Werner Klemke 1917-1994

Zum 100. Geburtstag Wer in der DDR aufwuchs und das Glück hatte, "Das Magazin" zu lesen oder gar AbonenntIn war, kennt Werner Klemke. Begnadeter Illustrator, stiller Held im 2. Weltkrieg
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Der Klemke Kater war seine wunderschöne Signatur und machte seinen Schöpfer – der unzählige Bücher und Kinderbücher mit seinen Illustrationen belebte - zu einer Institution.

Werner Klemke - Hier ist Näheres über sein Leben zu finden.

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Finde den Kater - auch auf diesem Titelbild des Magazins hat er sich versteckt

Klemke hat aber auch das Decamerone illustriert. Für diese Arbeit wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der italienischen Stadt Certaldo verliehen.Eingebetteter Medieninhalt

Briefmarken wurden von ihm illustriert.

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Diesen mobilen Ausstellungswagen sah ich im Herbst 2015 an der Pankower Ossietzkystraße. Er war in jenem Jahr an verschiedenen Orten im Bezirk unterwegs.

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Besatzer, Fälscher und Held

Werner Klemke war in den Niederlanden als deutscher Besatzungssoldat stationiert. Dort wurde er Zeuge einer Razzia im Amsterdamer "Großen Ghetto". Menschen wurden zusammengetrieben, zum Bahnhof gejagt, wo sie in die Vernichtungslager transportiert wurden. Das erschütterte ihn zutiefst, wie er in einem Interview erklärte.

Klemke lernte bei einem Buchhändler - dem Antiquariat Erasmus - einen anderen deutschen Soldaten kennen, Johannes Gerhardt, der später bei einem Bombenangriff umkam. Beide hörten bei Erasmus vom Schicksal jüdischer "Untergetauchter". Klemke half, indem er sein Talent in den Dienst der Herstellung gefälschter Papiere stellte. Er und sein Kamerad verhalfen so z. B. einer Familie zu einem "arischen" Großvater, damit sie der Verfolgung entkam.

Es waren über 300 Menschen, die laut Recherchen der Regisseurin des Films "Treffpunkt Erasmus", Annet Betsalel, so gerettet werden konnten. 2015 wurde der Film uraufgeführt. In einer Synagoge in der niederländischen Stadt Bussum, wo Klemke stationiert war, fanden sich die Dokumente, die seinen und den Einsatz des Freundes belegen.

Unauffällig, "angepasst" verhielt sich Klemke. Er stellte 1943 im Amsterdamer Rijskmuseum im Rahmen einer Ausstellung "Kunst der Front" aus und schuf z. B. eine antisemitisch getönte Spott-Karikatur auf das Lied "Lilli Marleen". Er wollte kein Held sein. Er wollte helfen.

Zu DDR-Zeiten hat er über diesen Teil seiner Biographie nie gesprochen. Er war und blieb unauffällig, wie sein berühmter Magazin-Kater, den man auf dem Titel immer erst entdecken musste. Sein kreatives Tun aber ist bekannt und bewundert.

Als er im Jahr 1994 starb, war er schon seit vielen Jahren ein sehr kranker Mann. Das Haus in der Weißenseer Tassostraße, in dem er wohnte, erhielt vor einiger Zeit schon eine Ehrentafel. Eingebetteter Medieninhalt

In diesem Monat würde Werner Klemke 100 Jahre alt.

Die Berliner Woche berichtete vor einiger Zeit, dass ein kleiner grüner Platz nicht weit von seinem Wohnort und auch in der Nähe der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst (heute Kunsthochschule) in Weißensee ab 12. März seinen Namen tragen wird.

09:00 10.03.2017
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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