Sexueller Missbrauch

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ich lese gerade mit Interesse die Biographie des Journalisten Curt Riess. Titel: „Das war ein Leben“. Riess hatte im Nachkriegsdeutschland einen ziemlichen Namen, galt aber auch ein bisschen als Aufschneider .

de.wikipedia.org/wiki/Curt_Riess

Es gibt in der Geschichte seines wechselvollen Lebens auch ein Kapitel mit dem Titel: „Aufklärungsfilm“. Da erzählt er über eine Freundin seiner Mutter, deren Ehemann Direktor eines der großen Kinos am Kurfürstendamm war. Die nahm ihn mit in die Direktionsloge, die von außen nicht einsehbar war und dort bekommt er Kakao und Schokolade. Während er noch überlegt, warum man das nicht nach dem Ansehen des Films verzehren kann, kommt sie zur Sache.

„Und dann: „Ich weiß nicht mehr genau, wie sie mich auf die Couch brachte, aber ich weiß nur, dass sie plötzlich auf mir lag und mich küsste und an meinem Hemd nestelte und meine Hose öffnete. Und dann geschah es. Ich war, ja was war ich eigentlich? Ich fand die Gefühle, die von mir Besitz ergriffen, köstlich“(...)

Dann sinniert er, was das sein könnte – er ist immerhin erst 13 Jahre alt. Er fragt sich, ob die Dame ähnliches empfindet, aber... meint dann:

“Es kümmerte mich auch nicht. Ich war freudig erregt und das in steigendem Maße. Nur, als alles vorbei war, dachte ich, das sei doch eigentlich etwas sehr Unanständiges, was die Dame sich da ausgedacht hatte.“

Sie verpflichtet ihn zum Schweigen, aber er erzählt es prompt weiter – einem Klassenkameraden. Und ist sehr erpicht darauf, einmal in der Woche diese Angelegenheit – er selbst nennt sie kindlich „ eine Schweinerei“, zu erleben. Denn er empfindet sie als sehr befriedigend.

Wenn man es genau nimmt und wenn man die Kriterien der Gegenwart anlegt, dann war er sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Bei ihm hat das zur Folge, dass er Zeit seines Lebens sexuell ziemlich aktiv ist um nicht zu sagen: Unersättlich. Es kann aber durchaus sein, dass die Natur ihn ohnehin so ausgestattet hatte.

Zeit seines Lebens liebte er die Frauen– hin und wieder mehrere, aber das gibt’s ja nun mal. Also es hat ihm nicht „geschadet“.

Es sei ein Mythos, dass kleine Jungen davon träumen, von älteren Frauen in die Geheimnisse der Liebe eingeweiht zu werden. So der bissige Kommentar von Thomas Schlingmann, der bei „Tauwetter“. einer Beratungsstelle für missbrauchte Jungen, arbeitet. Frauen seien zu alle dem fähig, zu dem auch ein Mann fähig sei und wenn sie keinen Penis hätten, nähmen sie Hilfsmittel.

Diese Verallgemeinerung würde sich heute eine Frau gegenüber Männern nicht mehr leisten können: Es hört sich wie die Reourkutsche auf den Satz „Alle Männer sind Vergewaltiger“ an. Ein hohes Maß an Frauenabneigung tut sich da kund.

An der Sache ändert es aber nichts. Und was den Mythos von der erfahrenen Frau und dem unerfahrenen kleinen Jungen betrifft, so haben ihn eher Männer kreiert und tradiert. Davon leben viele künstlerische Werke. Auch in Bernhard Schlinks „Die Vorleserin“ spielt das eine Rolle.

Hier in der Community fand Blogger MH vor kurzem die von hoher sensibler erotischer Inspiration geprägten Worte : „als ich um die 20 war, hielt ich mich noch an (die) weniger nett formulierte these "auf alten gäulen lernt man reiten"

Erstaunlich fand ich auch, dass Männer, die sich sonst so begierig auf die Unterschiedlichkeit zwischen Männern und Frauen zurückziehen mit großer Genugtuung konstatieren, dass Männer und Frauen in ihren Gewaltneigungen und auch in ihrer Sexualität gleich seien. Es kommt mir außerdem noch in den Sinn, dass der Geschlechterkampf sich auch in der Konkurrenz um die Opferrolle manifestiert.

Es bleibt die Frage: War das sexueller Missbrauch oder erleben ihn die Heranwachsenden unterschiedlich, vielleicht auch nach sexueller Orientierung und auch nach Geschlechterzugehörigkeit unterschiedlich?

14:56 10.03.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

Kommentare 162

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