Umständen ab, was geschieht und auf welche Menschen man trifft, auch wenn sie eine Uniform tragen.

Und - ich bin ein Kind der Befreiung, obwohl mein elsässischer Vater nie die Vaterschaft anerkannt hat. Immer wieder aber reiste meine Mutter nach Berlin-Gesundbrunnen, das damals französische Besatzungszone war, und bekam - für ihren Sohn, dessen Vater längst wieder in Frankreich lebte, einige Lebensmittel. Das half über die ersten schlimmen Jahre in Leipzig.

Die Rote Armee bemühte sich nach dem Sieg im "Heiligen Krieg"Eingebetteter Medieninhaltbald, versöhnliche Töne zu finden. Diese wunderschöne Interpretation eines deutschen Volksliedes gehört zu den bewegenden Belegen dafür.

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15:38 07.05.2016
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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