Sexuelle Gewalt in Kriegen und Konflikten

UNO-Resolution 1325 Eine gemeinsame Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung mit der schwedischen Botschaft zu einem Thema, das leider auf der Agenda bleibt.
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Immer wieder geht es darum, Vergewaltigungen, sexuelle Gewalt als das was sie wirklich ist – nämlich eine Kriegswaffe zur Demütigung und Schwächung des „Gegners“ zu benennen und zu bestrafen und nicht als einen bedauerlichen Kollateralschaden

(Zainab Hawa Bangura, 55, Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für sexuelle Gewalt in Konflikten)

Sexualisierte Gewalt in Kriegen und Konflikten ist erst seit den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien nachdrücklich ins Bewusstsein der internationalen Gesellschaft gerückt. Eine der Konsequenzen daraus ist die im Jahr 2000 verabschiedete UNO Resolution 1325

Der UN-Sicherheitsrat hatte darin seine Besorgnis darüber erklärt, dass Zivilpersonen und davon besonders Frauen und Kinder,die weitaus größte Mehrheit der von bewaffneten Konflikten betroffenen Personen stellen.

Er unterstrich die wichtige Rolle,der Frauen bei der Verhütung und Beilegung von Konflikten und bei der Friedenskonsolidierung zukommt.

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Karin Mlodoch, Jens Orback, Miriam Gebhardt, Christoph Strässer und Lena Ag (v. l. n. r.)

Friedenssicherung braucht

Die Geschlechtersperspektive

Vorallem aber erklärt die UNO-Resolution erneut die dringende Notwendigkeit, in alle Bereiche von Friedenssicherung eine Geschlechterperspektive zu integrieren, weil die Geschlechter höchst unterschiedlich von den Folgen eines Krieges betroffen sind.

Nachdrücklich fordert die Resolution die Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dass Frauen in den Institutionen und Mechanismen zur Verhütung, Bewältigung und Beilegung von Konflikten auf allen Entscheidungsebenen stärker vertreten sind.

Dieser Resolution sind seitdem weitere gefolgt, es gab auch nationale Aktionspläne und Berichte über die Umsetzung dieser Resolution, aber an sie muss immer wieder erinnert und immer wieder eingefordert werden, dass dazu entsprechende Maßnahmen erfolgen.

Nicht nur die Bilanz zum 15 jährigen Bestehen dieser Resolution war einer der Anlässe für die Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit der Schwedischen Botschaft am vergangenen Freitag.

"Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Kriegsgebieten - Was können Deutschland und Schweden tun? So das Motto und die Frage.

Mit Jens Orback, ehemaliger Gleichsstellungsminister Schwedens und jetzigem Generalsekretär der Olof-Palme-Stiftung und der Historikerin Miriam Gebhardt war der Blick in die Vergangenheit verbunden.

Orback hat mit dem Buch Schatten auf meiner Seele die Geschichte seiner deutschen Großmutter und Mutter erzählt, die 1945 in Pommern von russischen Soldaten vergewaltigt wurden und deren Trauma den Sohn berührt und beunruhigt hat, bis darüber endlich gesprochen werden konnte.

Miriam Gebhardts vielbesprochenes Buch Als die Soldaten kamen“ weitet das Thema auf die gesamte Zeit des 2.Weltkrieges aus, räumt vor allem aber mit dem gehüteten Tabu auf, Vergewaltigungen hätte es nur in der sowjetischen Besatzungszone gegeben. Während die Frauen in der SBZ einzig und allein als Beweismittel der Brutalität und Barbarei der Sowjetsoldaten galten, wurden die betroffenen Frauen in den drei anderen Besatzungszonen z. B. als Ami-Liebchen verachtet. Ihnen wurde unterstellt, sie seien selbst interessiert gewesen an einer Beziehung „Sex gegen Nylons“. Wenn es um Vergewaltigungen im französischen Besatzungsgebiet ging, wurden die Taten den stationierten Marokkanern zugerechnet, einen unterschwelligen Rassismus kann man dort finden. Mitgefühl gab es für keine der Frauen und auch sie hüteten meist ihr Geheimnis bis in die Gegenwart. Die politische Instrumentalisierung war und ist neben den geschlechterspezifischen Tabus und Hindernissen einer entsprechenden Aufarbeitung im Wege.

Symptom für sich auflösende

Geschlechterverhältnisse

Miriam Gebhards These, dass Vergewaltigungen nicht zuletzt auch ein Symptom für sich auflösende traditionelle Geschlechterverhältnisse sind, wurde weder von Jens Orback noch den anderen Gesprächspartnern aufgenommen.

Lena Ag von der schwedischen Stiftung „Kvinna till Kvinna“ (Frauen für Frauen ) ging nur bedingt darauf ein, alle gesellschaftlichen Veränderungen erzeugten Druck und Verunsicherung, das gelte nicht nur für die Geschlechterverhältnisse, meinte sie.

Karin Mlodoch, vom Verein HAUKARI, berichtete lieber über die Erfolge, die z. B. Frauen in den kurdischen Gebieten des Irak hatten. Es sei gelungen, ein Gesetz durchzusezten, dass Gewalt gegen Frauen ächtet. Aber dann habe der Krieg wieder den Fokus auf Kampf gerichtet. Frauen seien wieder weniger als Akteurinnen, sondern mehr als Opfer betrachtet worden und Entwicklungen stagnierten.

Sie beklagte das Problem der medialen Skandalisierung und Fokussierung. Alle hättten im vergangenen Jahr über die eingeschlossenen Jesiden im Irak berichtet. Aber, die Probleme der Regierungsildung in Bagdad, nach dem Maliki auf sein Amt verzichtet hatte, Bemühungen dort mehr Frauen in die Regierung zu bringen, seien völlig untergegangen. Und- im Nachgang hätte auch kaum noch jemand über die Probeme jener verschleppten Jesidinnen berichtet, die nach ihrer Rückkehr von der eigenen Familie verstoßen werden sollten.

Christoph Strässer, MdB, SPD – seit kurzem Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung - erklärte, ihm sei erst durch die bewundersnwerte Arbeit von Monika Hauser, die mit ihrem Verein medica mondiale die Massenvergewaltigungen im Kossovo thematisierte und sexuelle Gewalt als Kriegswaffe in die öffentlichen Debatten einführte. Überhaupt sei durch dieses Thema die Genderequality in den Blick gerückt. Allerdings sei das in der Praxis immer wieder schwierig. Er nannte das Beispiel des Südsudans. Um dort ein Regime zu etablieren, musste man die alten männlichen Eliten wieder berücksichtigen,damit nicht erneut Kämpfe ausbrechen.

Einbeziehung der Gender-Perspektive

Öffnet auch Männern den Weg

Durch die Einbeziehung der Geschlechterperspektive wurde zunehmend auch Männern der Weg geöffnet, über ihre Erlebnisse sexueller Gewalt in Kriegsgebieten zu berichten und zu erlangen. Darauf verwies auch Lena Ag, die darauf verwies, dass für Männer auch das Stigma der Vergewaltigung die traumatische Belastung noch verstärke.

Das Problematische der Gegenwart ist, darauf verwies Karin Mlodoch, dass zunehmend – mit IS – nichtstaatliche Kräfte, eigentlich fremdfinanzierte Söldner kämpften, die man mit überhaupt keiner Resolution, keiner Sanktionsdrohung irgendwie erreichen könnte. Andererseits seien sogar auf dem IS Territorium Frauen aktiv, aber deren Wirken gegen Gewalt bleibe verborgen. Auch dort seien sie nur als Opfer ein Thema. Nach dem Eingreifen der USA im Irak habe es irakisch/kurdische Frauenaktivitäten gegeben. Dort aber haben die Unterwerfung von Frauen als gesellschaftliches Konzept und die Aufrechterhaltung der traditionellen Geschlechterverhältnisse ganz besonders brutale Ausdrucksweisen, die ebenfalls auch Männer betroffen habe. Homosexuelle Männer z. B. seien öffentlich aus dem Fenster gestürzt worden.

Auch UNO-Truppen

waren Vergewaltiger

Christoph Strässer ergänzte und korrigierte das auch in Details, als er erklärte, in den türkischen Flüchtlingslagern für die Syrer ginge die Gewalt gegen Frauen von den dort Verantwortlichen aus. Und immer wieder seien auch UNO-Truppen an Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen beteiligt. Er erneuerte seine dringende Warnung und Sorge, dass viele Menschen in der Hitze der Zeltlager in den Lagern im Irak selbst nicht überleben würden.

Wie kann man den Opfern helfen – was kann man tun,um solche Taten zu verhindern.

Vor allem – das forderten auch Diskutantinnen – sei es wichtig, dass sich Strukturen ändern, dass sich der Blick von den Opfern auf die Täter richtet.

Eine feministische Außenpolitik

Der schwedische Botschaftsrat Christian Berg brachte die

feministische Außenpolitik seines Landes, die viel Aufsehen erregt hat, zur Sprache als einen Weg Gewalt zu verhindern, auch wenn das immer wieder auch Kompromisse nötig macht.

Dass der Kampf gegen jede Art von sexueller Gewalt und das Ringen um Gleichstellung immer mit beiden Geschlechtern zu tun hat, unterstrich Jens Orback erneut.

Jens Orbacks Mutter, die an der Veranstaltung teilnahm, erklärte später: Es hätte einfach jemand immer und immer wieder fragen müssen, dann wäre es ihr leichter geworden, darüber zu sprechen.

Jens Orback - Buch http://www.deutschlandradiokultur.de/kurz-und-kritisch-wenn-der-krieg-im-frieden-fortlebt.1270.de.html?dram:article_id=318075

"Schatten auf meiner Seele. Ein Kriegsenkel entdeckt die Geschichte seiner Familie. Generalsekretär der Olof Palme Stiftung Stockholm.

http://www.deutschlandradiokultur.de/kurz-und-kritisch-wenn-der-krieg-im-frieden-fortlebt.1270.de.html?dram:article_id=318075

Miriam Gebhardt Als die Soldaten kamen Leseprobe

Zahlen

Bis zu 860.000 Frauen sind am Ende des Zweiten Weltkrieges von Besatzungssoldaten in der Bundesrepublik vergewaltigt worden. Das sagte die die Historikerin Miriam Gebhard im Deutschlandfunk. Lange sei es ein Tabu gewesen, darüber zu sprechen, Ahndungen habe es kaum gegeben und auch kein Mitgefühl mit den Opfern.

Frauen in bewaffneten Konflikten

UN- Spezial IS und Gewalt gegen Frauen

Der Freitag - Frauen an den Konfliktherd

15:36 13.06.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.(George B. Shaw)
Magda

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