Strauß und die DDR

Der Milliardendeal Das war ein amüsanter Film gestern bei der ARD. „Der Milliardendeal – Strauß und die DDR“. Er war schon eine Klasse für sich der FJS mit seiner Politik.
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Franz Josef Strauß hat mir immer imponiert, obwohl er oft empörend war.

Man fragt sich: Was ist eigentlich ein Vollblut-Politiker? Ist das einer, dem immer gleich das Blut so ins Gesicht steigt, wie Strauß bei jeder sich bietenden Aufregung? Ist das einer, der das Gefühl für Taktik im Blut hatte? Oder ist das einer, der gern auch mal böses Blut schaffte in Bayern und anderswo.

Beim Anblick von Strauß’ Agieren wird klar, was das Publikum sich wünscht. Einen achtenswerten politischen Feind.

Sie wollen einen Kerl. Und vor allem einen Kerl, der poltert, der randaliert, der aber doch in der Lage ist, das Gefühl zu verbreiten, er tue alles mit Herzblut "für das Volk". Vielleicht aber war er wirklich davon überzeugt .

Genau: Blut-Hochdruck und Bodenständigkeit – das war Strauß und es machte grimmiges Vernügen, ihm zuzusehen. Daher kommt heute ja auch der Jammer über die gegenwärtige Politikerriege. Wo gibt es noch so einen absoluten Polterer? Einen, der mit Politik aufsteht und auch mit ihr ins Bett geht. Und mit allerlei anderen, die der Politik zuarbeiten.

Es macht gar nichts, dass Strauß opportunistischer als die gegenwärtige Bundeskanzlerin agierte. Sein Opportunismus hatte Sinn, auch wenn er manchmal nur ihm selbst einleuchtend war. Man nennt das politisches "Bauchgefühl". Na, Bauch hatte er ja. Er spendet Kredite – der Steuerzahler bezahlt es später – und bis heute erklärt sich nicht schlüssig, warum. Will er die DDR retten oder einfach nur Helmut Kohl ärgern? Will er nachweisen, dass innerdeutsche Politik seine Domäne ist?

Gemütliche Gelage

mit dem Gegner

Achja, das müssen sehr gemütliche Gelage gewesen sein mit ihm, dem Gastgeber und Wurstfabrikanten März und vor allem Alexander dem Großen Schalck-Golodkowski. Sie werden einen Stiefel weggesoffen haben. Strauß hat nebenher dann auch noch DDR-Bürgern geholfen, die Dankschreiben liegen vor. Er hat freundlichere Verhältnisse an der DDR-Grenze erkauft, er hat dazu beigetragen, Waffensysteme zu beseitigen. Und gleich schreibt eine Rezensentin des Films in der FAZ, dass er damit das Ende der DDR mit beschleunigt hat. Wäre er am Leben, würde er vielleicht dreist behaupten, er habe das alles sowieso, allein und klug vorausschauend, in die Wege geleitet. Jetzt muss er hinnehmen, dass ihm – aus Pietät – wenigstens ein Anteil am Ende der DDR zugeschrieben werden muss. Achja, die Politiker.

Manchmal habe ich während des Films bei mir gedacht, vielleicht hat ihm der Gedanke gefallen, so zu agieren, wie seine ostdeutschen Kontrahenten. Wie die unangefochten von medialen Meckereien und öffentlichen Kritiken tun und lassen konnten, was sie wollten. Wären nur nicht die Eigentumsverhältnisse so rigide. Ohne Privatbesitz ist die schönste Repression nix wert.

Was hätte er wohl

nach 1989 gesagt?

Was hätte er nach 1989 wohl gesagt über seinen Milliarden-Kredit-Deal mit der DDR. Wie hätte er sich rausgewunden. Immer nur: Ich tat es für die Unterdrückten? Immer nur: Es ging um den Frieden? Ach, ach. Hätte er sich jemals noch mit Schalck-Golodkowski getroffen? Ich denke schon, da war er ein Mensch der FJS. Aber, es hätte halt geheim bleiben müsssen. Zum Fenster raus hätte er seine Verdikte gegen ihn und die gesamte Honecker-Blos’n geschleudert.

Eine Raute und keiner

haut mal auf den Tisch

Was haben wir heute in Deutschland? Eine Raute, eine Politik, die nicht ordentlich auf den Tisch haut, eine Kanzlerin, die nichts tut und so vielleicht Schaden vom Volke abwendet? Zumindest eine, die wenig sagt. Da war der Strauß doch anders. Seehofer ist ein nur dürftiger Ersatz für ihn.

Was ist da alles ungeklärt und wie schön klar waren die Verhältnisse damals. Strauß machte Politik wie ein Gutsherr und Honecker auch. Sie mochten sich trotzdem nicht. Aber fürs Menschliche war ja der Schalck da.

20:02 07.10.2014
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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