True love for a magic moment

Musik und Emotion Manchmal gibts magische Momente, sogar mit Musik gibts die. Und dies, obwohl ich nur mäßig musikalisch bin. Ein Erlebnis aus diesem Jahr.
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Ich kann ein Klavier bedienen, hatte als Kind mal einschlägige Unterweisungen, von denen ich mich lange nicht erholte und auch deshalb die klassische Musik mied. Ich wurde ein Allerwelts-Popfan ohne große Spezialisierung.

Hier habe ich darüber mal was gedichtet.

Lange her ist das. Geblieben ist mir aber davon die Neigung, hin und wieder auf dem Klavier zu klimpern, Melodien, die mir gefallen, Schlager, Volkslieder, was man will. Denn das kann ich noch ganz gut: Eine Melodie spielen und paar einfache Begleitharmonien dazu finden. Sehr schlicht ist das, aber mir machts Spaß.

Zu Hause habe ich kein Klavier mehr, deshalb stürze ich mich immer auf zugängliche Instrumente, wenn ich ihrer ansichtig werde. Manche Kultureinrichtungen haben noch eins, im Rathaus Pankow, wo ich hin und wieder zu Sitzungen muss, haben sie auch eins.

Bing Crosby

im Seniorendomizil

Kürzlich kam ich – wie häufig auf meinen Spaziergängen – am Seniorendomizil in der Pestalozzistraße vorbei. Manchmal nutze ich dort die sanitären Anlagen. Diesmal sah ich vor dem Eingang zum Speisesaal eine Information, dass der Klavier- Singe- Nachmittag leider ausfallen müsse. Ich blickte um die Ecke auf das verwaiste Klavier. Einer Laune folgend, fragte ich nach, ob ich darauf ein bisschen spielen dürfte, es sei doch jetzt frei, wie ich gelesen hätte.

Man gestattete und ich spielte also dort eine Weile vor mich hin. Einige der Heiminsassen,die schon auf dem Wege zurück in ihre Zimmer waren, kamen zurück und wir sangen einige Lieder zusammen. Volkslieder: Jetzt gang i ans Brünnele“ und solche Sachen. Es war da schon noch ein beträchtliches Repertoire vorhanden.

Dann kam ein alter Herr, in seinem Rollstuhl, der einige Zeit schon am Fenster draußen vorbeigefahren war, und mir neugierige Blicke zugeworfen hatte. Er sang eine Weile freundlich dies und das mit, hörte auch zu. Aber, dann erwachte was in ihm. Er richtete sich auf und ging einer Erinnerung nach, die ihn zum Handeln trieb.

Auffordernd sah er in meine Richtung und stimmte an.

Suntanned, windblown, honeymooners at last alone

Das kannte ich und das war ein Glück, und so sang ich lächelnd zurück:

Feeling far above par.Oh, how lucky we are!

Dann klimperte ich vorsichtig mit und versuchte mich dann ein bisschen an der zweiten Stimme als wir weitersangen.

While I give to you

And you give to me,

True love, true love.

So on and on

It'll always be,

True love, true love.

For you and I

Have a guardian angel

On high, with nothin' to do.

But to give to you

And to give to me,

Love forever true

Ich sah, dass der alte Herr sogar ein bisschen Bing Crosby Typ war, sehr schlank und - was auch an allerlei Dingen deutlich wurde - sehr krank. Aber, das war alles für ihn vergessen. Ich war gern Grace Kelly ein Lied lang.

Und hier das Original.

22:55 30.12.2014
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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