Was macht jetzt Merkel?

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Ich möchte wetten, morgen beschäftigen sich die Kommentare weniger mit Köhler - was weg ist ist weg - sondern mit der Frage: Was macht Merkel?
Was macht eine Bundeskanzlerin, der zunehmend die Leute abspringen? Nicht mal über den Rücktritt Kochs konnte sie wirklich zufrieden sein, denn immerhin hielt der noch den konservativen Flügel bei der klapprigen Stange, bot eine Diskursheimat und eine Meckerecke. Koch trat ab mit lässiger Geste, die wohl sagen sollte, dass ihn diese mühsam noch einmal erhaltene Provinzmacht ohne weitere Verheißungen nicht mehr ausfüllt. Dorthin zu gehen, wo wahrer Einfluss und viel mehr Geld ist, scheint wie ein Kommentar auf die Frage, wo sich die Macht zunehmend viel unverzierter und unverdeckter manifestiert als in der Politik.

Und jetzt wirft Köhler die Brocken hin, der auf eine verteidigende Geste gehofft hatte, nachdem der Präsident wegen seiner unfreiwilligen Eindeutigkeit im Interview so hart kritisiert wurde. Bei Angela Merkel kann er da lange warten. Die wartet erst mal ab, wie sich das Echo gestaltet und dann entscheidet sie. Aber aus Köhlers Sicht wartete sie wohl beleidigend und "lieblos" lange.

Merkel moderiert - und viele Frauen haben diesen Stil noch immer aus Solidarität verteidigt, auch wenn ihre politischen Überzeugungen nicht geteilt wurden.
Aber jetzt: Sie moderiert schlecht und zunehmend entsteht die Frage, was geschieht, wenn es nichts mehr zu moderieren gibt und es auch keine strategischen Schachzüge mit allerlei politischem Personal gibt, weil keins mehr da ist. Oder weil das politische Personal - die Moderatorin gnadenlos beiseite schiebend - gleich selbst zur Klärung schreitet, vielstimmig, krawallig und nur den eigenen Punktgewinn im Sinn wie bei einem Boxkampf oder bei DSDS.

Die Angriffe auf die Bundeskanzlerin werden sich verstärken. Es sei denn, die Zeiten werden so düster, dass man eine Trümmerfrau braucht, wie nach Kohls Abgang, dann kann sie noch eine Weile unangefochten bleiben.

Am besten wäre - angesichts der schwindenden Bedeutung von Politik - auch eine Frau als Bundespräsidentin. Da gibts ja nach den politischen Scherben, die Köhlers Brachial-Demission hinterlassen hat, auch allerlei wegzufegen.

20:23 31.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

Kommentare 108

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