Über die Wirkung von Computerspielen

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Spielen hat positive Effekte

Ich bin heute mit einem Krampf in den Beinen aufgewacht. Sofort setzte ich diese Befindlichkeitsstörung in Beziehung zu den Weltläufen und fragte mich, ob das was mit den Wahlen zu tun hat. Hatte es aber nicht. Es hatte damit zu tun, dass ich gestern meiner Spielsucht nachgegeben habe. Seit ich gelesen habe, dass Spielen auch positive Effekte haben kann, hab ich mein uraltes Abenteuerspiel aufgerufen. Das hat mir einst ein freundlicher IT-Mensch als Bonus geschenkt und es ist 10 Jahre alt. Das passt zu mir. Ich will gar nicht mehr auf dem neuesten Stand sein.

Schon bei der ersten Runde habe ich festgestellt, dass Spielen gefährlich ist. Vor allem für das soziale Umfeld. Tagelang habe ich – noch ziemlich ungeübt – verbissen einen Ork oder Wartok bekämpft, hatte keine Lebenskraft im Sack mehr und auch noch falsch abgespeichert. Ich musste also gegen diese Gestalten gewinnen, damit das Spiel überhaupt weiterging. Ich habe es xmal probiert und lag immer mit meiner Heldin am Boden. Zwischendurch sollte und wollte ich auch noch ein schmackhaftes Mittagessen herstellen. An dem Tag waren es Schnitzel. Noch unter dem Eindruck des Spieles habe ich die mit unglaublicher Vehemenz weichgeklopft und dabei immer an die rot zerspritzenden Einzelteile der Orks gedacht. Beim Rouladenrollen am nächsten Sonntag war der Gedanke an das Spiel nicht so günstig, da braucht man ja ein bisschen Fingerspitzengefühl. Ich war in Gedanken auf der Suche nach dem Durchgang zum nächsten Level oder so, weshalb mir andauernd die Gurken- und Zwiebelstücke seitlich rausrutschten.

Lange Zeit habe ich das Spiel überhaupt nicht mehr beachtet, ein Neues interessierte mich auch nicht. Jetzt aber – das Fernsehen ist doof und ich habe nun mal diesen schönen Laptop und nicht immer Bock, was Vernünftiges zu schreiben, da spulte ich es auf und begann von vorne mit meiner Sucht. Erst jetzt fiel mir auf, dass der Drache, auf dem meine Heldin reitet, aussieht wie ein Grillhähnchen beim Fasching. Es stimmt aber schon, dass das Spielen in einem neue Fertigkeiten entwickelt.

Ich habe jetzt zum Beispiel gelernt, dass man – bevor man so ein Spiel in Angriff nimmt, nach den Cheats und Spieletricks googeln muss. Und so bin ich endlich draufgekommen, wie man das alles ein bisschen abkürzt. Man kann das Spiel in einem bestimmten Modus aufrufen und eingeben: I’m God. Da antwortet diese „riot engine“ mit einen Segensspruch und man ist unverwundbar.

Das ist Klasse. Man lernt vor allem bescheißen bei diesen Spielen. Ich spiele jetzt nur noch als Unverwundbare, aber die Platte zum Deaktivieren eines Kraftfeldes finde ich trotzdem nicht und kämpfen muss ich auch. Und dabei habe ich mir diesen Krampf in der rechten Wade zugezogen. Immer, wenn ich so mit der rechten Maustaste gegen meine Gegner zu Felde zog, habe ich das Bein – unergonomisch und unbewusst gegen den Boden gestemmt und heute morgen war das dann die Rache. Also Spielen hat schon bildende Wirkung- es bildet Krämpfe aus und man kann lernen, wie man bescheißt. Das ist doch schon mal gut.

21:41 30.08.2009
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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