Stiftung OssiTest

Deutsche Einheit In der DDR haben Millionen Menschen gelebt, deren Leben ist sehr unterschiedlich verlaufen. Aber sie sollen jetzt alles gleich erlebt haben nach historischem Manual.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das reduziert die Leute so, dass sie es einfach nicht mehr ernst nehmen. Ich habe mich auch entschlossen, nix mehr allzu ernst zu nehmen, was so erzählt und gesendet wird.

Beispielsweise Weissensee

Z. B. Der DDR-BRD-Deutsche Einheits-Thriller Weissensee. In einer Rezension zu diesem Werk wird die Frage aufgeworfen, was an diesem Thema - Stasi, Glasnost, Friedensbewegung, Bürgerrechtsbewegung - nach 25 Jahren überhaupt noch von Bedeutung ist. Der Regisseur erklärt „Ich glaube, dass DDR-Geschichte gesamtdeutsche Geschichte ist. Da sind 17 Millionen Menschen,die einen massiven Bruch in der Biographie haben. Das verändert ein Land“. Er will also eine Art Bruch-Therapeut sein. Hoffentlich hebt er sich keinen dabei.

Einen z. B. hat sich Jakob Augstein schon beinahe gehoben. Der hat in einer Sendung zur Deutschen Einheit gemeint, die Ossis müssten halt ebenso lernen, sich anzupassen wie es die Syrer tun müssen.

"Die Integration des Ostens ist noch nicht abgeschlossen"

Zitat: Augstein: (... )Na ja, ich weiß nicht, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Optimismus. Ich meine, gerade bei dem Thema, über das wir jetzt eben gesprochen haben, Flüchtlinge, Ausländer, Integration, Islam in Deutschland, hat jetzt der Osten ... war jetzt nicht so aushängeschildmäßig unterwegs. Ich meine, in Dresden und in Leipzig gehen halt die Ausländerfeinde auf die Straßen und werden die Journalisten verprügelt, wie ich jetzt gerade gelesen habe, werden Schulkinder angeschrien und so. Ich habe diesen Spruch von Sigmar Gabriel, "Das ist Pack!", nicht unterschrieben. Ich finde, so soll man nicht über Leute reden, man muss versuchen, die alle mitzunehmen. Sie haben es ja völlig zu Recht gesagt, das sind halt auch Deutsche, die gehören halt auch dazu, was sollen wir mit denen machen, wir können sie ja nicht in der Ostsee versenken, also, die müssen wir schon noch mitnehmen. Aber dieses Mitnehmen, da haben wir in der Tat als liberale Mehrheitsgesellschaft offensichtlich in den letzten Jahren versagt in Ostdeutschland, da ganz klar.

Köhler: Das wäre eine Aufgabe für die nächsten 25 Jahre?

Augstein: Ja, natürlich, das ist eine unbedingte Aufgabe. Die Akkulturation ist noch nicht abgeschlossen. Und deshalb noch mal: Die Integration des Ostens ist noch nicht abgeschlossen, wie Sie ja daran sehen, also, auch diese Brüder und Schwestern müssen sich offensichtlich teilweise immer noch integrieren in unser größer gewordenes Deutschland, ganz genauso wie die Syrer. Bei manchen bin ich mir nicht sicher, wer den schwereren und weiteren Weg vor sich hat.

Das meint der nicht so, habe ich mir dann gesagt, er tut ja was er kann, mit dem "derFreitag" Ost-West-Zeitschriten-Projekt. Was er kann...eben.

Umfragen und OssiTests

Inzwischen haben allerlei Umfrage- und „Stiftung OssiTest“-Spezialisten rausgekriegt, dass die Ossis z. B. sich nicht so schnell beschweren oder Dinge reklamieren, weil sie es von der Diktatur nicht gewöhnt sind. Das stimmt: Ossis sind – vor allem wenn sie älter sind - nicht gewöhnt, bei jedem Mist zu krähen und das „Preis-Leistungs-Verhältnis“ zu monieren. Es liegt ihnen nicht so. Aber, sie sind nicht durch die Diktatur versaut, sondern eher ein bisschen gelassener.

Manchmal sind sie auch - aus Bequemlichkeit - vertrauensselig. Mein Mann z. B. Der glaubt dieser Schmerzcreme, Einreibe-Mittel Werbung. Da sieht man eine missgelaunte Katze, die es nicht so gut findet, dass Frauchen immer so hektisch herum hampelt und sich bei den Enkeln durch kurze Tritte gegen den Fußball anbiedert, weil sie so prima eingeschmiert ist. Glaubt der das, weil er in der Diktatur gelernt hat, dass das ZK recht hat, wenn es erklärt, dass wir alle bald im Kommunismus leben? Das glaube ich nicht. Er glaubt das, weil es ihm gutgetan hat bisher.

Ich weiß nicht, ob wir den VW-Diesel-Abgaswerten geglaubt haben. Aber, wir mussten ja dran glauben, wie andere an den Lieben Gott, denn wir haben sie noch nie gesehen, die Abgaswerte. Abgaswerte sind Glaubensfragen, religiös. So wie der Kapitalismus – vor allem sein Ende – eine Glaubensfrage ist. Das Ende der Geschichte hat ja dieser Fukuyama oder Fukushima schon verkündet. Ist es nun kein Ende der Geschichte, sondern ein Ende des Kapitalismus? Und gar ein Ende mit Schrecken?

Trotzdem – es ist nicht alles schlecht im Westen. Ossis sind ohnehin nie auf dem neuesten Stand. Kaum haben sie die Meckerei aufgegeben und sich mit dem Kapitalismus prima arrangiert, sind die Altbewohner der Altdemokratie und des verrotteten Kapitalismus schon wieder eine Stufe weiter und verlachen Leute, die meinen, der Kapitalismus habe auch gute Seiten. Das sagt z. B. Gregor Gysi. Der ist aber nicht auf dem neuesten Stand, der Mann. Ich bilde mir ein, dass es der höchst unterschiedliche revolutionäre Level ist, der eine deutsche Revolution so schwierig macht.

Mir geht’s so: Ich bin ein bisschen Gysis Meinung und auch der meines Mannes: Es ist nicht alles schlecht im Westen sagt er immer wenn er guten Käse isst.

15:59 03.10.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

Kommentare 6